Mit dem Heiligenschein durchs Dorf - Was macht den Güdesweiler Ortsvorsteher so einzigartig?

Timo Backes
Timo Backes

Gemeinde Oberthal

Die Hammelbacher City News sind Nachrichten aus dem Zentrum der Ohnmacht.

Denn seit gut einem Jahr ist ER nun im Amt und unser Satire-Reporter Alegseander Scheid von ,,Saar-Heirat" durfte nun endlich ein beachtliches Interview mit Timo Backes

 

dem neuen Ortsvorsteher aus Güdesweiler führen. 

 

In seiner Übergangsdatscha an der Deiwelskanzel waren wir zu Gast und durften ihn acht Stunden lang zu seinen Plänen befragen.

Wir haben den Inhalt und die wichtigsten Antworten und Pläne für Sie, liebe Hörer, zusammengefasst in einem Video, welches wir dann hier aufgeschrieben haben.

SH: Glückwunsch Herr Backes, jetzt haben Sie es endlich geschafft den politischen Olymp zu erklimmen. Nach 46 Anläufen würde es aber auch endlich mal Zeit. Wie fühlt es sich an?

TB: Großartig! Das Amt des Ortsvorstehers ist das schönste neben dem Papst und ich freue mich endlich mit einem Heiligenschein durch unser Dorf zu schweben, um die Huldigungen meiner Untertanen entgegenzunehmen. Ab und an mache ich auch mal Halt um mit dem ein oder anderen Bewohner, des schönsten Flecken auf Erden, einen Bachblüttentee zu genießen. Gelegentlich nehme ich mal einen Dinkelkeks zu mir und höre mir an, wie glücklich und froh sie alle sind, dass ich es geworden bin.

SH: Nehmen Sie auch die Sorgen und Nöten der Bürger ernst?

TB: Nein.

SH: Aber als Würdenträger besteht doch eine Fürsorgepflicht Ihren Bewohnern gegenüber?

TB: Selbstverständlich sorge ich für mich, aber meine pflichtbewussten Bürgerinnen und gelegentlich auch die Bürger, haben keinen Grund sich um die Noten zu sorgen. Immerhin habe ich das komplette Archiv des Männergesangsverein zu Hause aufbewahrt und bei Rosmarin und Salbeiblättlein, macht es dann gelegentlich Schrum-Schrum und meine Welt ist wieder in Ordnung. Den MGV werde ich im übrigen wieder neu gründen und alle heiratsfähigen Männer müssen singen, ob sie können oder nicht.

SH (wirft leicht verwirrt ein...): Ähm, das wären aber nur der Theran, der Rahmkuchen und der Zippo, ist das nicht zu wenig?

TB: Ein klares Nein in D-Dur! Wir haben ja immer noch den Jahrhunderttenor aus der Bliesener Stross, den langen Giselpat und den Nik, wenn er Will. Die erledigen den Rest.

SH: Politik gilt als ein dreckiges Geschäft. Wie bewahrt Ihr Euch Eure Unvoreingenommheit?

TB: Was mich betrifft so habe ich mir noch nie die Finger schmutzig gemacht. Das überlasse ich dem Dorfrat, der hierbei zukünftig aber deutlich mehr zu tun haben wird.

SH: Was war Ihre erste Amtshandlung?

TB: Ich habe meinen Amtskollegen aus Nohfelden angerufen und ihn gebeten, mir ein paar Schwenker zu bringen. Fünf Minuten später war er da und ich habe ihn im Armdrücken vernichtend geschlagen und sofort beschlossen, dass wir das Seefest in die Adventszeit verschieben, da unsere Kerb bis dahin verlängert wird. Zukünftig wird es also jeden Montag einen Frühschoppen geben. Er war auch sofort damit einverstanden, da er auch keine Wahl hatte, da schließlich meine Tante damals so nett war, seinen Bruder zu heiraten.

SH: Wie geht es weiter in Ihrem Dorf?

TB: Sie sagen es ganz richtig. Mein Dorf! Nun, ich werde einige wenige Änderungen vornehmen müssen. Ich werde zuerst eine Separationsverfahren in die Wege leiten. Auch das Abstimmungsergebnis steht schon fest. 112,32 % stimmten bereits zu, ohne dass ich es auch nur beschlossen habe. Es ist also schon zu erkennen, dass meine Politik wirkt. Beim eben bereits erwähnten Schwenken verkaufte ich im übrigen bereits Steinberg - aber ohne Deckenhardt - an Nohfelden. O.K., ich habe mir mehr erhofft, aber wir bekommen, neben dem Musikverein noch über 10.000€. Da sollte niemand meckern. Es genügt zumindest für einen Dorttraktor. Und mehr war einfach nicht drin.

SH: Mit Verlaub, Euer Hochwaldgeborener, das klingt nach mehr als nur kleinen Änderungen.

TB: Unterbrich mich doch nicht immer du Satzverdreher ... Ich war ja noch lange nicht fertig. Nachdem ich den heiligen Stephanus aus Oberthal entmachtet habe, werden wir beginnen eine neue Residenz am Eichwiesje zu erbauen. Ich dachte so an 5.000 qm mit Hallenbad und Sauna. Das Highlight wird aber die Sonnenterrasse mit direktem Zugang zum Gombachstadion sein. Hier dürfen auch Du mich - gelegentlich und nur bei miesem Wetter - besuchen, da ich an sonnigen Tagen dort nur mit meiner Entourage hofieren werde, um einen Sieg unserer SFG mitanzuschauen, zu deren Ehrenpräsident ich mich schon vor Amtsantritt gemacht habe.

Auf Atlant wird ein Weinbaugebiet erschlossen und mit ausgewählten genmanipulierten Trauben werden wir zukünftig nur noch erlesene Tropfen ernten, dessen Ochsengrad dem Bordeaux den gar aus macht. Wir werden das Gebiet Gombacher Nacktarsch nennen und die Farbe ändern. Es wird also kein Rot mehr geben, da 20% einfach zu wenig für einen Volkswein sind und Schwarz eh die schönere Farbe ist. Er wird im übrigen auch so geerntet. Hab ich schon alles mit den Wennels besprochen.

Unsere Armee steht im übrigen auch schon. Ganz besonders stolz bin ich auf die Treckerattelerie, die die Schlepperfreunde bereits im geheimen aufgestellt haben. Im kommenden Jahr werden wir sie dann auch endlich der Öffentlichkeit vorstellen. Einen Führer haben wir auch schon.

Die Turner trainieren bereits den Guerilla- und Häuserkampf und der Schützenverein trifft mittlerweile auch schon die Ringe. Als Ersatzarmee ist der Pensionärsverein vorgesehen, wobei mir der Rulle-Dudi noch einige Schwierigkeiten macht. Der Mann hat zu wenig Ahnung in der Brandschutzbekämpfung, aber ich strebe mittelfristig einen Kommandowechsel an. Der Vita-Randy steht bereit und würde von Hause auch die richtige Ausrüstung zur Verfügung stellen können.

Und zu guter letzt wird die Dorfkirche zu einem staatlichen Dom umgebaut. Mein Wunschbischof würde dann auch wieder zurückkehren. Die Kohle spielte hier aber keine Rolle. Dann fehlt nur noch die Umbenennung des Dorfes von Güdesweiler in Hammelbach City, mit eigenem Zentralbahnhof und öffentlichem Nahverkehr, mit U- und S-Bahn, deren Leitung ich meinem Onkel übertragen werden. Der fletscht schon mit den Zähnen.

SH: Das klingt als würden alle Familienmitglieder versorgt werden?

TB: Die Vetternwirtschaft war schon immer das erfolgreichste Rezept, wenn es um Kneipenkultur geht. Mein Opa (Anm. der Redaktion | ehem. Ortsvorsteher) war da ja ganz anders. Ich habe viel von ihm gelernt, was ich vor allem nicht machen würde. Der Seppel war sehr beliebt im Dorf und seine Regentschaft war geprägt von Mitgefühl und Einfühlungsvermögen. Er konnte stundenlang zuhören und fand zum Schluss immer einen Kompromiss mit dem alle einverstanden waren. Das kann ich nicht oder sagen wir lieber, das will ich nicht! Dieses ständige Zuhören und Verstehen und dann trank er noch immer ein Bier mit allen und alles war wieder gut. Sorry, dafür habe ich leider keine Zeit. Ich war schon als Messdiener davon überzeugt, dass es nur timokratisch wirklich vorangeht.

SH: Und was ist mit den beiden verbliebenen Dörfern innerhalb der Gemeinde?

Zwei? Ach so, Sie meinen Gronig. Ja, wir werden auch ihnen das ein oder andere Zuckerbrot überlassen, damit wir es uns mit der Peitsche auch wieder zurückholen können. Das Freibad in Oberthal wird wieder eröffnet und die Jahresdurchschnittstemeratur auf 15 Grad begrenzt, damit auch jeder Ossenbacher versteht, was zittern wirklich bedeutet. Gronig fassen wir an einem energiegeladen Ort jenseits des Mombergs mit Rasenplatz zusammen, bauen ihnen eine kleine Kapelle mit Wiese und nutzen den frei gewordenen Lebensraum im Westen um Flüchtlinge aus den umliegenden Gemeinden nach einem bestimmten Schlüssel zu integrieren.

Im übrigen möchte ich die Gelegenheit nutzen, alle meine Untertanen einzuladen, wenn ich mein Programm demnächst vorstellen werde. Dafür habe ich eigens eine Oper mit drei Achsen komponiert, die die APO, die Anti-Pazifistische-Opposition, musikalisch unterstützen wird. Der Eintritt ist selbstverständlich frei, aber es besteht eine Spenden- und Anwessenheitspflicht für jeden Bürger. Die Bürgerinnen möchte ich aber bitten, davon abzusehen, mir ständig neue schlüpfrige Utensilien, in Verbindung mit eindeutigen Angeboten hinterher zu werfen, da ich mich entschlossen habe, mich ausschließlich dem Wohle des Dorfes zu widmen und somit auch keine Zeit mehr haben werde, mich den fleischlichen Gelüsten hinzugeben.

SH: Vielen Dank für das Interview!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Schdani (Samstag, 29 September 2018 11:58)

    Das ist alles schön witzig, farbig und humorvoll.
    Zweierlei würde ich gerne ansprechen. Zum einen plädiere ich, wie schon mal angesprochen, für einen Stopp des Feldspatabbaus.

    Zum anderen bitte ich Herrn Ortsvorsteher Backes, gemeinsam mit seinen Kollegen in Oberthal und Gronig und darüberhinaus, bei den Verantwortlichen des Bistums Trier in deutlicher Weise vorstellig zu werden bzgl. der geplanten Zusammenlegung der Pfarrei Oberthal bzw. Oberthal-Namborn mit der Pfarrei St.Wendel. Das geht nicht allein die Kirche allgemein und die Gläubigen vor Ort an, sondern ist m.Er. auch ein Politikum.
    Es besteht kein gewichtiger Grund, die Pfarreien aufzulösen, denn Kirchensteuergeld ist reichlich vorhanden (das oft genug für Unsinniges ausgegeben wird) und auch Priester sind genügend da. Das Argument, es besuchten immer weniger Menschen die hl. Messen entspricht zwar den Tatsachen, aber kann als Argument nicht wirklich gelten. Denn wer hat seit Jahrzehnten dazu mitbeigetragen, daß es soweit gekommen ist? Da sollten die Verantwortlichen, einschließlich des Bischof Ackermann, sich mal an die eigene Nase fassen und in den Spiegel schauen.
    Ich selbst habe mich schon oft genug bei Bischof Ackermann für den Erhalt der Pfarrei/Pfarreien ausgesprochen, aber sehe hier auch die politisch Verantwortlichen in der Pflicht.