Das Hexenwerk ist fast vollendet - Die Mainacht kann kommen

Gemeinde Oberthal

Es ist abends halb acht, und die Männer vom Güdesweiler Angelsportverein sind immer noch am sägen, hämmern und Stämme ziehen. Sie wollen unbedingt noch fertig werden. Denn nächste Woche soll 

 

schon der Feinschliff erfolgen, das heißt die abstehenden Stämme werden noch begradigt und alle auf eine Länge geschnitten. Acht bis Neun Meter wird die Holzpyradmide wieder hoch werden, die dann am 30. April bei Einbruch der Dunkelheit in der Hexennacht am Fischweiher lichterloh brennen wird. ,, Jedes Jahr sag ich, wir machen die Pyramide kleiner, nicht mehr so hoch", erzählt der 1. Vorsitzende vom ASV Güdesweiler, Mike Seibert. Aber die Jungs wollen einfach nicht hören. 

 

Für die Besucher jedesmal ein faszinierendes Ereignis, wenn das imposante Bauwerk in Flammen auf geht. Nicht ganz ungefährlich, erzählt Mike. Denn je nach Wetterlage, wenn es stark windig ist und die Funken fliegen, muss die Feuerwehr Vorsorge treffen. So war es vor Jahren einmal vorgekommen, dass gegenüber bei den hohen Fichten, eine hohe Wand gegen die Hitze errichtet werden musste. 

 

 

1994 hat der Angelsportverein Güdesweiler damit ganz klein angefangen und Holz für ein Maifeuer gesammelt. Viele Samstage braucht das Team dafür, um die massiven Holzstämme mit schwerem Gerät Lage für Lage aufzuschichten. Dabei sind es 12 Mann aus dem Angelsportverein und andere Helfer aus dem Dorf und den Nachbardörfern die den Aufbau unterstützen.

 

,,Das Holz, meist Nadelholz stammt von Privatgrundstücken hier im Wald und dieses Jahr auch von einem Spender aus dem Namborner Wald", erzählt Axel Will. Dort wurden die Bäume gefällt und mit einem Radlager rausgezogen. Die Stämme wurden passend geschnitten, ineinander gesteckt und mit Eisen und Klammern gesichert. Das so angewendete Baumuster in Form einer Pyramide stammt aus dem Bergbau, erklärt Seibert.

 

Das Gerüst dieser Holzkonstruktion haben die Angler noch mit Abfallholz gefüllt, Holzpaletten von umliegenden Firmen. Darin wird ein Hohlraum freigelassen für eine Brennkammer. Zwei Strohballen werden in den Kamin gesteckt, um das Feuer zu entzünden. Die Konstruktion ist so konzipiert, dass der Bau stufenweise in sich zusammenfällt, also nicht umkippt.

 

 

In den letzten Wochen wurde aber nicht nur fleißig an der Holzkonstruktion gearbeitet, die Angelfreunde haben auch ihr eigenen kleinen Rückzugsort erschaffen, unten im Keller sozusagen, unterhalb der Hütte. Dort stehen Tische, Bänke und Stühle drin und Bilder von vergangenen Maifeuer hängen an der Wand. Natürlich darf ein großer Kühlschrank, gut gefüllt mit Bier nicht fehlen.

 

,,Wir haben den Raum vor 4 Wochen umgebaut und renoviert. Hier sitzen wir die Woche über, der Raum ist sozusagen für die Kameradschaften", erklärt Seibert. Und nebenbei gab es auch Neuwahlen bei dem Güdesweiler Angelverein:

1. Vorsitzender bleibt Mike Seibert, 2. Vorsitzender ist Benjamin Simon, Kassierer 

(Markus Burkholz), Sportwart (Franko Reiter), Gewässerwart (Axel Will), Schriftführer (Eric Reuter), Beisitzer (Rico Schmidt).

 

Das Hexenfeuer ist längst zum Kultort in Güdesweiler geworden und lockt in der Hexennacht jedes Jahr um die 600 Besucher an. Bei Anbruch der Dunkelheit, wenn die Holzpyramide angezündet wird, und der Platz hell erleuchtet, die Flammen hoch gen Himmel schlagen, wird es sogar ganz romantisch. Das Feuer brennt  die ganze Nacht hindurch bis zum Morgen. 

 

Und für gute musikalische Unterhaltung mit Schwenker, Würstchen und Bier, sorgt Uli Recktenwald, der auch schon seit ewig Zeiten mit dabei ist und auch jedes Wetter mit erlebt hat. Vor zwei Jahren nämlich, erzählt Seibert, sei es in der Mainacht so kalt gewesen, dass nachdem das Feuer schon ziemlich runter gebrannt war, dem Uli die Finger so steif vor Kälte wurden, dass er Mühe hatte  seine Musik weiter zu spielen.  

 

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