Das Phänomen des Bienensterbens - Zu Besuch bei Manfred Kasper in Gronig

Gemeinde Oberthal

Bei der diesjährigen Maiwanderung, die vom Obst-und Gartenbauverein, dem 1. Vorsitzenden H.J. Recktenwald und Björn Gebauer organisiert und durchgeführt wurden, waren wir zu Gast im 

 

Bienenhaus bei Manfred Kasper auf Landsklopp in Gronig. Gebaut wurde es im Jahre 1991, vor rund 26 Jahren. Manfred kam durch seinen Onkel Karl Scheid aus der Humweilerstraße zur Imkerei. Seit 1977 hält Manfred Bienen, zuerst in seinem Bienenhaus ,,In der Grundell", dann hier oben auf Landsklopp. Er kann also auf eine 40 jährige Imkertätigkeit zurückblicken.

 

Zur Zeit bewirtschaftet er noch 5 Bienenvölker; es waren such schon mal 14 an der Zahl. Von seinen ehemals 9 Völkern , die er letztes Jahr eingewintert hatte, haben leider vier nicht überlebt. Und das macht den Imkern derzeit schwer zu schaffen. Das Phänomen des Bienensterbens.

 

Feind Nr. 1 ist und bleibt die Varroamilbe. Die wurde in den 80 iger Jahren aus dem Kaukasus eingeschleppt. Eine kleine Milbe, die sich wahnsinnig schnell im Bienenstock  verbreitet und die Larven zerstört. Dann setzt sie sich auf die Bienen und saugt sie förmlich aus, bis zum Tod.

 

Manfred Kasper an seinem Bienenhaus auf landsklopp
Manfred Kasper an seinem Bienenhaus auf landsklopp

 

Behandeln könnte man die Milben mit chemischen Mitteln, gegen Ende Juli, Anfang August wenn der Honig geschleudert wird, aber das ist Manfred zu gefährlich. ,,Die Rückstände lagern sich im Wachs ab und verbinden sich später mit dem von den Bienen eingetragenen Honig. Das ist gesundheitlich nicht unbedenklich", erklärt Manfred.

 

Die andre Möglichkeit die Manfred nutzt, ist mit Ameisen- und Oxalsäure zu arbeiten. Das ist die natürlichere Variante. Es bleiben keine Rückstände. Aber auch da muss er aufpassen, denn stimmt das Mischungsverhältnis nicht von Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Menge, geht die Behandlung ins Leere. Dabei könnten entweder die Bienen sterben, wegen zu hoher Dosierung oder die Varroa überlebt, wegen zu geringer Dosis.

 

Der zweite Feind der Bienen, sind die Pestizide, die Pflanzenschutzmittel. Die Bienen brauchen zur Fütterung ihrer Brut u.a. auch Wasser, das heißt das Spritzgut der Pestizide wird über die Wasserquelle von den Bienen aufgenommen, in den Bienenstock eingetragen und somit beginnt die verheerende Wirkung.

 

Im Bienenstock
Im Bienenstock

 

Weitere Gründe des Bienensterbens liegen im immer knapper werdenden Nahrungsangebot durch Monokulturen, hier bei uns durch Maisanbau, die keine Nahrungsquelle für Bienen darstellt. Rapsfelder wären ideal, weil diese viel Honig spenden. Auch die Witterung spielt eine Rolle bei den Bienen. 

 

,,Dieses Jahr hatten wir schon sehr früh sehr schöne Tage, alles grünte und blühte zwei Wochen früher. Dann kamen Trockenheit, Kälte und Frost. Die Triebe von Kirch-, Apfel-, und Walnussbäumen erfroren", so der Experte. Und der nächste Feind ist schon im Anmarsch: Der kleine Beutenkäfer und die Kirchessigfliege.

 

Bienen sind in der Natur, also im Ökosystem unverzichtbar. Etwa 80% der Blütenpflanzen werden durch sie bestäubt. Damit wird der Fortbestand der Pflanzen garantiert, denn ohne Bestäubung gibt es kein Obst, keine Beeren und kein Samen als Nahrung für die Tierwelt. Studien haben nachgewiesen, wenn es keine Bienen mehr gibt, ist innerhalb von 5 Jahren das Überleben der Menschheit nicht mehr garantiert.

 

Bienen schwirren aus ihrer Behausung
Bienen schwirren aus ihrer Behausung

 

In jedem Bienenvolk gibt es nur eine Königin. Sie lebt meist 3 bis 4 Jahre, dann muss eine neue her, die man kaufen oder selbst züchten kann. Im Schnitt legt so eine Königin bis zu 1500 Eier. Weiter gibt es die männliche Honigbiene, die sog. Drohnen, die ca. 20 - 50 Tage leben. Im Sommer sind 500 - 1500 solcher Bienen in einem Bienenvolk.

 

Sie sammeln weder Nektar, bauen keine Waben, kümmern sich nicht um den Nachwuchs und können sich nicht selbst versorgen. Sie müssen sogar von ihren weiblichen Artgenossen gefüttert werden. Man könnte fast sagen, so ähnlich wie bei den Menschen. Ihre einzige Aufgabe ist es sich mit der Königin zu paaren. Und das Ganze findet im Flug statt. Meist sind es nur 5 - 10 Drohnen die das Vergnügen haben. Dafür müssen die ,,Glücklichen" aber mit dem Leben büßen.

 

Dann gibt es noch die weiblichen Arbeiterinnen. Ihre Anzahl im Bienenvolk beträgt im Winter um die 10 000, im Sommer 60 000 pro Volk. In der ersten Zeit putzt sie die Waben, hält die Beute sauber, baut die Waben aus, repariert sie, füttert die Larven und macht den Wachdienst.

 

 

In ihrem zweiten Lebensabschnitt vom 20. Lebenstag bis zu ihrem Tod (bis 45 Tage im Sommer) betätigt sich die Arbeiterin als Sammelbiene, sie trägt den Nektar ein, sammelt Wasser und erzeugt Propolis, sog. Kittharz, mit dem sie den Bienenstock gegen äußere Einflüsse abdichtet.

 

Manfred Kasper hat uns deutlich gemacht, wie wichtig Bienen für unser Überleben sind und das man enorme Kenntnisse darüber haben muss, um solche Bienenvölker zu halten. Es war ein sehr interessanter Vortrag, indem jeder gespannt zuhörte. Vielen Dank dafür. 

 

Dann stand aber auch schon der nächste Besuch auf dem Plan, die Milchkühe vom Landwirt Müller in Gronig. Das wird ein weiterer Bericht sein.

 

Der Blick vom Bienenhaus auf den Momberg
Der Blick vom Bienenhaus auf den Momberg

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Kommentare: 1
  • #1

    Hans Therre (Montag, 05 Juni 2017 13:13)

    Ein klarer, sachkundiger Artikel, der fast alle Ursachen des Bienensterbens aufführt. Zum "fast": nicht geringen Schaden richtet auch das nahezu rasende Rasenmähen mit einem wenig naturfreundlichen, stinkenden und lärmenden Gerät an. Und vielleicht sollte man noch erwähnen, dass die Bienen tötende Varroamilbe durch den Handel mit Bienen "eingeschleppt" wurde. So dass als Fazit bleibt: überall, wo die Natur geschädigt und zerstört wird, hat letztlich immer der Mensch seine Hand im Spiel und ist der Haupttäter.