Die Oberthaler ,,Rötelkrämer"

 

Gemeinde Oberthal 

 

Wer hätte gedacht, dass es eine Verbindung zwischen Leonardo da Vinci und der Gemeinde Oberthal gibt?  

Die Verbindung lautet "RÖTEL" und dieser ist ein stark eisenoxidhaltiger roter Farbton, der sich fettig anfühlt, wasserabweisend ist und gut auf Papier 

 

 

haftet. Und mit diesem Naturprodukt malte Leonardo sein berühmtes Selbstbildnis aus dem Jahre 1510.

 

Was dies nun mit Oberthal zu tun hat?

Nun hier ist eines der klassischen Fundgebiete dieser Farbe beheimatet und über Jahrhunderte lang war das Rötelgraben der Haupterwerbszweig der Menschen rund um Oberthal, die diesen wertvoller Stoff in den gesamten Mittelmeerraum exportierten. In Gronig am Kahlenberg, gab es einen Stollenabbau. Die wichtigsten Ortschaften die mit dem Abbau und dem Vertrieb von Rötel zu tun hatten, waren Theley, Selbach, Gronig und vor allem Oberthal.

 

Dazu gab es zahlreiche Rötelhändler oder Rötelkrämer in Bliesen, Namborn, Furschweiler und Urweiler. Aber allein nur noch die Oberthaler gelten als "Die Rötelkrämer", was darauf hindeutet, dass im oberen Bliestal der Rötelabbau und -vertrieb besonders intensiv und vor allem auch lange betrieben wurde.

 

Von den Oberthalern weiß man, dass sie den Rötel im Winter gruben und im zeitigen Frühjahr zusammen mit Ehefrau und Kindern auf ihre mit Eseln oder Pferden bespannten Fahrzeuge luden, um dann auf Handelsfahrt zu gehen. So bereisten sie während der Sommermonate halb Europa. Dabei kamen einige bis nach Marseille und zur spanischen Grenze. Andere fuhren an die Nordseehäfen und kamen auch bis nach Ostpreußen und Oberschlesien. 

 

In den Häfen hatten die Oberthaler Rötelkrämer oft ihre beste und treueste Kundschaft. Hier war der Rötel ein begehrter Artikel. Geglühter Rötel - mit Öl vermischt - diente als äußerst

haltbarer und widerstandsfähiger Schutzanstrich für die hölzernen Schiffsplanken. Pünktlich am zweiten Wochenende im September waren dann alle Rötelkrämer wieder zu Hause angekommen und feierten ein großes Fest, die Oberthaler Esels- oder Rötelkrämerkirmes. 

 

In der Regel waren die Rötelkrämer arme Leute. Dennoch, sie waren frei und unabhängig und schafften es immer wieder, mit der Familie, mit den meist erbettelten Kleidern, dem geringen erzielten Gewinn ihrer Handelsfahrten sowie den beiden Ziegen und ein paar Hühnern über den nächsten Winter zu kommen und damit eine insgesamt anerkennenswerte Lebensleistung zu vollbringen.

 

 

Rötelbild von Gisela Schumann
Rötelbild von Gisela Schumann

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