Flugzeugabsturz 1978 - Oberthal entkommt nur knapp einer Katastrophe

Bilder: Verein für Geschichts- und Heimatkunde Oberthal
Bilder: Verein für Geschichts- und Heimatkunde Oberthal

Gemeinde Oberthal

Akribisch durchsucht Werner Rauber vom Verein für Geschichte und Heimatkunde Oberthal, die vielen Archiv-Ordner, die fein säuberlich in den Regalen stehen, im ehemaligen Bauernhaus ,,Klopp", um etwas über den damaligen Starfighter-Absturz in Oberthal zu finden. Als die Hoffnung 

 

immer mehr sank und Rauber aber so schnell nicht aufgeben wollte, fand sich im letzten Ordner der Feuerwehr unglaublich viel Material mit tollen Bildern zu dem Flugzeugabsturz. Und jetzt wurde einem auch mal so richtig bewusst, wie wichtig der Verein für Geschichte und Heimatkunde für unsere Gemeinde ist.

 

Und Franz-Josef Mörsdorf, der sich zu uns in die Bauernstube gesellte, erinnerte sich noch genau an den 17. August 1978 an einem schönen sonnigen Freitagmorgen: ,,Der Pilot wollte, dass die Maschine gegen den Momberg fliegt, vorher hatte er den Brennstofftank schon abgeworfen auf ein freies Feld, sonst wäre die Explosion noch größer geworden. Aber dann stürzte die Maschine ins Wohngebiet. Der Pilot konnte sich über Bliesen mit dem Schleudersitz noch retten". Sein Fallschirm verfing sich in einer Hochspannungsleitung. Er blieb aber unverletzt.

 

Zahlreiche Oberthaler waren Zeugen als der Starfighter vom Typ F 104 der kanadischen Luftwaffe mitten in das Wohngebiet in der Flurstraße abstürzte. ,,Ich hörte dieses unheimliche Geräusch, duckte mich unwillkürlich. Dann gab es einen heftigen Knall, und ich sah einen mächtigen Feuerstrahl mit einer schwarzen Wolke am Himmel", schilderte damals der Augenzeuge Josef Federkeil.

 

Wenige Minuten nach dem Absturz, bot sich den herbeieilenden Helfern ein Bild der wie nach einem Bombenangriff aussah. Zwei Wohnhäuser und ein landwirtschaftliches Anwesen standen in hellen Flammen. Rechts und links der Flurstraße waren die Gärten und Wiesen mit Trümmern übersät. Kaum ein Dach in unmittelbarer Umgebung, das keine Einschlaglöcher aufwies.

 

Das Anwesen von Familie Gebel an der Hauptstraße
Das Anwesen von Familie Gebel an der Hauptstraße

 

Und auch der damalige Bürgermeister Gilbert Korzilius konnte es kaum fassen: ,,Wenn das Flugzeug nur 300 Meter entfernt im Ortszentrum niedergegangen wäre, dann hätte es eine Katastrophe gegeben". Fast völlig aus brannte das Haus Rußer in der Flurstraße. Ein Flugzeugteil hatte hinter dem Haus mehrere Bäume entwurzelt und einen drei Meter tiefen Trichter gebildet. Gar nichts mehr zu retten gab es in dem landwirtschaftlichen Gebäude Gebel an der Hauptstraße, in dem ein Wrackteil wie eine Brandbombe gewirkt hatte.

 

Erheblicher Schaden auch in dem Haus Rauber, wo die angebaute Scheune niederbrannte und der Wohntrakt durch den schnellen Einsatz der Feuerwehr noch gerettet werden konnte. Magdalena Rauber war zum Zeitpunkt der Explosion im Haus: ,,Ich habe gerade Bohnen geschnippelt und mich geärgert, dass die heute wieder besonders lästig sind mit ihrem Krach. Dann hörte ich den Knall und ging hinter das Haus. Da brannte die Scheune des Nachbarn. Es knatterte fortdauern und Flammen schossen auf unser Haus zu. Ich habe gedacht, die schießen auch noch!".

 

Es gelang der Frau, zwei im Stall stehende Rinder mit Hilfe beherzter Männer vor dem Feuer zu retten. Und die Nachbarin Hedwig Schuch war völlig aufgelöst. Wenige Minuten vor dem Unglück spielten ihre beiden Enkel noch hinter dem Haus, genau an der Stelle, wo sich das Triebwerk in den Rasen bohrte. Die Kinder hatten Durst und kamen rein, um etwas zu trinken. 

 

,,Ich bin dem Tod von der Schippe gesprungen", erklärte H.Backes, der im Garten in seinem Erdbeerbeet gearbeitet hatte, und sich im Keller ein Brett holen wollte. Als er raus kam sah er einen riesigen Krater anstelle des Beetes. 

 

 

Von Glück redete auch Hans Schario, der gerade auf seinen Balkon treten wollte, als vor seiner Nase das Bugrad des Starfighters vorbeipfiff, gegen die Mauer des Balkons donnerte und ein Stück davon herausriss. 

 

Die Hauptstraße war viele Stunden gesperrt und Polizei und Feuerwehr hatten wegen der Größe der Fläche, über welche die Trümmer zerstreut waren, alle Mühe, die Unfallstelle abzusichern und die Schaulustigen zu vertreiben. Vor allem die Kinder steckten Wrackteile und Munition als Souvenirs ein. Dank der Feuerwehr Oberthal, Gronig, Bliesen und St.Wendel waren die Brände schnell unter Kontrolle.

 

Nach zwei Stunden riegelte die Militärpolizei das Zentrum des Absturzgebietes hermetisch ab. Spezialisten nahmen die Untersuchung auf. Quartier wurde im Schullandheim bezogen, das der Regionalverband Saarbrücken zur Verfügung stellte. 

 

 

Der Düsenjäger war damals von der Canadian Airbase in Söllingen gestartet und flog nur in einer Höhe von 600 Metern auf die Unglücksstelle zu. Nach den ersten Untersuchungen teilte der zuständige Staatsanwalt mit, dass möglicherweise durch einen Vogelschlag das Triebwerk ausgefallen war.

 

Nach einer Besichtigung der Unglücksstelle forderte der damalige Innenminister Alfred Wilhelm den Bundesverteidigungsminister Hans Apel auf, dafür zu sorgen, dass in Zukunft Tiefflüge über dem nördlichen Saarland unterbleiben. Denn in jener Zeit flogen von früh bis spät die tieffliegenden Militärmaschinen über das Übungsgebiet.

 

In diesem Sinne hatten sich erst am Vorabend des Oberthaler Unglücks in Resolutionen an Landes- und Bundesregierung gewandt, dass hier etwas geschehen müsse! Wie durch ein Wunder, wurde hier niemand verletzt.

Bilder stammen vom Verein für Geschichte und Heimatkunde in Oberthal.

 

Christoph Ternig, Oberthal
Christoph Ternig, Oberthal

Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    Hilli Dieringer (Mittwoch, 20 September 2017 18:06)

    Super deinBericht, gut das man das noch mal nachlesen kann, kann mich noch gut daran Erinnern, an den Knall, Rauch und Lärm, hatte große Angs damals, und das ist bis heute geblieben wenn die Flugzeuge über Oberthal Donnern.LG

  • #2

    Marco Simon (Donnerstag, 21 September 2017 07:12)

    Mich würde ein Einblick in die Bilder interessieren.
    Es haben sich ein paar kleine Fehler eingeschlichen. Der Absturz war am 18.08.78.

    http://aviation-safety.net/wikibase/wiki.php?id=54960

  • #3

    isabelle (Donnerstag, 21 September 2017 14:10)

    Hallo Marco, alle Bilder sind mit dem 17.08.78 um 9.45 datiert. Zwei Zeitungsberichte waren geschrieben worden mit dem 18.08.78. Zeitzeugen sagen der 17.08.78 war es. Rein rechnerisch könntest du Recht haben, da die Rede von einem Freitagmorgen war. Es denn man hat sich im Tag geirrt und es war ein Donnerstag. Viele schrieben einfach nur gestern......Gruß Isabelle

  • #4

    Renate Peiffer (Donnerstag, 21 September 2017 22:54)

    Ich kann mich noch gut daran erinnern. War im Garten am Wäsche aufhängen und hab gesehn wie die Maschine explodiert ist. Es war schrecklich und man vergibt das nie

  • #5

    Möller Werner Bliesen (Donnerstag, 26 Oktober 2017 23:31)

    Ich war gerade vorm Haus und hörte die Raketen des Schleudersitzes und sah dann den Piloten am Fallschirm über Bliesen der dann auf dem Kirmesplatz landete.
    Mann sah auch richtung Oberthal den Rauchpilz des explodierten Starfgther.