Capitallia der Capellen zu Güttesweyller - 1783 wurde das erste Geld verliehen

Gemeinde Oberthal

 

Man könnte schon fast sagen, die erste Bank in der Gemeinde Oberthal, gab es in Güdesweiler an der Kapelle.

Das besagen alte Rechnungsbücher, sogenannte ,,Manuale".

Eines davon besitzt Hubert Bier

 

 

 

aus Oberthal noch. Mit Hilfe geschichtlicher Bücher und mit Hilfe von Lehrer Jung aus dem Geschichts- und Heimatverein in Oberthal, konnte man die alte Sütterlinschrift etwas entziffern. Von der Kapelle existieren zwei Rechnungsbücher, sogenannte Manuale, eine Art Buchhaltung, in welches Ausgaben und Einnahmen ohne chronologischer Ordnung, eingetragen wurden.

 

Dort sind Geldbewegungen für eine bestimmte Zeit vor und nach dem Tod des Eremiten Johannes Nonninger, der die Güdesweiler Kapelle baute, festgehalten. Interessante Dokumente, die aber in ihrer Struktur und Abläufen schwer durchschaubar sind. Auf jeden Fall hat Johannes Nonninger und sein Nachfolger Michael Backes aus Güdesweiler an die Zukunft gedacht.

 

Denn die reichlich fließenden Spenden der Gläubigen und der Wallfahrer, hat Nonninger nicht direkt für die Messen und für die Kapelle verwendet, sondern die Gelder verliehen.

 

Das ist auf der ersten Seite des alten Manual ersichtlich: Das Zustandekommen und den Zweck als Rechnung der ausgestellten Capitallia der Capellen zu Güttesweyller Heiligen Brunen.

 

Der älteste erhaltene Eintrag betrifft Peter Backesen Witib von Güttesweyller vom 22. Juni 1777. Da ging es um eine Summe von 17 Gulden. Wortwörtlich heißt es weiter:

Hir Von zins bis 1816, Letzter Rechnung 1783 thut 33 Jahr mit28 fl 3xr. Der Darlehensvertrag wurde von den weltlichen Behörden geschlossen, die Zinsen betrugen 5% jährlich. 

 

Und so folgt Eintrag auf Eintrag mit den Zinseinnahmen. Dem gegenüber standen die Ausgaben, zahlreicher als die Einnahmen, aber dafür in der Regel mit geringeren Beträgen. Die Jahreszahlen standen links.

 

 

Im neuen Rechnungsbuch gibt es einen Eintrag von Nachfolger Michael Backes aus Güdesweiler (Sohn von Nikolaus Backes und Catharina Marx) eine Glocke für die Kapelle, die er im Jahre 1799 hat anfertigen lassen: 

 

,,Die glock kostet hundert gulden mit dem glockenstuhl, eisenbeschlagungen, essen und Trincken bey der der Weihe. Die Kosten sin aus den gesamleten almosen zahlt worden, ausgenommen der patt und göttgen, gab ein Jedes einen Neuen Taller. Das benedicieren (segen) der Glocke und daß Levitenamt Kostet nichts, daß die Herren der gemeinde giedesweiler weilen sie dennen Herren im Krieg 1796 viele gefälligkeiten bewiesen. 

 

Auch gibt es Eintragungen über den Kreuzweg in Güdesweiler von 1808, den der Eremit Michael Backes vorgenommen hatte. Da ist die Rede von 16 und 21 Gulden, die an Wilhelm Franck gezahlt wurden, für die von ihm gefertigten Kreuzwegstationen und deren Fassungen.

 

Somit war auch die Herkunft und ihre Entstehung bewiesen. Zweifelsfrei kamen die Kreuzwege aus der Werkstatt des Klosters Tholey. Das steht so im neuen Manual: ,,Da nun Michael Backes von der kapell bey Güdesweiler so viel Geld gesamlet von den allmosen, hatte er im Jahr 1808 die vierzehn stationen in stein laßen aus Hauen durch Wilhelm Franck benedictinerbruder der abtey tholey.

 

Solche Dokumente sind wichtige Zeugnisse der Vergangenheit, die Licht ins dunkel bringen und einen Ort erst lebendig werden lassen. Nach zu lesen in einem Buch den der Verein für Geschichte und Heimatkunde Oberthal in Zusammenarbeit mit Hubert Bier und Gerhard Morsch 1996 herausbrachte. 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Schdani (Mittwoch, 28 März 2018 11:36)

    Ein schöner Beitrag und gut zu wissen, wie das damals so gewesen ist. Ein Vorschlag: wie wäre es, wenn man den Johannes Nonninger in Güdesweiler durch einen bzw. in einem Straßennamen oder einem Weg ehren würde? Das wär` doch `was.