So hat alles angefangen - Hubert Bier Senior erzählt aus seinem Leben

Gemeinde Oberthal

 Zuerst müssen wir die Uhr weit zurück drehen, bis ins Jahr 1868. Denn das ist das Geburtsjahr von Johann Scherer aus Güdesweiler. Mit ihm hat alles angefangen. Aus seiner Firma entwickelte sich der Bau-stoffhandel Bier. Er machte sich damals im Jahre 1880 selbstständig. Zuvor arbeitete er im Eisenwerk auf der Maria Hütte in Kastel. Dort hatte er viele Kontakte genutzt, die für 

 

ihn als Händler sehr wichtig waren. Nachdem er zuerst mit der Belieferung von Heu, Stroh, Hafer und Futtermittel angefangen hatte, kam alsbald die Kohle hinzu. Denn zur damaligen Zeit kam der Umbruch von Holzkohle auf die Steinkohle. Johann Scherer bezog die Kohle von den Saar-Gruben die dann in Waggons transportiert wurden. Im Gegenzug gab es für die Gruben Heu, Stroh und Futtermittel für die Pferde, die die Kohle aus den Gruben ziehen mussten. So belieferte er auch die Maria-Hütte mit Kohle, die gebraucht wurde, um das Eisenerz zu schmelzen.

 

Mit Ende des 1. Weltkriegs liefen die Geschäfte nicht mehr so gut und Johann Scherer zog von Kastel wieder nach Güdesweiler und konzentrierte sich 1884 wieder auf den Verkauf von Futtermittel. ,,In Kastel hat er auch Maria Weiler kennengelernt", erzählt Hubert Bier schmunzelnd, ,, die er bei der Gelegenheit gleich mitgenommen hatte". Im Jahre 1891 wurde das erste Kind geboren, das war Huberts Mutter, Maria. Johann Scherer war nicht nur Geschäftsmann, er war auch gleichzeitig Ortsvorsteher von Güdesweiler.

 

Sein Geschäft hat er stetig erweitert und hat dann die umliegenden Bäckereien mit Mehl beliefert. Wenn jemand bauen wollte, hat er auch Zement geliefert. Und alsbald besaß Johann Scherer den ersten LKW in Oberthal, der von einem seiner Söhne gefahren wurde.

 

Johann Scherer mit Frau Maria und Kinder
Johann Scherer mit Frau Maria und Kinder

 

,,Und dieses Geschäft hat Johann Scherer später abgegeben an meinen Vater, an Josef Bier, der mit der ersten Tochter Maria Scherer verheiratet war. Das war 1925", erzählt Hubert. Josef Bier hat das Geschäft erweitert mit Keramikplatten und Baumaterialien. Er war auch Organist und Küster in Oberthal. Doch er bekam die Stelle nur halb bezahlt und so ließ sich nicht genug verdienen, deshalb bekam er noch das Geschäft dazu. 

 

Ein weiterer LKW wurde angeschafft, und die Geschäfte liefen bis zum Krieg gut. Dann wurde Josef Bier und seine Kinder Oskar und Albert Bier zum Krieg eingezogen. Ab 1938 ruhte das Unternehmen bis der Krieg 1945 zu Ende war. Nach dem Krieg, Oberthal war ausgebombt, musste erst das Haus wieder aufgebaut werden. Kurz darauf, als Hubert 16 Jahre alt war, wurden die ersten Geschäfte wieder getätigt. Josef Bier nahm wieder Kontakte zu Großhändlern auf, bekam Kredite, nahm wieder Kohle hinzu.

 

Ein weiterer LKW, ein Holzvergaser wurde angeschafft, die Sensation in Oberthal. Damit wurden die ganzen Baumaterialien transportiert, sogar aus Frankreich bei Rombas/Metz. Und die Oberthaler Glocken hat Hubert in den 40 ziger Jahren in Colmar abgeholt, sowie die Kirchenglocken in Gronig die an der belgischen Grenze gefertigt wurden.

 

Allerdings wurde er vom Pastor entlassen, denn Küster sein und ein Geschäft haben, das ginge nicht. Dafür wurde aber ein anderer eingestellt, der den vollen Lohn erhielt. ,,Hätt er vorher den Opa ganz bezahlt, wäre er Küster geblieben", erläuterte Hubert  und Christa Haupenthal, die bei den Recherchen mithalf, fügte lachend hinzu:

,, Dann hättest du aber das Geschäft nicht. Dann hättest du Küster werden müssen". 

,,Dann wäre ich heute pensionierter Küster", fügte Hubert Bier lachend hinzu.

 

Zur damaligen Zeit war mit Bauen noch nicht so viel zu verdienen und so nahm Bier noch das Pflastergeschäft hinzu. Und im jetzigen Haus von Hubert Bier befand sich das Zementlager im untersten Geschoss. Bis 1955 betrieb Josef Bier erfolgreich das Geschäft ehe er es an seinen Sohn Hubert Bier abgab. Zu dieser Zeit war die Kohle noch sehr gefragt, jeder Bergmann bekam 120 Zentner Kohle im Jahr und so ging die Hälfte der Arbeitszeit nur für das Fahren der Kohle drauf. 

 

Und auch Hubert Bier baute sein Geschäft weiter aus. In Güdesweiler wurde die Sand- und Kiesgrube eröffnet und bei Steinberg-Deckenhardt der Steinbruch. In zwei Schichten wurde damals gefahren. Der Kies wurde für Parkanlagen, Sportstätten und Waldwegen benutzt und das ganze Saarland wurde damit beliefert. Später in den 70 ziger wurde das Lager der Volksbank aufgekauft und ein neues größeres Lager entstand auf dem heutigen Gelände der Baustoffe Bier. Entsprechende Gerätschaften, wie Bagger, Radlager, Raupen und Walze wurden gekauft sodass die Arbeit nicht mehr so sehr auf die Knochen ging. Sie wurden für das Anlegen von Wald,- und Feldwegen benötigt. 

 

 

Josef Bier zweiter von rechts
Josef Bier zweiter von rechts

 

Nachdem zwei Mitbewerber aufgaben, übernahm Hubert Bier auch das Geschäft mit dem Heizöl. Zu dieser Zeit hatte Hubert 16 Mitarbeiter. Stück für Stück hat er die Firma immer weiter aufgebaut. Bis zu 22 Mitarbeiter waren es einmal bis er das Geschäft 1992 an seinen Sohn Hubert Bier Junior abgab. Der führt den Familienbetrieb heute erfolgreich weiter.

 

In seinem Rentenalter hat Hubert Bier viel geschichtliches Material über die Entstehung von Oberthal und den Vereinen gesammelt. Alles geordnet und fein säuberlich gestapelt. Hier lagert Oberthaler Geschichte, von der wir noch mehr hören werden. 

 

Hubert Bier bei seiner Recherche der Oberthaler Chronik
Hubert Bier bei seiner Recherche der Oberthaler Chronik

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Kommentare: 1
  • #1

    heidi daubenbüchel (Donnerstag, 02 Februar 2017 17:19)

    ja Andreas der liebe Onkel Hubert war einmalig .