Die Mutter aller Derbys - AH Gronig/Oberthal - SF Güdesweiler

Gemeinde Oberthal

Damit die ,,Alten Herren" in der Greisliga fit bleiben, gab es nun schon das dritte Spiel in diesem Jahr.

Von einem warmen Sommerabend aus dem Gombachstadion, berichtet Alexander Scheid:

 SFG : SG Gronig/Oberthal 2:5 (1:2)

Es war ein noch immer warmer Sommerabend im Gombachstadion zu Güdesweiler und bereits zum dritten Mal in diesem Jahr kam es zur Mutter aller Derbys. Das kleine, stets unterklassig operierende Güdesweiler, dessen Gründungskicker sich einst zu Sportfreunden ernannten und immer nur ein kleiner, ein einfacher, gar einfach nur ein dörflicher Verein zu sein begehrte, empfingen den doppelten Nimbus der tausendjährigen Landherrschaft, den Inbegriff von Sachsens Glanz und Preussens Gloria, die personifizierte Großartigkeit innerhalb unserer ach so liebreizenden Gemeinde, den Sportverein Blau-Weiß Oberthal und den Fußballclub Gronig, die beschlossen haben gemeinsam niemals einsam zu sein.

 

Und sie kamen mit allem was Rang und Namen hatte, was bei uns regelmäßig schon im Vorfeld diverse Phobien der furchteinflößendsten Art hervorruft. Die wohl bekannteste Phobie ist ja die Klaustrophobie und garantiert uns, dass unsere Gegner Angst davor haben, wenn unser frischer Franzose Klaus »Le Cousin« Scheid, aufläuft. Phobien füllen ja mittlerweile ganze Wartezimmer von Psychologen, dort warten sogar welche die an einer Phobie vor Psychologen leiden.

 

Am vergangenen Samstag wurden viele neue Phobien sichtbar. Manch einer litt an Derbyphobie, weshalb sie erst gar nicht zusagten, andere wiederum leiden an Ballophobie, was man wohl nicht weiter erklären muss. Besonders sichtbar wurden zwei völlig neuartige Phobien. Die Chancophobie und Nasssackphobie, aber dazu kommen wir später noch.

 

Unsere plutonische Freundschaft pflegen wir ja ansonsten mit voller Inbrunst und jeder Menge Frotzeleien, aber Sekunden vor dem Match werden wir zu erklärten Feinden. Siebzig Minuten werden wir uns bekämpfen, wie einst Villariba Villabajo. Will man solch ein Spiel verlieren? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir tief in die literarische Trickkiste greifen und zitieren Shakespeares Hamlet, Akt II, Szene IV, Vers 48: »Nein! Niemals«

 

Und dann begann die Mutter aller Spiele. Die Groniger unter den Oberthalern legen am fulminantesten los. Die Kellerbrüder zeigten gleich ihr ganze Klasse. Der Große legt dem Kleinen auf und wupp war es um unsere Jungfräulichkeit geschehen. 1:0 nach wenigen Minuten. Und wiederum nur wenige Minuten später zappelte schon wieder ein Kellerball in unserem Netz. Was geht denn hier vor? Die Uhr von unserem Unparteiischen mit sizilianischen Wurzeln, Don Angelo Giliberto? Wohl kaum.

 

Die SFG berappelte sich aber wieder. Immerhin hatten wir Debütantenball. Nach gefühlten 500 Matches im Trikot der SFG Garde in den letzten zehn Jahren, war Ende der Saison Schluss für ihn. Und so griffen wir zu, wie einst die Ärztin bei unserer Musterung, nur ohne um einen Huster zu bitten und schupp führten wir ihn ein, in das unvorstellbar schöne Leben eines Altligisten, der aber leider Gottes und auch unmittelbar klar macht, dass man im Herbst seiner Karriere angekommen ist.

 

Timo Schmitt aber triumphierte wie einst Sylemann der Prächtige vor den Toren Wiens. Statt lauem Herbst grazierte er wie im zweiten Frühling. Und so schafften wir die Oberen Gronthaler ein wenig zu bändigen. Immer öfter fanden wir den Weg zum Tor, welches von einem Giganten gehütet wurde.

 

So wie Hermann der Ehtrusker den Teuteburger Wald vor den römischen Legionen des Varus beschützte, so behielt Klaus Bouillon stets mit Nachsicht, die Übersicht im Dickicht der Umsicht. Noch immer flink wie Wiesel beherrschte er den Raum, eine Tugend, die Le Bosch einst lernte, als er noch Balljunge beim Damensquash war. Jedoch steckt der Teufel stets im Detail. Für einen kurzen Moment konnte man erahnen, dass auch er bald und unwiederbringlich ins Geranienzeitalter, also von stehend zu hängend, übergehen wird.

 

Sein Coach, der Ariebertus Laubus, war gezwungen sein geheimste aller geheimen Waffen diesmal in den Kasten zu stellen. Wahrscheinlich traute sich niemand mehr ins Tor zu gehen, nach dem Tor des Jahrhunderts der letzen Begegnung, als ausgerechnet ein Wandernde Düne auf Reisen, der in der Regel pumpt wie ein Karpfen auf Landgang, auf heiligem Oberthaler Rasen für einen Moment die Andy Warhol Regel bestätigte, dass Ruhm nach wenigen Minuten auch wieder vergänglich wird.

 

Motiviert bis in die Zahnwurzel, vor dem Match noch Bienen zerkauend, weil ihm was süßes zum Bachblüttentee fehlte, besetzte er den Raum und rief uns zu, wie einst Gandalf der Graue dem Balroq von Moria an der Brücke zum Kahzad-düm: »Ihr kommt nicht vorbei!«. Den letzten Staub, noch aus Zeiten seiner großartigen Karriere in der Nationalelf von Mittelerde, tief in den Handschuhen vergraben, klopfte er beharrlich aus seinen Fängen, welches verbunden war mit einem Donnerkroll, als ob der Jungblut einen Laster voller nasstropfenden Kies ablädt und lies das ganze Dorf erschüttern. So laut, so unheimlich, so vehement, dass in der Valentinkapelle die letzten Rest der 300 Jahre alten pittoresken Deckenfresken abfielen.

 

Ein Schaudern umgab das Gombachstadion und für einen kurzen Moment wechselt selbst die Sonne die Farbe. Blutrot, ein Ereignis vorausahnend, verdunkelte sich für ein Moment der Himmel, selbst die frohlockensten Engel auf Wolke sieben unterbrachen für einem Moment ihr Minnenspiel auf der Harfe und stimmten an zum Lobgesang des Armagéddon.

 

Obplötzlich ein süßer Duft die dichte Strenge durchbrach, so als würde Clint Eastwood sich noch einmal an jenen Moment erinnern, als er den einen Film - Die Brücke am Fluss - drehte, der in die Geschichte eingehen wird, als der einzige Clint-Eastwood-Film, von dem selbst Clint Eastwood sagte, das sei kein Clint-Eastwood-Film. Der schwache Moment im Leben eines jeden Heroen vom Olymp. Selbst Zeus verspürte ihn, als er das Mädchen Aithra, die Tochter von Pittheus, in den Gärten von Mithoa zärtlich liebkoste.

 

Es war wie eine Anomalie in der Matrix, so als würde man nach einer Darmspiegelung noch ein Abführmittel schlucken, als sich im hohen Bogen eine Flanke kurz vor der Grenze zu seinem Reich senkt und Jürgen Born to be wild zwar das Köpfchen noch streckte in die Höh, das Schwänzchen ... o.k., lassen wir das für einen Augenblick ... Jedenfalls bugsierte er das Leder weit in die Horizontale, der Stratosphäre gleich, um Minuten später und genau in jenem Moment als die Düne ins Gehege gewandert war, sich niedersenkte, um in den Armen des Bosch wilde Wollust zu empfangen.

 

Doch was machte Er? Er, der Luzie, dem Schrecken der Straße einst das Fürchten lehrte. Er, der dem Anton das Pünktchen entführte. Er, der einmal von einem Dreier gesprungen ist und die beiden Damen not amused waren. Er sank hernieder wie ein katholischer BH, um mit seinen mächtigen Fäusten dem Ball die Luft zu nehmen. In der Normalität des Faktischen ein physikalisch einwandfreier Vorgang, setzen die Fakten jedoch das Normative außer Kraft, so wird das Narrative zur fiktiven Denotative, die gelinde gesagt ein assoziative Initiative praktisch zu Nichte macht.

 

So fiel er wie ein nasser Sack vor der Wanderdüne auf die Knie und der Aufprall bugsierte die Düne in eine ungeahnte Höhe und selbst der Ball war so verunsichert vom Geschehen, dass er keine andere Wahl mehr hatte, als auf dem Köpfchen der Düne zu landen, um dann sanft wie eine Feder hinter der Linie die unendlichen Weiten zu entdecken.

 

Das hätte niemals passieren dürfen! Jeder, nur nicht Der! Es wusste just in jenem Moment, was in den Tagen danach passieren würde. In den Tagen danach? Bis an sein glücksbeseeltes Ende wird ihn nun ein Makel verfolgen.

 

Jedoch änderte der Moment quasi alles. Von nun an lies er so gut wie nichts mehr zu. Diverse Kannonenschüsse kreuzten noch seine Bahnen. Ein linker Knaller vom Schumann? Weggeblasen! Ein kühner Kunstschuss von Timo? Eingeatmet! Noch weitere drei Mal hätte die Düne, der heute zum Chancentod mutierte, den Bosch überwinden müssen, aber der Glorreichste aller Sieben, lies nichts mehr passieren. O.k., zum Ende hin überwand ihn der Schumann noch einmal mit einem linken Kunstschuss, aber da war die Partie schon gelaufen.

 

Am Ende mussten wir uns der SG aus Gronig und Oberthal geschlagen geben, setzen aber nichts desto trotz das Spiel ein wenig fort. Immerhin galt es noch eine Phobie zu überwinden, die Thekophobie, was aber nicht weiter schwer fiel, denn einige Gerstenkaltschalen taten ein Übriges. Und so einigten wir uns auf ein Unentschieden, vertagten den Disput auf die kommende Spielzeit und werden am Mittwoch wieder gemeinsam trainieren. Dann ist alles wieder gut, nur unser Autor wird wohl leiden müssen, denn der Bosch hat ihm schon geraten mit der alten Sötern-Taktik ins Training zu kommen, also hinten und vorne Schienbeinschützer ...

 

 

 

SFG : SG Gronig/Oberthal 2:5 (1:2)
Tore: 0:1 & 0:2 Christian Keller | 1:2 Alexander Scheid
1:3 Christian Keller | 1:4 Oliver Kuhn | 2:4 Bastian Schumann
2:5 Joachim »Huck« Meisberger

SFG Aufstellung:
Christoph Jung | Elmar Kelkel ... Peter Jakobs ... Michael von Ehr | Christoph Ternig ... Bastian Schumann ... Oliver Hofmann ... Willi Jung | Alexander Scheid ... Timo Schmitt ... Manuel Werle

Ergänzungen: Hugo Frei

SG GO Aufstellung:
Klaus Bouillon | Bernd Rausch ... Jürgen Born ... Stefan Däges | Achim Kuhn ... Frank Keller ... Ariebert Laub ... Oliver Kuhn | Joachim Meisberger ... Christian Keller ... Thomas Allerchen

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Kurt Nofts (Donnerstag, 23 August 2018 01:26)

    Kompliment,lieber Sportsfreund Alex! Diese psychologisierende Beschreibung eines AH-Derbys, verbunden mit Ausflügen in die Welt der Literatur,des Films und der allzumenschlichen Phobien ist einfach KLASSE! Weiter so und in der Hoffnung, auf noch viele sportliche, kampfbetonte und freundschaftliche Begegnungen.

  • #2

    Alegesander (Donnerstag, 23 August 2018 09:28)

    Werter Kurt,
    Ich danke recht herzlich für Deine warmen Worte und es macht mir auch riesigen Spaß über unsere Begegnungen zu berichten, liegt mir doch sehr viel daran, vor allem unserer Verbundenheit innerhalb unserer Gemeinde, einen kleinen Vorschub zu leisten. Wir werden zukünftig mehr den je gefordert sein, diese entsprechend zu fördern, zu erneuern und auszubauen. Die Zeiten wo jeder nur für sich gekämpft hat, werden bald vorbei sein. Vielleicht tragen die Alten Herren ja als erste dazu bei, den teilweise schon generationsübergreifenden Twist, bald zu beenden, denn nicht nur im Fußball werden wir gefordert werden.
    Herzlichst
    Alexander S.

  • #3

    schreibfix (Freitag, 24 August 2018 15:45)

    Wie ich hier grad gelesen hab,
    mein lieber Noftsi-Kamerad,
    der stets im Strafraum war daheim,
    machst Du jetzt einen voll auf Schleim !

    Als Psychologe, ei, der Daus,
    haust Du da ein paar Klopper raus,
    von wegen Film und Lit`ratur,
    Phobien gar - was ist das nur? -,
    so kannte ich bisher Dich kaum,
    deshalb greift Überzeugung Raum,
    der Bursche hat was andres vor,
    der Nofts will wieder Richtung Tor,
    will wieder netzen, sucht`s Versteck
    für`n Ball in manchem Toreseck !

    Bleib sachlich, alter Fahrensmann,
    im Fußball, da laß Jüngre ran,
    versteck`s Trikot, die Salbe schmier`
    auf Knie und Fuß, aufs Schußrevier -
    ich hoff`, es hilft und daß es macht sich,
    die Knochen steh`n kurz vor der 80 !

    So, Du mein alter Kamerad,
    zum Ende noch `nen tollen Rat :
    Beim nächsten Treff, versprech`ich hier,
    zahl`ich die ersten Runden Bier !