Der Oberthaler Bahnhof - einst ein Schmuckstück im Ort

Gemeinde Oberthal

Nicht einmal 70 Jahre alt geworden ist der Personenverkehr auf der Strecke St.Wendel-Oberthal-Tholey.

Der Oberthaler Bahnhof einst ein Schmuckstück in unserem Ort, ist heute eher ein herunter gekommenes Gebäude, das als

 

Lagerstätte genutzt wird. Und dabei hätte man so viel mehr aus dem einst so schön nostalgisch wirkenden Bahnhof machen können. Damals am 03. August 1915 wurde der Zugverkehr aufgenommen, aber schon viel früher befasste sich der Oberthaler Gemeinderat in über 100 Sitzungen von 1889 - 1924 mit dem Bau der Bahnstrecke. 

 

Die Strecke sollte sogar noch weitergeführt werden bis nach Lebach. Dabei sollte dies in mehreren Abschnitten verwirklicht werden. Und man dachte darüber nach, einen weiteren Bahnhof in Güdesweiler zu erbauen, der die ohnehin schon 13,1 km  lange Strecke noch ein wenig verlängert hätte.

 

Die Güdesweiler Anbindung an die Bahn war hauptsächlich deshalb in Erwägung gezogen worden, um die teure Dammaufschüttung zwischen Bliesen und Oberthal zu umgehen und die gegebene Geländeform durch eine Schleife ohne größere Erdbewegungen auszunutzen.

 

Agabito Perosini
Agabito Perosini

Die Arbeiter für die erbaute Bahnstrecke, kamen aus ganz Deutschland und aus dem benachbarten Ausland. So auch der aus Belluno/Italien stammende Agabito Perosini ( Gabriel ).

 

Er kam 1907 als Gastarbeiter nach Deutschland zum Bahnbau in die Eifel und 1912 nach Oberthal. Nach dem Bahnbau blieb er im Ort und arbeitete als Tagelöhner und Gemeindearbeiter.

 

Bekannt war er auch als Besenbinder und Korbflechter, besonders aber als Viehdoktor bzw. ,,Geißendoktor", die er hervorragend mit Kräutern zu behandeln wusste. Ein Spruch von ihm, den man nie in Oberthal vergaß war als er hier ein Eichhörnchen gesehen hatte: ,,Ach armes Deutschland, hast du kleine Füchse". 

Gabriel starb 1955 im Alter von 84 Jahren im Mühlenweg 9 in Güdesweiler. Aus seiner Ehe mit Maria Luigia hatte er 7 Kinder.

 

Oberthaler Bahnhof in früheren Jahren
Oberthaler Bahnhof in früheren Jahren

 

Als dann am 03. August der Zugverkehr nach Oberthal aufgenommen wurde, fuhren die Züge laut Fahrplan 6 Mal pro Tag. Zwei Monate später war die Strecke bis Tholey in Dienst gestellt. Es herrschte reges Treiben auf dem Oberthaler Bahnhof, bis das Sterben der Gruben und Hütten begann. Damit wurden auch die Züge immer leerer.

Er sperrte den Oberthaler Bahnhof zu: Alfons Klees aus Güdesweiler 1968. 1991 verstarb er
Er sperrte den Oberthaler Bahnhof zu: Alfons Klees aus Güdesweiler 1968. 1991 verstarb er

Die Bahn zog daraus die Konsequenzen. Der Verringerung der Zugzahl folgte die Einstellung des Sonn- und Feiertagsverkehrs, dann der Samstagsverkehr und 1983 fuhr der letzte Personenzug nach Tholey. Ein Jahr später wurde auch Oberthal

abgekoppelt.

 

Ab dann rollten nur noch am Werktag die Güterwagen für die Feldspatwerke, die eigens dafür den Gleisanschluß gekauft hatte. Doch mit der Zeit rechnete sich auch das nicht und die Bahn machte deutlich, dass mit 39 Güterwagen diese Strecke nicht wirtschaftlich wäre.

 

Die Feldspatwerke hatte eine Bedienungszusage von der Bahn erhalten bis 1994 mit der Auflage 9000 Tonnen im Jahr zu befördern. Dies wurde aber nicht erreicht. Der letzte Güterzug fuhr im März 1989. Nach der endgültigen Stilllegung begann dann der Rückbau der Strecke. Im Jahre 2002 wurde auf der gesamten Trasse von St.Wendel bis Tholey der Wendalinus Rad- und Wanderweg angelegt.

 

So manch einer erinnert sich sicher noch an kleine Begebenheiten von früher am Bahnhof, so auch Christa Haupenthal: ,,Ich bin 6 Jahre aufs Mädchenrealgymnasium nach St. Wendel gefahren und die Züge waren immer voll. Wir haben uns meistens ins hintere Abteil verzogen, da konnten wir unseren Unsinn machen". Und lachend fügt sie hinzu: ,,Wir haben aber nie etwas kaputt gemacht".

 

Und aus der Groniger Straße liefen die Bier-Schwestern immer durch den Garten den Hang hinunter und hüpften verbotenerweise über die Gleisen, als Abkürzung zum Bahnhof. Heute ist es ruhig geworden um den einst belebten Oberthaler Bahnhof. Die Zeiten gehen, doch die Erinnerungen bleiben.

 

Arbeiter beim Gleißbau
Arbeiter beim Gleißbau
so sieht er heute aus, der einst schöne Bahnhof
so sieht er heute aus, der einst schöne Bahnhof

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Kommentare: 4
  • #1

    Christa Haupenthal (Freitag, 27 Oktober 2017 23:26)

    Hallo Isabelle, wie von Dir gewohnt, schöner Bericht über unseren alten Bahnhof. Danke

  • #2

    Anneliese Schumacher (Sonntag, 29 Oktober 2017 16:34)

    Hier noch eine kleine Episode, die ich im Landesarchiv gefunden habe: Kurz nach dem Krieg ist der Bahnverkehr wieder aufgenommen und auch der Fahrkartenverkauf beginnt wieder. Über die verkauften Karten wird minutiös Buch geführt, si fällt es schnell auf, dass Geld in der Kasse fehlt. Das zieht natürlich eine genaue Untersuchung nach sich, in die zunächst der Bahnhofsvorsteher involviert ist, später aber auch weitere vorgesetzte Stellen bis hin zur Bahndirektion in Saarbrücken. Es herrscht Aufregung, weil schnell klar zu sein scheint, dass die örtlichen Bediensteten nicht verantwortlich gemacht werden können. Alle sind ratlos. Dann - mehr aus Zufall - fingert der Verkehrskontrolleur der Direktion in der Kassenschublade herum und findet ein kleines Loch an deren Rückseite. Eine genauere Untersuchung legt ein Mäusenest frei, das teilweise mit angeknabberten Geldscheinen gepolstert ist. Fall gelöst.

  • #3

    Möller Werner Bliesen (Montag, 30 Oktober 2017 12:37)

    Kann mir jemand sagen aus welchem Jahr das Bild mit der Dampflokomotive ist?
    Mein Schwiegervater fuhr lange diese Strecke als Lokführer.
    Danke!

  • #4

    Leist H.J. aus Bliesen (Montag, 27 November 2017 15:33)

    Habe als Lehrling in dem Jahr 1963 Ausbildung gehabt.