Drei Frauen aus Oberthal als Hexen hingerichtet

Gemeinde Oberthal

Wen könnte man denn als nächstes auf den Scheiterhaufen bringen? Wer hat es verdient? Solche Überlegungen könnten durchaus eine Rolle gespielt haben im Jahre 1618, als 

 

drei Oberthaler Hexen, Johannet Schu aus Imweiler, Cahtharine Thiellen aus Osenbach und Marie Zendner aus Linden der ,,Zauberey" angeklagt wurden und am 26.September 1618 auf dem Richtplatz unterhalb der Schaumburg als Hexen verbrannt wurden. Referent Niko Leiß vom historischen Verein zur Erforschung des Schaumburger Landes Tholey hielt ein Vortrag zum 400. Jahrestag der Hinrichtung der Oberthaler Hexen.

 

Der Verein für Geschichte und Heimatkunde Oberthal, hatte mit dem 1. Vorsitzenden Werner Rauber dazu eingeladen. Vor ca. 75 interessierten Zuhörer zog Leiß die Menge in seinen Bann. Als es zu den ersten Verfolgungen hier zu Lande kommt, brach zur damaligen Zeit die Pest aus. Die Menschen waren verängstigt und unsicher, hier ging was nicht mit rechten Dingen zu, ein Schuldiger musste gefunden werden.

 

Aber auch persönliche Motive spielten oft eine Rolle, indem Antipathie gegenüber der Nachbarschaft durch Streitigkeiten bestand. Für so manche Partei endete diese Bezichtigungen durch mehrere Personen auf dem Scheiterhaufen. So auch für Johannet Schu (geb. 1538 ) die damals schon 80 Jahre alt war und bei ihren Kindern in Imweiler lebte. Übrigens wurde auch ein Mann, Hans Weiten aus Gronich  am 31. Dezember 1618 hingerichtet. 

 

Am Beispiel der Aussagen von Johannet Schu erläuterte der Referent Niko Leiß die vor dem Hintergrund der drohenden Folter abgelegten Geständnisse. Danach hatte sie sich in einer ausweglosen Situation mit dem Satan eingelassen und sich bei mehreren Hexensabbaten mit anderen Frauen und Männern in der Umgebung von Oberthal getroffen, um verschiedene Missetaten zu verabreden und durchzuführen.

 

Dazu gehörten z. B. das Krankmachen und Töten von Mensch und Vieh und das Verursachen von Unwettern. Mehrere Zeugen bestätigten die ansonsten unerklärlichen Vorfälle. Nur eines gesteht Johannet Schu nicht: den Flug auf einem Besen. Angebliche Hexensabbate auf der Betzwies nahe Linden und auf der Laim bei Osenbach wurden angeblich abgehalten. Nach Genehmigung des Todesurteils durch die Meisterschöffen in Nancy erfolgte wenige Wochen nach der Inhaftierung in einem Kellerverlies die Hinrichtung durch Erdrosselung und anschließendes Verbrennen.

 

Und angeblich hatte die Kirche mit diesen Prozessen nichts zu tun. Dies wäre eine rein staatliche Sache im Schaumburger Land gewesen.

 

Die Beschlagnahme der Vermögen der Verurteilen konnten die enormen Prozesskosten für Schöffen, Schreiber, Zeugen, Henker, ( der Henker musste aus Wallerfangen geholt werden ) Boten und Übersetzer sowie für die Unterbringung und die Hinrichtung nur mit Mühe decken. Die detaillierten Prozesskostenaufstellungen und die Versteigerungsprotokolle zeigen, dass dieselben Personen oft mehrmals an dem Verfahren beteiligt waren, so als Schöffen, Zeugen oder Steigerer des Vermögens.

 

 

Die Aussagen der Angeklagten und die Benennung von angeblichen Komplizen führten zu ganzen Verfahrensketten, von denen eine sich im Raum Bettingen-Gresaubach-Thalexweiler, eine andere im Bereich der heutigen Gemeinde Oberthal entwickelten. Während für das Amt Schaumburg danach nur noch einzelne Verfahren belegt sind, kam es in den angrenzenden kurtrierischen Gebieten um 1630 zu einer weiteren umfangreichen Verfolgungswelle, bis schließlich mit Herannahen des 30-jährigen Krieges ab 1631 die Verfolgungen unterbrochen wurden und bis 1700 in der Region ganz zum Erliegen kamen.

 

zeigt die Karte in denen Hexenverfolgungen stattfanden
zeigt die Karte in denen Hexenverfolgungen stattfanden

 

Zum Schluss des Vortrages zog der Referent Parallelen zur heutigen Zeit.  Denn  genau wie damals, werden auch heute manipulativ verbreitete, vorgetäuschte Nachrichten verbreitet, die sich überwiegend im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken und anderen sozialen Medien zum Teil viral verbreiten.

 

Und so ähnlich musste es sich schon vor 400 Jahren zugetragen haben, als aus irgendeiner Gerüchteküche unschuldige Frauen der Pakt mit dem Teufel oder der Zauberei nachgesagt wurde. Man könnte fast meinen, es hat sich in all den Jahren nichts geändert.  

 

Und dabei waren die Orte damals recht klein gewesen:

Linden: 4 Bauern, 2 Tagelöhner, 1 Witwe

Osenbach: 4 Bauern, 4 Tagelöhner, 2 Hirten

Gronig: 4 Bauern, 1 Witwe, 1 Bettler

 

Insgesamt waren es 23 Haushalte mit 140 Personen. Im Jahr 1618, als anderswo in Mitteleuropa der 30-jährige Krieg ausbrach, gipfelte die Hexenverfolgung im Amt Schaumburg mit der Hinrichtung von insgesamt 13 Frauen und Männern, eine weitere beging Selbstmord. Es herrschte eine entsetzliche Stimmung und

,,der een war dem anner sei Deiwel".

 

Übrigens gibt es immer noch 3 Hexen im Owwerdahl. Die singen aber nur zur Fasenacht in der Bliestalhall und sind meines wissens völlig harmlos. 

 

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Kommentare: 12
  • #1

    Schdani (Montag, 01 Oktober 2018 11:16)

    Wenn ich diesen Bericht lese, muß ich zunächst mal innehalten angesichts dieser grausigen Verbrechen an Unschuldigen. Es ist kaum zu begreifen, was da passiert ist und man sollte den Gefolterten und Ermordeten ein Denkmal setzen.

    Die Zeiten waren unsicher wie bereits das gesamte 16. Jahrhundert ein Jahrhundert von Unsicherheiten und "Bewegungen" geprägt war. Der Abfall von der Kirche oder der Protestantismus ist dafür ein augenfälliges Beispiel. Aber auch Änderungen des Weltbildes soz. wie eine gewisse Abkehr von der geozentrischen (Erde im MIttelpunkt) zur holozentrischen (Sonne im Mittelpunkt) Weltauffassung, was eine naturwissenschaftliche wie theologische Komponente beinhaltete, sorgten für Unruhe. Die Protestanten hielten am "alten" Weltbild fest und gehörten zu den Anklägern etwa von Galilei. Bei den Katholiken war es teils teils.
    Das ist m.Er. alles nicht zu weit hergeholt in Bezug auf die geschilderten Vorgänge, die "Hexen"prozesse in unserer Gegend und vielerorts. Vordergründig gings oft um "Kleinigkeiten", aber die Herrschenden sahen darin offenkundig weit mehr.
    In den katholisch gebliebenen Ländern wie Italien und Spanien haben sich solche Dinge kaum oder gar nicht ereignet.

    Der hl. Papst Johannes Paul II. ließ den gesamten Prozeß gegen Galileo Galilei nochmals prüfen, und es lohnt sich sehr, seine abschließenden Darlegungen dazu zu studieren.

  • #2

    Borre Jääb (Montag, 01 Oktober 2018 11:50)

    Eich well meich dann doch aach noch med ebbes wischdischerem melle :
    Eich glääb ned, daß die 3 noch lebendische Owwerdahler Hexe so
    ungefährlich senn - hann Ehr die schon mol krähe geheert an de Fasend ?
    Also eich hodd do deno emmer Huddel, die Zewenääl nommo grad se krien -
    on dem Zöllner seins dat macht jo äärisch wuschd.
    Nor gudd, daß mei Freindin Bäbbche do ned medmacht.
    Off jere Fall hann die 3 Glegg, daß se ned 1618 gelääbt hann,
    et hätt schlecht for se ausgesiehn !

    Gruß vom Jääb

  • #3

    Schdani (Montag, 01 Oktober 2018 12:13)

    Korrektur: nicht holozentrisch, sondern heliozentrisch selbstverständlich.

  • #4

    Dirrersch Barbara (Montag, 01 Oktober 2018 13:14)

    Mei liwer Jääb, eich kann ach de Besem schwinge, zwar net flie awer wenns senn mos grin die wo sich net schicke ach äns off die Ohre, awer der Schandi der schreibt mo schlau, der hott bestemmt mo religiös ebbes gemacht eich verstehn dat jo alles net so ganz der soll e mol normal schreiwe, des mer mo wat met krin! Gruß Bäbbche.

  • #5

    Dirrersch Barbara (Montag, 01 Oktober 2018 13:16)

    Wollt noch watt froe Isabelle. die 3 Hexe senn die dad vor offem Bild vore hugge, die kenn eich ganet! Gruß Bäbbche

  • #6

    Borre Jääb (Montag, 01 Oktober 2018 14:10)

    Ooh, Bäbbche, jetzt bisch de doch werklich laufend
    off de Schnerr on dann kennsch de die 3 Hexe ned -
    die senn doch fill äller wie die Määd off dem Bild.
    Holl der for nächschd Joor e Kaard beim OCV on gugg
    der se aan, pass awwer off dei Zewenääl off !

    Gruß vom Jääb

  • #7

    Isabelle (Montag, 01 Oktober 2018 15:31)

    Bäbbche iss bestimmt von Bliese...

  • #8

    Borre Jääb (Montag, 01 Oktober 2018 16:35)

    Jorres, Isabellche, saa so ebbes ned - mei Bäbbche e Steeßerin,
    dat kann doch ned senn - obwohl, eich hott ganz frier jo aach mol ens
    aus Bliese, mei Emche, ein knoddelisch Meisje, hott mer gudd
    gefall, schad, ääd wor noch zu absenaad, et wor änfach nix dren !
    Awwer jetzt med meinem Bäbbche lääft`s doch ganz gudd -
    ääs wääre nor noch ned,

    Gruß vom Jääb

  • #9

    Schdani (Dienstag, 02 Oktober 2018 10:06)

    "manipulativ verbreitete, vorgetäuschte Nachrichten": dazu fallen mir sofort die GEZ-Medien und die "Lückenpresse" ein: Manipulation, Hetze, Des- und Nichtinformation von früh bis spät.

    Es ist gut, daß von diesen Vorkommnissen berichtet wird. Herrn Leiß und allen Mithelfenden sei Dank.
    Wie schon angesprochen, sollte man nach meinem Dafürhalten die 3 genannten Frauen von der Zivilgemeinde mit einer Gedenktafel oder Vergleichbarem ehren und ihnen damit öffentlich die Würde zurückgeben und sie bleibend rehabilitieren.
    Persönlich geht diese Unrechtssache, und gar heute, natürlich niemanden etwas an, aber das sollte kein Grund sein, so etwas nicht zu tun und damit verbunden die öffentliche und quasi amtliche Distanzierung von diesem krassen Unrecht durch die damals Mächtigen.

    Man kann davon ausgehen, daß die Untaten der Mitgleider des Gerichtes wie insbesondere auch die der Ankläger und Verleumder vor Ort wohl kaum gesühnt worden sind. Es war ja rechtens und aus verschiedenen Gründen sprach man wohl nur, wenn überhaupt, im Flüsterton davon und im Laufe der Zeiten wußte auch niemand mehr etwas darüber.
    Aber Unrecht vergeht nicht, wenn es nicht gesühnt wird, und kann dann wie eine dunkle Wolke über einer Gemeinde hängenbleiben, auch nach Jahrhunderten noch.

    Vorstellbar ist, daß hochherzige Menschen in der Kirche St. Stephanus in Oberthal zu diesem Zweck eine Buß- und Sühneandacht halten, um stellvertretend die Untaten der daran Beteiligten zu sühnen. Das kann das Beten des Rosenkranzes sein zusammen mit einer passenden Litanei und entsprechenden Liedern.
    Hinzufügen möchte ich, daß die Kirchengemeinde Oberthal diese 3 Frauen, die letztlich für und mit Christus gelitten hatten, mit einem Festakt ehren und ihnen in der Kirche ein dauerndes Andenken geben könnte.


  • #10

    Isabele (Dienstag, 02 Oktober 2018 11:11)

    Schdani, vergess den Mann aus Gronich net.

  • #11

    Schdani (Dienstag, 02 Oktober 2018 13:16)

    Nä Isabele, so wie Ehr menne duun, so éss et.

  • #12

    Dirrersch Barbara (Dienstag, 02 Oktober 2018 17:30)

    Dat issabell, mennt eich wär e Steeser, do kann eich nix mi san froo mo Scharfe Herrmann, dann wäschde e bissje mehr orrer noch besser sei Modda. Machmo menn eich, eich wäred net dad lo Määre, de Jääb hat wenichdens Menscheverstand wenn er ach oft frech ess! Gruß Bäbbche.