Prächtige Gewänder und funkelnde Kronen - Sternsinger in der Gemeinde Oberthal unterwegs

Gemeinde Oberthal

 

Da hieß es frühes Aufstehen für die 90 Mädchen und Jungen, die in den Gewändern der Heiligen Drei Könige den Segen ,,Christus segne dieses Haus" zu den Menschen in den Häusern der

 

 

Gemeinde Oberthal am 06.01. 2018 brachten. Sammeln für benachteiligte Kinder in aller Welt und ein Zeichen setzen gegen: ,,Gemeinsam gegen Kinderarbeit" - in Indien und weltweit, so das Leitwort der 60. Aktion des Dreikönigssingen. 

 

1959 wurde die Aktion erstmals gestartet. Inzwischen ist das Dreikönigssingen die weltweit größte Solidaritätsaktion bei der sich Kinder für Kinder in Not engagieren. Mehr als eine Milliarde Euro sammelten die Sternsinger seit dem Aktionsstart, mehr als 71 700 Projekte für für benachteiligte Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa wurden in dieser Zeit unterstützt.

 

Sternsinger in der Güdesweiler Christkönig Kirche mit Pater Ignatius
Sternsinger in der Güdesweiler Christkönig Kirche mit Pater Ignatius

 

Dabei unterstützten die Sternsinger aus Gronig die Arbeit von Schwester M.Bengine Kerber in Kenia für Schul- und Berufsausbildung der Kinder in Nairobi. Eingeteilt in 7 Gruppen mit 22 Groniger Kinder sammelten sie mit den Betreuer-und Betreuerinnen insgesamt 3250 Euro.

 

Auch früh am Morgen in der Christkönigkirche in Güdesweiler wurde mit Pater Ignatius der Aussendungsgottesdienst gefeiert und die Kinder gesegnet, bevor sie den Segen in die Haushalte brachten. Im Gottesdienst sprach Pater Ignatius auch über die Bedeutung der Heiligen Drei Könige und ihre Gaben und dem Beispielland Nord- und Südindien. Die 33 Güdesweiler Kinder sammelten

2000 Euro. Anschließend gab es im Pfarrhaus noch leckeres Essen für die Kinder.

 

Durch etliche Straßen zogen auch die Oberthaler Kinder, wobei die jüngsten 8 Jahre alt waren und der älteste Betreuer dieses Jahr seinen 90. Geburtstag feiern darf. Hermann Scheid, ehemaliger Bürgermeister von Nohfelden, gekleidet mit Tiroler Hut scheute keine Mühen und konnte mit den Oberthaler Kinder locker mithalten.

 

So sammelten sie mit ihren Betreuer- und Betreuerinnen mit 35 Kinder in 9 Gruppen aufgeteilt, ca. 4000 Euro. Zur Belohnung gab es für die Kinder im Heinrich-Meffert-Haus, Nudeln mit Hackfleischsoße. 

 

 

Damit mal man einen Einblick in die Kultur Indiens und das Leben dort der Kinder bekommt, gibt es hier einen kleinen Bericht über ein Mädchen namens Neetu, die in Firozabad in Indien lebt und dort in der Glasindustrie arbeitet, wie es dort üblich ist. Viele Familien in den Armenvierteln verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung von Armreifen aus Glas, die dort sehr beliebt sind.

 

Dabei schmelzen die Kinder von früh bis spät abends Rohlinge zusammen und verzieren die Reifen mit Steinchen. Leider atmen sie gleichzeitig ständig giftige Dämpfe ein. Und dabei würde Neetu viel lieber zur Schule gehen. Hier ihre Geschichte:  

 

Neetu, 8 Jahre
Neetu, 8 Jahre

 

Der beißende Geruch von Kerosin steigt einem schon vor der Tür in die Nase. In einem dunklen Raum sitzt Neetu im Schneidersitz vor einer Flamme, die Beine werden an den Knien von zwei Ziegelsteinen gestützt.

 

Neben ihr arbeiten ihre Mutter und ihre Brüder  Von fünf Uhr morgens bis acht Uhr abends schmelzen die vier bunte Glasringe – rote, blaue, grüne. Konzentriert blicken sie in die zischenden Flammen vor sich, um sich möglichst nicht daran zu verbrennen.

 

Sonst ist nur das leise Klirren von Glas zu hören. Bis zu 15.000 Armreifen fertigen sie täglich in Akkordarbeit. Nur mittags machen sie eine kurze Pause.

 

Nach dem Tod des Vaters vor sieben Monaten hat Neetu dessen Arbeitsplatz eingenommen. „Die Arbeit hat ihn krank gemacht und zum Schluss konnte er nicht mehr atmen“, erzählt das Mädchen traurig. Auch Neetu und ihre Geschwister macht die Arbeit krank. „Jeden Tag wird mir schlecht. Ich bekomme Kopfschmerzen und muss dauernd husten“, sagt die Achtjährige. Am Handgelenk trägt sie einen Glücksbringer, der sie vor Krankheit schützen soll. Auch ihr Bruder Srikrishan (15) hat einen solchen Talisman. Trotzdem ist er krank geworden und liegt fiebrig und matt im Bett. Das steht direkt hinter den Arbeitsplätzen der Familie. Ihr ganzes Leben spielt sich in diesem dunklen Raum voller giftiger Dämpfe ab: arbeiten, kochen, essen, schlafen. 

 

Weniger als drei Euro verdient die Familie am Tag

Es ist ein Teufelskreis: Um Medikamente für den kranken Vater zu kaufen, musste die Familie Geld leihen. Das muss sie nun zurückzahlen, plus horrender Zinsen. Die Kaiserschnittgeburt des Enkelkinds hat ein weiteres großes Loch in die Haushaltskasse gerissen.

 

Neetus Mutter weiß genau, dass die Arbeit, die ihre Tochter täglich verrichtet, verboten ist und krank macht. „Aber was soll ich tun? Ich habe keine Wahl.“ 200 Rupien, weniger als drei Euro, beträgt das Tageseinkommen der Familie. Von dem Geld muss sie die Miete für das kleine Zimmer, für Essen und den Kredit bezahlen. Neetu kann sich nicht vorstellen, dass anderswo Kinder nicht arbeiten müssen, dass sie zur Schule gehen, sich mit Freunden treffen und spielen können. „Zum Spielen habe ich keine Zeit“, sagt sie. „Außerdem bin ich dafür viel zu müde.“

 

Dilip Sevarthi, Projektpartner der Sternsinger, hat Neetu und viele andere Kinder in ihrem Stadtviertel aufgesucht. „Ich habe Fünfjährige gesehen, die schon arbeiten müssen“, erzählt er. Mit Bildung und alternativen Erwerbsmöglichkeiten will er die Kinderarbeit bekämpfen. Mit Hilfe der Sternsinger sollen hier im Viertel bald eine kleine Schule und eine Frauenselbsthilfegruppe entstehen – wie bereits in 100 Dörfern und Armenvierteln zuvor.

 

Sevarthis Stiftung unterhält auch eine eigene Bank, bei der Familien zinslose Darlehen aufnehmen können. So könnte sich bald Neetus größter Wunsch erfüllen: „Ich will in die Schule gehen!“ Sie weiß auch genau, warum ihr der Schulbesuch so wichtig ist: „Damit ich später studieren und Ärztin werden kann. Dann kann ich kranken Menschen helfen.“

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0