Wie eine Gemeinde die Vorstadt quält und warum Frauenüberschuss nur noch bei Drittklässler zieht ...

Gemeinde Oberthal/Fussball

SV Bliesen: SG/Gronig Oberthal 4:4

Ein Bericht von Alexander Scheid:

 

Es war ein lauer Samstag, fast schon Abend, tief stand bereits die Sonne am Firmament, während einzelne Wolken im Takt briesiger Winde am

 

am Horizont gen Osten zogen. Augenblicke wie gemacht für gigantische Treffen alter Koryphäen. Unser Autor, ein wenig traurig, weil das eigene Team ihr Spiel an diesem Abend leider absagen musste, wollte dieses Meeting um keinen Preis verpassen.

Hat er in jenem Moment schon daran gedacht, dass er heute noch mitwirken darf? Pösse Stimmen behaupten, er hätte schon den ganzen Nachmittag über mit den Hufen gescharrt, gefickt eingeschädelt auch noch mitmischen zu wollen, jedoch geduldig auf die Stimme des Herrn wartend, den Unschuldigen gemimt, den Überraschten grandios gespielt, um schlussendlich dem Werben nachgebend zu antworten: »Mein Gott, wenn halt nicht anders geht, wenn ihr unbedingt wollt, wenn ihr ohne mich nicht könnt, dann fahr ich noch mal heim und packe mein Täschlein ...«.

Nach einer geduldigen Fahrt um den Block, Zeit schindend um der Offensichtlichkeit zu entgehen, trudelte er dann mit majestätischer Pünktlichkeit ein. Trudeln, ein wunderbares Wort, verwenden wir es doch ausschließlich um einen Moment zu beschreiben, der wie gemacht ist für den puren Zufall. »Wir so gegen zehn auf der Party eingetrudelt ...«. Kein Mensch würde sagen, die Wehrmacht sei in Polen eingetrudelt.

So sollte man neben der Gattin auch die deutsche Sprache lieben. In einem Land, welches Wörter wie Bundeskegelbahnen, Beischlafromantik oder Orgasmusschwierigkeiten kreiert, da sagen sich sogar Fuchs und Hase noch gebührend gut‘ Nacht. Apropos Gute Nacht ...

Ein letztes Mal mit Paul ...

Dieser Samstagabend hatte was historisches zu bieten. An diesem Abend sagte ein ganz großer, ein Gigant der Altliga zum Abschied leise Servus. Nur Kurt Noffts hat mit 731 Einsätzen mehr Zeit auf dem satten Grün verbracht, als Er. Wobei Kurt ein Spiel stets durch drei teilte und am effektivsten in der dritten Halbzeit war. Er jedoch, Er stand immer eisern zwischen Aluminium. Links von ihm, rechts von ihm, über ihm und dahinter ein Netz ohne doppelten Boden. So hatte Er nie eine andere Wahl als den Weg nach vorne. Verhindern war seine Mission.

Heute verhinderte er zum letzten Male die Niederlage seiner Getreuen. Die vier Einschläge, die Er zu verbuchen hatte, sollten dieses Bild jedoch nicht trüben. Da wäre selbst die Katze von Anzing machtlos gewesen. So verließ Er nach 70 Minuten still den Platz, relativ zufrieden mit dem Ergebnis, so er doch wusste, dass heut Bernd »Okkudera« vor ihm rauschte, während Tobias immer wieder einen federn Keil zwischen die Stürmer schob und Christoph Mal den da nicht abdeckte.

Er, das ist Andreas Paul. Andy, ein waschechter Groniger Jung, aufgewachsen im Schatten des drittgrößten Kirchturms der Gemeinde, sozialisiert im Groniger Gehege der Unwirklichkeit. Ein Urgestein. Ein Mann der Tat. Er verlässt unsere Allianz und wäre er Hamburger, so würde man einen ganzen Stadtteil nach ihm benennen, wäre er Engländer, so würde ihn die Queen mit dem Order of the Britisch Empire auszeichnen. Gronig hingegen erwägt einen Energiestein am Momberg nach ihm zu benennen.

Lieber Paul, es dankt dir die Nation der dreschenden Balldreher, es dankt dir eine ganze Generation von halternden Ballhaltern und es erzückt noch einmal vor dir, eine verzückende Heerschar entzückender Altligisten, von den Jahren geformt in ihrer Wormatia Worms Unterwäche, den Inhalator stets zu Hand, den Rollator schon bestellt, jedoch den Vibrator stets verpönend, werden sie Dir zum Abschied noch ein Arthritis-Five entgegen.

Nun, da es Time to say goodbye heißt, sagen wir zum Abschied leise Servus, so möge zum Zapfenstreich und nur für dich eine alte Frank Sinatra Weisheit gelten: »I've lived a life that's full; I've traveled each and every highway; But more, much more than this ... I did it my way«

Kommen wir dann mal zum Spiel. Gerecht wurden die Punkte verteilt. Jeder bekam zuerst mal nur Einen. Ein Dritter sollte dann auch noch ausgespielt werden, dazu kommen wir aber dann später, eben weil über diesen Punkt erst später entschieden wurde.

Zwei Akteure prägten das Spiel, gerecht auf jeder Seite einer. Mit je drei Treffern teilten Sie die Lorbeeren des Abends. Oh Danny Boy Fuhrmeister auf Blieser Seite und Stefan »The Hammer« Hohbinder bei Gronoberigthal. Während Danny die seinen Böller immer leicht verstaubte, zimmerte der Hammer meist aus der Distanz flatternd und drallig das Leder in die Maschen.

So stellte man dem Theo im Tor der Blieser schnell noch einen Eimer Wasser neben das Tor, denn so sollte er einmal an den Ball kommen, dann brannten die Finger. Vorne tümmelte sich im Blieser Sturm der Rouven, ein Bildnis von einem Manne. Kaum zu halten war er. Abwechselnd auf Speed oder Valium durchkreuzte er die Abwehr. Ein Vulkan, immer nah am Ausbruch.

Da ging es im Angriff der Gronthaloberigen doch Intellektueller zu. So sinnierten doch der Bosch und der Damberger aus Mainz zu Beginn der Pause über die Farbe grün, während der andere Thomas genüsslich den Allersong auf drei Fingern pfiff.

Ach was hätten wir nicht noch alles über dieses Spiel schreiben können, standen doch am Rande weitere Koryphäen Immweiler und Momberger Bauart, die genüssliches Spiel zerlegten. Aber der wirkliche Kampf entwickelte sich erst später, an der Theke, dort wo wa(h)re Männer wa(h)re Liebe erfahren. Kein gekühltes Nass hat sich je ihrer Begierde entzogen. Hopfen und Walz gehen hier nicht verloren. Gut, ab und an die Muttersprache, aber nie die Fingerfertigkeit.

Was in Vegas passiert, das bleibt in Vegas

Nach etwaiger Zeit, der Mond hatte mittlerweile seine Umlaufbahn erreicht und warf sein gleitenden Licht auf lichtes Haar und glänzende Wangen, die Gespräche wurden tiefsinniger, plötzlich hörte man intime Antworten auf intime Frage. »Na, hast du endlich ein feste Freundin? Ne, immer noch die wabelige ...«. »Ich hab meiner Frau ne eigene Schippe gekauft«, sagt plötzlich der Eine um gleich darauf zu ergänzen: »Wir machen jetzt Paarschippen«! So oder so ähnlich hörte sich dies an.

Irgendwann, und es ist immer irgendwann, befand ein kluger Kopf, wir sollten das Etablissement wechseln. Ja, ein Schlussakkord in Dur beim Andler, das wäre schon toll. So brach ein unerwarteter Trupp auf gen Gronig, während die wilde Horde sich dazu herabließ den letzten Flaschen den gar auszumachen. Und noch immer waren auch noch Blieser da. Sie könnten, nein sie wollten sich nicht mit einem Punkt zufrieden geben. Man war doch felsenfest davon überzeugt, dass man diese Halbzeit doch noch gewinnen würde.

So kam einer auf die luchse Idee uns aus def Reserve zu locken. Ein altes Spiel, ein alter Hut. So aber nicht ihr Vorstädter. Nicht mit Giganten die noch ne eigene Gemeinde haben. Es wäre, es hätte, es gäbe etwas im Überfluss in der Landpartie in Bliesen. Ein Schelm, wer Böses denkt! Frauen. Frauen würden beim Ernst nur so auf uns warten, so ihr Argument.

Challenge accept! Andler war plötzlich gestern und Ernst angesagt. Das es nur ein Trick war durchschaute man schnell. Hier sind nur Optimisten unterwegs, sogar deren Blutgruppe ist positiv und da will uns ne Blieser Herde locken mit Frauen? Ein perfider Trick das Spiel zu entscheiden.

Recht schnell lichteten sich die Reihen der Blieser. Einer nach dem anderen gab der Schwerkraft nach und selbstverständlich gab es dort keine Frauen. Nicht mit uns, ihr Pfadfinder, nicht mit uns. Und als Thilo und Theo am Ende mit dem Gratisgewinn am Boden einer jeden Ur-Pils Flasche kämpften, gaben sie schließlich auf. Just in jenem Moment, wo es bei uns erst spannend wurde.

 

Tja ihr lieben Vorstädter, so geht der Fußball...

SV Bliesen : SG Gronig/Oberthal 4:4 (2:1)
1:0 Danny Fuhrmeister | 1:1 Klaus Bouillon
2:1 Danny Fuhrmeister | 3:1 Patrik Matthias
3:2 Stefan Hobinder | 3:3 Stefan Hobinder
3:4 Danny Fuhrmeister | 4:4 Stefan Hobinder

SV Bliesen
Joachim Theobald | Andreas Amend | Christoph Dorscheid | Jochen Ernst | Heiko Schneider | Thilo Klemm | Ulrich Müller | Lars Greiffendorf | Michael Krämer | Danny Fuhrmeister | Rouven Wilhelm

Bank: Andreas Horras

SG Gronig/Oberthal
Andreas Paul | Christoph Maldener | Tobias Federkeil | Bernd Rausch | Stefan Hobinder | Thomas Damberger | Thomas Allerchen | Daniel Busch | Oliver Kuhn | Klaus Bouillon

 

Bank: Kai Naumann | Alexander Scheid

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Hilli (Sonntag, 09 September 2018 13:07)

    Klasse geschrieben,immer wieder eine Freude

  • #2

    Dirrersch Barbara (Montag, 10 September 2018 13:33)

    Awer verlor hann die Blieser net, onn do han jo schon e paar met iwwer 50 metgespillt,
    senn net so gehässich eich man die Blieser ach! Gruß Bäbbche

  • #3

    Andi p (Montag, 10 September 2018 17:37)

    Danke, Alex.. Die dritte Halbzeit war grandios!