Der furchteinflößende Sensemann von Güdesweiler

Gemeinde Oberthal

Eines morgens stand er da, wie aus dem nichts auferstanden. Groß, mächtig und furchteinflößend:

Der Sensemann von Güdesweiler. Die Bürger des kleines verschlafenen 

 

Dörfchens am Fuße des Leistberges waren schockiert und fanden die Figur skandalös, sie verlangten nach Aufklärung. Traute sich doch so manch einer der erschreckten Bürger bei Dämmerung gar nicht an dieser bedrohlichen Figur vorbei. Ja man wechselte sogar lieber die Straßenseite aus Sicherheitsgründen, wie man mir erzählte.

 

Wie konnte man sich so eine gespenstische Figur in den Vorgarten stellen, dazu noch an der Hauptstraße, wo ihn jeder sehen kann. Was hatte der sich eigentlich dabei gedacht, dieser Robert. Das halbe Dorf schrie nach Aufklärung. Aber Moment Mal, wieso Robert? Wieso kam der Güdesweiler Mob dazu, den armen Robert zu beschuldigen? Aber mal der Reihe nach. 

 

Ich stehe an der Haustür und klingele zum zweiten Male schon. Einmal morgens, einmal abends. Etwas aufgeregt bin ich schon. Wer weiß was mich jetzt erwartet, wer die Türe da gleich aufreißt und mir eins überbrezelt. Die Gerüchteküche kennt keine Grenzen, wurde mir doch dringend abgeraten, dort  hinzufahren. Vielleicht aber öffnet wieder keiner die Tür und ich müsste wieder erfolglos von dannen ziehen.

 

Auf einmal höre ich Geräusche und ein Türspalt geht auf. Unten lugt ein brauner Hund hervor, darüber eine Frau die mich fragend anschaut. Ich stottere, ich wäre von der Saar-heimat und fragte ob ich über diese fragwürdige Figur schreiben dürfe.

 

,,Von mir aus", kam es aus dem Türspalt salopp hervor. Vom Güdesweiler Mob angestachelt, frage ich wie und wer auf die Idee kam, sich so eine Figur in den Vorgarten zu stellen?

 

,,Ich", sagte die Frau und schaute in mein erstauntes Gesicht. Dachte doch jeder, dass es Robert war. ,,Nein der hat mir nur geholfen", kam die Antwort. Upps, jetzt war ich überrascht. Was das Volk aber auch immer labert, denke ich und frage, aus war für einem Material die Figur wäre. ,,Die Figur wurde in Beton gegossen, darunter befindet sich eine starke Holzkonstruktion", erzählt Judith. Und weil der Sensemann über zwei Meter groß ist, hat es starke Hände dafür gebraucht. 

 

Und trotz dem unheimlichen Aussehen, haben es jüngst ein paar Jugendliche gewagt, dem Bösewicht sein Werkzeug, die Sense zu klauen. Schnell verbreitete sich das Gerücht, die Polizei habe außerdem verboten, das diese gefährliche Figur eine Sense tragen dürfe. Judith kuckt mich unglaubwürdig an. Davon wisse sie nichts. Da war es wieder, das Volk von Güdesweiler, wenn es spricht.

 

Ganz im Gegenteil, die Sense ist wieder zurück und wird gerade bearbeitet, erzählt Judith. Nein sie wird nicht schärfer gemacht, sie wird nur bemalt. Eine Hausnummer kommt darauf und dann bekommt der Sensemann wieder seine Sense. Bis dahin muss er sich mit der Deutschlandfahne begnügen. Die muss er jetzt tapfer tragen wegen der WM 2018. Ich finde, so sieht er längst nicht mehr so bedrohlich aus.

 

Man könnte ihn fast ins Herz schließen, hatte er doch in letzter Zeit so viel Missgunst ertragen müssen, der Arme. Und einen unmenschlichen, gar abscheulichen Hintergrund für das Formen der Figur gibt es auch nicht. Die Figur hat Judith im Internet gesehen und wollte so eine in ihrem Vorgarten haben. Das war alles. Und sonst nichts. Jetzt können hoffentlich die Güdesweiler Bürger sich wieder entspannen. Das ist eben Kunst auf andere Art. Es muss nicht immer der Gartenzwerg sein. Oder?

 

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Kommentare: 14
  • #1

    Tanja (Freitag, 08 Juni 2018 11:13)

    Zumindest wurde mit Hilfe des Gesprächs und auch dem Bericht Aufmerksamkeit erregt ...was ja meist die Absicht und der Hintergrund einer so ,sagen wir mal Deko ab der Norm , ist.

    Leben und Leben lassen!
    Leider ein gesellschaftliches Problem heutzutage die Leute so zu nehmen wie sie sind .

  • #2

    Christel (Freitag, 08 Juni 2018 11:41)

    Dann sieht man Mal,wie im Dorf geratscht wird.
    Jeder weiß,es besser!
    Furchbar,die Nächstenliebe,der Gemeinde

  • #3

    Andrea aus Mainz (Freitag, 08 Juni 2018 13:08)

    Herrlich - toller Bericht! Weiter so...

  • #4

    Gaadematze Steeser (Freitag, 08 Juni 2018 15:57)

    Ich denke das ist in wahrheit ein Bliesener der auf die Oberthaler wartet sie bestraft und den Güdesweiler die Schuld zuschiebt!

  • #5

    Elke Schorr (Freitag, 08 Juni 2018 17:43)

    zum Glück ist das jetzt geklärt , Leben und leben lassen oder wie sagten die "Alten"soll jeder vor seiner Haustür kehren

  • #6

    Benne (Samstag, 09 Juni 2018 01:29)

    Sieht doch super aus!!!

    Er soll ihm noch einen Rosenkranz umhängen dann ist auch katholisch!!!

  • #7

    Jay Pi (Samstag, 09 Juni 2018 08:02)

    Super schöner Bericht und hat seinen Zweck der Aufklärung vollstens erfüllt. Wobei ich schon em Müsli das zutraute. �

  • #8

    Hili (Samstag, 09 Juni 2018 11:10)

    Super Bericht Liebe Isabellich finde die Figur witzig, hat nicht jeder, hatte aber auch gedacht, wäre Müslis Idee gewesen.Es gibt schlimmeres zum Aufregen.

  • #9

    Müsli (Samstag, 09 Juni 2018 12:53)

    Seit er da steht komme ich auch mal in meine Einfahrt

  • #10

    Elke Schorr (Samstag, 09 Juni 2018 13:29)

    Schrei.........Müsli, der war gut

  • #11

    Carlo Ohle (Sonntag, 10 Juni 2018 06:12)

    Der müsste nur jedem, welcher die steinberger Straße wie eine sau befährt,,, egal vom Dorf kommend Richtung Steinberg oder oder entgegengesetzt die Sense über den Schädel ziehen,,

  • #12

    De Hiwwelmann (Sonntag, 10 Juni 2018 15:10)

    Carlo do hasche recht, so e Sensemann misst en jerem Dorf stehn, do gähre se langsam mache!

  • #13

    Chris (Sonntag, 10 Juni 2018 21:00)

    Ich finde die Figur klasse ��

  • #14

    Ulrich (Sonntag, 07 Oktober 2018 18:34)

    Man sollte mal die Kinder fragen die mit so etwas, außer auf dem Friedhof, zurechtkommen müssen.