Ein Bayer auf der Walz macht Station in Gronig

Gemeinde Oberthal

Ein schwarzer Schlapphut, ein kragenloses weißes Hemd, über dem Hemd eine Manchesterweste, die beigefarbene  Hose mit einem Schlag von 65 cm und dazu einen Ohrring mit dem Handwerkswappen im linken Ohr. Fast schon wie ein Exot wirkt

 

Robert Göller aus Göttelhof in Bayern bei Nürnberg, wenn er durch die Lande zieht. Seit 10 Monaten tippelt der 27-jährige bereits durch Deutschland und sammelt so seine ganz eigenen Erfahrungen. Es ist sozusagen eine Fortbildungsreise, denn der gelernte Maurer lernt dadurch neue Arbeitstechniken und Arbeitsabläufe in anderen Betrieben kennen. 

 

So war Robert schon ganz oben im Norden auf der Insel Föhr um als Maurer die vielfältige Klinkertechnik zu erlernen. Aber das Land war ihm zu platt, es zog ihn wieder ins Hügelige hinunter. Draußen ist es nasskalt, Schneereste liegen noch vorm Haus und wir, das sind Vroni, Phil, Ortsvorsteher Toni Schäfer, der Wanderer Robert und Ich sitzen gemütlich in der warmen Stube im alten ,,Rawersch- Bauernhaus" in Gronig und plaudern über die Walz. 

 

Gemütlich in der Stube: Phil, Vroni, Toni und Robert beim Plausch
Gemütlich in der Stube: Phil, Vroni, Toni und Robert beim Plausch

 

Eigentlich wollte Robert, der schon 7 Jahre Geselle ist,  längst weiterziehen, aber jetzt erzählt er doch noch ein bisschen aus seinem Leben. Ich frage ihn, warum er sich das überhaupt antut, denn insgesamt muss er 3 Jahre und einen Tag auf Wanderschaft gehen. Darauf antwortet er in seinem schon fast unverständlichen bayerischen Dialekt:

 

,,Ich wollte raus aus dem Alltag, aus festgefahrenen Strukturen, raus aus der Eintönigkeit und was neues erleben. Und ich dachte so eine Wanderschaft wäre nicht verkehrt". Bereut hat er es bisher noch nicht, auch wenn so eine Wanderschaft nicht immer ganz einfach ist. Sein wichtiger Begleiter ist dabei der gedrehte Wanderstock, der Zunft-Stenz und ein 88 x 88 Zentimeter großes Stofftuch, das Charlottenburger wo er seine wenigen Habseligkeiten verstaut hat.

 

Übrigens ein weiteres Erkennungsmerkmal des Gesellen ist der Ohrring. Hatte sich früher ein Geselle unehrenhaft benommen, wurde dieser zum ,,Schlitzohr" gemacht: Der Ohrring wurde ihm ausgerissen.

 

 

Zu den Habseligkeiten gehören neben dem Schlafsack, Werkzeug, Zahnbürste und Unterwäsche, noch ein ganz wichtiges Instrument, nämlich die Landkarte. Auf der hat Robert einen großen Kreis um sein Heimatdorf gezogen. Denn er darf sich als Wandergeselle auf der Walz keine 50 km seinem Dorf nähern. Eine kleine Ausnahme gibt es dennoch bei Krankheit oder Todesfall. Doch wie soll man ihn überhaupt erreichen ohne Handy? Denn das ist ebenfalls verboten.

 

,,Das war am Anfang sehr schwer für mich", erzählt er. ,,Aber nach 1 - 2 Wochen vermisst man es nicht mehr und man lernt sich wieder richtig zu unterhalten mit den Leuten", erzählt er.

 

Robert hat sich einem der Schächte angeschlossen, eine Gesellschaft der rechtschaffenen fremden und Einheimischen Maurer- und Steinhauergesellen. Und da gibt es ein paar Voraussetzungen und Regeln zu beachten um auf Wanderschaft gehen zu können.

 

Losgehen kann jeder, der noch nicht 30 Jahre alt ist und keine Verpflichtungen gegenüber Dritten hat, das heißt schuldenfrei, nicht verheiratet, keine Kinder und keine Vorstrafen und natürlich eine abgeschlossene Lehre. Für Robert war es wichtig, auch nochmal zu erwähnen, das hier keine Hallodris umherziehen, sondern ehrbare, aufrichtige und ehrliche Männer. Das schreibt das Regelwerk der Walz vor. 

 

Wer auf der Walz ist, entschleunigt und lebt in seinem ganz eigenem Tempo. Die zünftigen Gesellen bestimmen ganz alleine, ob sie an einem Platz bleiben oder lieber weiter ziehen wollen, ob sie es eilig haben oder eher ein gemäßigteres Tempo vorziehen. Doch selbst wer schnell sein will, ist es nicht immer. Wer weiß schon, was jeder neue Tag so bringt. Wer beim Trampen nur schwer voran kommt oder beim Wandern auf besseres Wetter warten muss, weiß: Mit dem Terminkalender lässt sich die Walz ziemlich schlecht planen. 

  

 

Robert mit Ortsvorsteher Toni Schäfer
Robert mit Ortsvorsteher Toni Schäfer

 

Aber einen kleinen Termin hatte Robert denn noch. Und das war auch der Grund warum er in Gronig gelandet ist. Philipp aus dem ,,Rawersch-Bauernhaus" war früher selbst auf der Walz und kannte sich mit den Gepflogenheiten der Wandergesellen gut aus. Und als er einen Pflasterer für seinen Hof brauchte, griff er kurzerhand zum Telefonhörer und rief eine Wanderherberge in Neustadt an der Weinstraße an. Dort fand sich Robert und so kam es dass er nach Gronig wanderte um dort die Arbeit zu erledigen. 

 

Kost und Logis hatte er bei Phil und Vroni natürlich frei. Geschafft wurde dann aber doch nichts, wegen dem schlechten Wetter und so wurde der Termin auf nächstes Jahr verschoben. Dass Robert immer so einen tollen Unterschlupf findet, ist nicht immer der Fall. Oft verbringt er seinen Abend bis in der Früh in einer Kneipe oder schläft im Sommer im Schlafsack in freier Natur. 

 

Auch muss der zünftige Geselle die erste Zeit auf der Walz in Deutschland verbringen, danach kann er auch ins Ausland ziehen. Sogar das Fliegen auf einen anderen Kontinent ist erlaubt. 

Inzwischen gibt es in vielen Ländern Anlaufstellen und Arbeitsmöglichkeiten für die Fremden.

 

Und auf die Frage wohin es für Robert nun weiter geht antwortet er ganz lässig:

,,So genau weiß ich es noch nicht. Zuerst einmal nach Hof in Bayern und nach einem Jahr in Deutschland, vielleicht sogar ins Ausland".

 

Denn -  er ist ja zur Zeit ein freier Mann. Wo es ihn halt gerade hinzieht. Und vielleicht treffen wir ihn ja nächstes Jahr wieder bei Vroni und Phil, wenn er seine Pflasterarbeiten erledigt und erfahren mehr über seine abenteuerlichen Reisen als Geselle auf der Walz.

 

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