Erzählungen von Helden abseits des Rasenplatzes

Gemeinde Oberthal

Die SF Güdesweiler sind ja mehr als nur ein einfacher Fußballclub. Klar spielen die in erster Linie Fußball, aber bevor die Jungs auf den Platz gehen, waren bereits viel Köpfe am Rauchen und noch mehr Hände im Einsatz. In dieser Reihe beschäftigen wir uns 

 

in den kommenden Wochen mit den Helden abseits des Platzes.

Beginnen wir mit zwei Männern, zwei echten Güdesweiler Jungs. O.K., der eine ist ein Zugereister, aus Bliesen, der Vorstadt unserer Nordsaar-Metropole, da aber seine Mutter ein waschechtes Güdesweiler Kind war, fiel ihm die Eingewöhnung nicht unbedingt schwer. Der andere gehört zum Dorf, wie unsere Kapelle oder die Deiwelskanzel, waschecht und unverwechselbar.

Der Ex-Blieser ist Erich Roob, Labertsborner aus Leidenschaft und ehemaliger Vorsitzender der SFG. In seine erste Amtszeit fallen der Doppelaufstieg zu Beginn der 90er Jahre mit Hans-Jürgen Henn als Trainer. Diese Zeit dürfen wir auch getrost als Grundlage für den bis heute anhaltenden Erfolg werten. Knapp ein Jahrzehnt später lies er sich ein weiteres Mal ins Amt wählen. Die SFG macht halt süchtig, was eine gewisse Ironie in sich trägt, immerhin war er Zeit seines Lebens Kriminalbeamter.

Erich übernahm die Rolle vor einigen Jahren von Rudi Schaadt, dem wir an dieser Stelle auch ein großes Dank aussprechen möchten. Und so formte sich ein neues Duo, welchem wir heute Tribut zollen möchten.

 

Der andere ist Josef Burkholz. Unser neuer Ortsvorsteher nannte ihn kürzlich in einem Interview, den Startenor aus der Bliesener Stross. Singen gehört zu seinem Leben und seit mindestens einem halben Jahrhundert pflegt er diese Kultur in den verschiedensten Facetten. Das Singen soll ja bekanntlich Leib und Leben zusammenhalten. Oder wahr es das Essen? Von mir auch auch beides. Wir streiten uns hier nicht über Semantik.

 

Josef Burkholz
Josef Burkholz

 

Allerdings behauptet selbst die Wissenschaft, dass das Singen auch einen enormen Einfluss auf andere Lebewesen hat. Der gemeine Schimpanse soll ja enorm gut ansprechen auf Beethoven, der Ficus Benjamini wird ganz närrisch, wenn Mozart erklingt und die gemeine Landschildkröte steht auf James Brown.

Nun lässt sich dies nicht so einfach abwandeln auf unseren Rasen im Gombachstadion. Zwar steht er ganzjährig im satten Grün, ob aber die Arien des Seppel Burkholz dafür verantwortlich sind, lässt sich höchstens theologisch, esoterisch oder gar homöopathisch beantworten. Wissenschaftlich gesehen lässt es sich leider nicht beweisen, dass künstliches Grün auch auf Musik reagiert.

Dass unser Grün aber nach fast zehn Jahren noch immer so satt und neuwertig daherkommt, liegt mitunter an diesen beiden Herren. Mehrmals im Jahr, von Frühjahr bis Spätsommer sogar wöchentlich, treffen sich unsere beiden Greenkeeper zum Pflegedienst.

Schon die Vorbereitung ist akribisch. Erich ist dabei der Erste der das Grün betritt und begutachtet. Genauso wie man sich das bei einem Beamten vorstellt. Der Platz ist vermessen, gekennzeichnet und aufgeteilt. Jeder Schritt im Detail geplant und hier wird nichts dem Zufall überlassen. Erst wenn die Finale Abnahme erfolgt, die Ergebnisse der Sichtung notiert und archiviert sind, darf der Kompagnon den Trecker starten.

 

Jetzt schlägt die Stunde des Seppel. Leichtfüssig, wie Papageno in Mozarts Zauberflöte, schwingt er sich auf sein Gefährt. Kurz wird der Joke zu Hilfe genommen, der Motor zart gestreichelt und dann dreht sich der Schlüssel im Schloss. Ein Raunen umgibt das Stadion und das Signal für die Rallye Mont d‘Gombach kann beginnen.

Mittlerweile haben auch Pladda Aloysius und Dettweilers Emil ihre Plätze eingenommen, schließlich will man das Spektakel nicht verpassen. Auch die Agnes Müller nimmt auf dem Balkon Platz. Sie applaudiert in regelmäßigen Abständen, wenn Seppel den Erich mal wieder knapp verfehlt hat, während Aloysius und Emil noch ihre Wetten platzieren.

Der Vertikultor setzt an und beginnt sein Werk zu verrichten. Sauber und in Linien richtet er Grashalm für Grashalm wieder auf und sollte auch nur einer über die genehmigte Höhe ragen, so ist sofort der Erich zur Stelle und packt sein Sortiment an Präzisionsscheren aus, eine Auswahl die jeden Barbier das Leuchten in die Augen treibt. Schnell ist die passende gefunden, der Halm gestutzt und zwei Daumen ragen in die Höhe.

Und so geht das ein paar Stunden unaufhaltsam weiter. Mittlerweile hat der Aloysius sogar das Mittagessen verpasst, so spannend ist das Geschehen, während der Emil raunt: »Pladda, hier steht das S wirklich für Spektakel!«

Nach getaner Arbeit, der Trekker raucht, wie einst Schmidde Nikla, gönnen Sie die Herren Greenkeeper eine verdiente Pause. Man nimmt Platz auf der Bank und betrachtet das Werk. Dank GPS-Datenerfassung und unter Zuhilfenahme diverser Aufnahmen der internationalen Raumstation konnte jede noch so kleine Unregelmäßigkeit egalisiert werden.

Vor nicht allzu langer Zeit war sogar unser Vorstand gezwungen, eine wahrlich unmoralische Offerte des FC Bayern abzulehnen, damit legte Hoeneß noch einen drauf. Neben Seppel und Erich sollte auch noch der Loddar Mathäus dem neuen Team der Greenkeeper beim Rekordmeister angehören. Beiden war das jedoch nicht geheuer, vor allem die Forderung von Loddar, dass er zukünftig den Trekker steuern dürfe, ging den beiden zu weit.

Danke Ihr lieben Grünmeister, dass Ihr uns erhalten bleibt und wir alle hoffen, dass Ihr beide noch viele weitere Jahre für unseren Rasen sorgt. Wir können gar nicht aufhören uns vorzustellen, wer einmal die Aufgabe übernehmen sollte. Derzeit liebäugeln bereits der Elmar Kelkel und der Alexander Scheid nach dem Job, nur sind sie sich noch nicht einig, wer den Trekker fahren darf.

 

Wir hoffen nur, dass es nicht die Wanderdüne sein wird, die den Job des Erich übernimmt, denn dank seiner nicht vorhandenen Schnelligkeit, wäre er niemals in der Lage, dem Trekker auszuweichen und der Emil hätte tatsächlich seine Wette gewonnen.

 

 

Text: Alex Scheid

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