Die Blieser Steeßer - Schweinehandel im Nachbarort

Blieser Steeßer, v. Werner Möller
Blieser Steeßer, v. Werner Möller

Bliesen

Schwein gehabt, dass die Owwerdähler nur ,,Rötelkrämer" waren, denn in unserem Nachbarort Bliesen wurde zur früheren Zeit so richtig die Sau rausgelassen. Die betrieben nämlich 

 

Schweinehandel ab den 1830er Jahren und überrannten damit sogar den ganzen Kreis St.Wendel. Die Nachbarn nennen es ,,Ferkelhandel",  das soll sich seriöser anhören. Und trotzdem klebt der Ausdruck ,,Blieser Steeßer", an der Bevölkerung heute noch wie Pech und Schwefel, denn man hat diesen Namen auf die Gesamtheit der Bevölkerung übertragen.

 

Man könnte jetzt sagen, Pech gehabt ihr Bliesener,  dass dieser negative Neck- und Spottname an euch klebt, aber die sehen das keineswegs so, denn die Nachbarn waren bisher stolz darauf, verbinden sie damit doch einen erfolgreichen Berufsstand im Schweinehandel.

 

Aber inzwischen gibt es auch kritische Stimmen gegenüber dem Ferkelhandel. Dazu der Blieser Steeßer Werner Möller persönlich: ,,Ich bin nicht stolz darauf, aber es ist ein schöner und Interessanter Teil unserer Bliesener Geschichte zu der man als in Bliesen geborener dazugehört!

 

Und wer war jetzt schuld an dieser ganzen Schweinerei? Es waren die Familie Klees und Wagner aus Bliesen und deren Nachfolger.

 

Und der Handel ging munter bis 1989 noch. Der letzte Ferkelhändler hieß Josef Wagner aus der Sippe Klees. Gemein war, dass die Blieser Steeßer die Ferkel an den Schwänzen hochzogen.

 

Dabei haben sie das Ferkel am Hinterbein mit dem Kopf nach unten festgehalten um mit einem kräftigen Stoß nach unten das Tier zu verlängern. Damit wollten sie imponieren, besser gesagt die Kundschaft austricksen.

 

Und nebenbei hatten sie noch lockere Sprüche drauf: ,,Lehn, holl dat Ferkel do, dat krische nimme, dat es wat for uffs Vertiko, dat hat inem halwe Johr zwei Zentner".

 

Auf den umliegenden Märkten oder direkt beim Kunden wurden sie dann per Handschlag verkauft. Hunderte von Schweinen tumelten sich auf den Märkten, da war es nicht so einfach die Viecher los zu werden. Nach erfolgreichem Geschäftsabschluss wurden die Ferkel noch gekennzeichnet und nach Marktschluss dem Käufer nach Hause zu gestellt. 

 

Aber weder mit DHL, Ups oder Hermes wurden die Schweine versandt, nein es ging ganz gemütlich mit dem Pferdewagen los. So fuhr Josef Wagner mit seinem Schweinewagen sogar bis nach Schwäbisch-Hall. Und als Ausgleich für das später rückläufige Geschäft handelte Wagner mit ganzen Spanferkel, die er dann selbst grillte und servierte, selbstverständlich ohne Innereien. 

 

Wenn jetzt die Blieser wisse wolle wo ihr Name herkommt, hier gibt es 5 Varianten, eine schlimmer wie die andere:

 

1. Nach einem guten Handel sollen die Händler gesagt haben: ,,Do ham er ä gudder Stoß gemacht".

 

2. Wenn die Ferkel in Herden getrieben wurden, hat man sie mit Stockstößen (Stößer) zusammengehalten. 

 

3. Mit einem Holzstößer wurden die gekochten Kartoffeln für das tägliche Schweinefutter gestampft.

 

4. Wenn die Händler das Ferkel am Hinterbein festhielten, und zwecks ,,Längenwachstum" nach unten ,,gestoßen" haben.

 

5. Wenn die Ferkel in dem Schweinewagen lagen, wurden sie mit einem Stöckchen angestoßen, damit sie quiekend aufsprangen und einen quirligen Eindruck auf den Kunden machten.

Quelle:Heimatverein Bliesen

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Hilli (Freitag, 28 Dezember 2018 08:32)

    Toller Bericht,da bekommt manschon früh gute Laune, weiter so Isa

  • #2

    Rötelkrämer (Freitag, 28 Dezember 2018 17:30)

    Jetzt mol langsam, der Möller soll sich ned so offresche ,
    ob als jetzije Städter, ob als friere Blieser - hennerm Helleheisje senn se all Steeßer !

    Die Gemeinheit von diesem Volksstamm leit net nor dodren,
    daß se ehre Opfer an de Schwänz hochziehe, nä, die hann aach noch bei ehre Freveltate lockere Sprich for die Kundschaft droff.
    Do lob eich meich doch emmer wirre gäre, ein anstänischer Rötelkrämer se senn,
    rechtschaffe, med ehrliche Verträsch, ohne Wutzequelereie, ohne Tricksereie !

    Der Rötelkrämer es offrecht - der Steeßer: guck no dene 5 Wariande !

  • #3

    Möller Werner Bliesen (Samstag, 29 Dezember 2018 14:21)

    Eine kleine Richtigstellung, der wahre Ferkelhandel war etwas vor meiner Zeit, deswegen die Aussage ich bin nicht Stolz darauf, das ist aber nicht negativ gemeint! Ab dem Helleheisje beginnt das Steeßerland wo Ich schon immer wohne und geboren bin und das ist gut so. Gruß Werner Möller, Blieser Steeßer !!!!!!!!!!!!!

  • #4

    Rötelkrämer (Samstag, 29 Dezember 2018 14:33)

    Ei gudd, dann bleib so wie de bischd !