Ein Silvestermorgen voller Wahnsinn im Edeka-Markt in Oberthal

Gemeinde Oberthal

 

So voll hat unser Reporter Alex den Edeka-Markt in Oberthal noch nie erlebt, als am heutigen Silvestermorgen. Purer Wahnsinn, was hier los war: Dramen, Sturzgeburten und Eierlikör......

 

 

 

Sanft weckte mich meine Mami an diesem Morgen. Auf einem Tablett brachte sie mir heut den Bachblüttentee zum Bettchen, dazu ein Vanillekipferl und noch bevor ich den ersten Schluck genügsam schlürfen durfte, hielt sie mir meine Sporttasche entgegen. Nanu, sollte ich etwa die Zusatzspeckverarbeitungseinheit der Altliga verschaffen haben?

Nein, raunte sie mir entzückt entgegen, das ist nicht deine Sporttasche, sondern meine Einkaufstasche und ich solle doch so lieb sein und meinem alten Mütterchen noch den ein oder anderen Einkauf zu erledigen, wenigstens noch einmal in diesem Jahr. Ich wäre ja auch bald wieder zu Hause, gab sie mir noch süffisant lachend mit auf den Weg.

Und so startete ich den Wagen, während sich das Garagentor mit einem flüsterndem Zippen langsam öffnete und mir der graue, diesige Himmel entgegen schimmerte. Perfektes Wetter zum Einkaufen so meine Gedanke an diesem düsteren Morgen am letzten Tages des Jahres.

Ein wenig Kuchen sollte es sein, aber bitte vom Bäcker meines Vertrauens und ein wenig von der saarländischen aller saarländische Spezialitäten des Fleischereihandwerkers Schröder, welches ich beim Schneider bekäme, also dem Einzelhandelsindustriemogulen aus der Grafschaft Oberthal, dessen Laden den saloppen Namen Edeka in fetten Grün auf leuchteten Gelb geradezu in die Landschaft schreit.

Schon beim Grenzübertritt vom beschaulichen Hammelbach ins Land der Rötelkrämer war eine ungewöhnliche Geschäftigkeit zu spüren. Sorgsam um Vorfahrt und Andacht bedachte Bürger kreuzten mit ihren Innenstadtpanzern auf 365er Michelin Vollmantelgummislicks, im engen Kurvengestrüb von Imweiler von Lädchen zu Stübchen.

 

 

Alle waren sie auf der Suche, auf der Suche nach einem Platz für ihren Schwertransporter, der heute auch gebraucht werden sollte, schließlich wird’s in diesem Jahr nur noch diese eine Gelegenheit geben etwas zu kaufen. Und der sorgsam bedachte Bürger, der auch schon mal für einen korsakischen Wandertölpel ganze Flughäfen stilllegt, darf sich ja nie wirklich sicher sein, ob er dann, im nächsten Jahr, auch noch etwas für sein niedrigzinsiertes, aber hart erarbeitete Geld bekommt.

Ich entdeckte noch zwei Quadratmeter Platz und parkte meinen Kleinwagen, halb auf der Blumenbeetumrandung, halb auf dem Frauenparkplatz direkt neben der Laterne, an dessen Rumpf die Annegret Kramp-Karrenbauer so freundlich war ein Richtungsanzeiger anzubringen, welches die erhellende Botschaft in die Lande trägt, dass man sich erfreut hat, an deinem Besuch im Saarland und du bald wieder kommen mögest.

Als Optimist, dessen Blutgruppe sogar positiv bewertet wurde, dachte ich mir nichts dabei und bestieg heut vergnügt die Linie 38 der Hartz-Bus-Gesellschaft mit dem Ziel »Brühlzentrum«. Unterwegs schossen mir unendlich viele Gedanken durch mein verwusseltes Köpfchen, dessen Haartracht ich mit einer schicken Mütze im Zaun zu halten versuchte und sinnierte über die Welt. Beim Anblick meiner Gesellen im Omnibus fragte ich mich, warum Nasen eigentlich laufen, während Füsse riechen und ob Uhren eigentlich beleidigt sind, wenn man sie aufzieht.

Die Zeit vergeht wie im Pflug, wenn man einem plötzlich die Schöpfungsgeschichte wieder einfällt. Man denkt an Noah, wie er einst immer ein Pärchen zur Arche führte und fragt sich, warum er dann nicht die beiden Stechmücken erschlagen konnte und warum wir eigentlich immer dann Weihnachten feiern, wenn die Geschäfte so voll sind.

Die Lungen voller Feinstaub entkalkte ich meine Hüftgelenke bei Ankunft im Herzen von Oberthal und schlenderte zum Edeka. Man ahnt ja nie wirklich wenn einen das Grauen erwartet, schon gar nicht wenn man Führungsqualitäten besitzt, die zurück gehen auf eine Zeit in der man sechs Wochen lang Klassensprecher war - in den Sommerferien. O.K., würden jetzt einige sagen, aber damals gab es noch ein Freibad in Oberthal, wobei das heute auch nicht von Nutzen gewesen wäre.

Schlagartig wird einem aber dann bewusst, dass man sich inmitten eines Horrorfilms befindet, immer in einer Szene gefangen, wo man den Protagonisten im Film zuruft, die dumme Gans möge doch jetzt nicht in den Schuppen laufen, weil man ja weiß, dass dort der Mann mit dem Dreizack nur auf sie wartet. Vergebens. Man und vor allem auch Frau betreten das Tor zur Hölle und singen gar, die sich ständig wiederholenden Zeilen von Geier Sturzflug, über die Steigerung des Bruttosozialprodukt und wie die Müllabfuhr nach Weihnachten den ganzen Plunder wieder abholt.

Beim Obst, unmittelbar nach der sich nur in eine Richtung öffnenden Schranke ohne Andreaskreuz, angekommen, prüft unser Bäbbche sorgsam die Kiwi mit einem herzhaften Biss in die Schale, um erst nach überstandener Qualitätsprüfung festzustellen, dass sie dringend Coregatabs in den Korb legen sollte. Der Borre Jäb, ganz gefesselt von der Szenerie, wirft ihr ein Arthritis Five entgegen und bietet ihr, salopp gesagt, an, den Rollator für sie zu schieben, während er beim Bärwurz bereitwillig den Cholesterinwert prüft und sich dann doch für den Steinhäger entscheidet.

Lang schlängelt sich der, vertikal gen Süden gerichtet, Gang zu den Fleischtöpfen, wo heute gefühlt zwanzig, noch immer bestens aufgelegte Verkäuferinnen, ihr Handwerk nach Innungsvorschrift A.2-64, nachgehen. Beim gemeinsamen Frühstück gab’s ne Gratispackung Ritalin mit Prosecco, denn auch dieser Tag muss doch noch irgendwie überstanden werden.

So füllt sich das Körbchen. Hier mit Bonduelle Erbschen, das vermosse Zartgemüse aus der Dose, dort Mars, welches bekanntlich macht mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel und schon steht man vor dem Fleisch, welches bekanntlich in der Bibel schon willig war, während der Geist immer schwächer wurde. Jeder zieht ein Nümmerchen, aber bitte nur eins und bitte keins machen und notgedrungen verwickelt einen der Nachbarn, dessen Zettelchen noch aus der Zeit stammen müsste, als die DM noch als zugelassenen Zahlungsmittel akzeptiert wurde.

War wirklich jeder dem Trugschluss verfallen, es gäbe heute auf alle Waren 20% - ausser Tiernahrung? Wir lieben ja schließlich Lebensmittel hört man jenen Metzger sagen, der Calli Calmund mal eben ein halbes Ferkel im Doppelweck verkaufte, während sich die kleine Erna Sorgen macht, ob der Weihnachtsmann nach dieser Bestellung überhaupt noch durch den Kamin passt.

Mein grünes Gewissen lässt mich schaudern vor dem Griff in die Abteilung »Fertigverpackt« wo dir Salami in Scheiben oder die Kringelwurst aus Thüringen sofort in die Augen fallen, während am digitalen Nummerndisplay die Zahl 94 einfach nicht auftauchen will.

Soeben wurde die 33 aufgerufen, der rasch den Bestellzettel aus der Innentasche zieht und es so rüberkommt, als würde sich ein Clown auf der Kinderkappensitzung des OCV ein, nicht enden wollendes Seitentuch aus dem Mund ziehen.

Zum Dank für die Schnapszahl bekommt er auch noch selbigen und so besingt der die drei Damen vom Grill noch kurzerhand mit einem Trullala. Das Vielleicht ist noch ne Verkäuferin da erspart er sich aber, da die mürrischen Blicke tief verzweifelter Kunden im direkten Umfeld, der Sage nach ja auch töten können. Und wer will schon Blut sehen? An einer Fleischtheke!

Der Engländer bekanntlich, liebt es ja in der Schlange zu stehen. Ja, sie stehen sogar in einer Schlange, nur um in einer Schlange stehen zu dürfen, während wir hier im tiefen Germanien von der Ordentlichkeit geprägt sind, was heute aber auch der Entspannung diente, da sich hier reichlich Gelegenheit ergab, den Einkaufswagen zu ordnen, schließlich hatte man jetzt, nach der heißen Schlacht am kalten Büffet, reichlich Gelegenheit dieser ureigenen Eigenschaft nachzugeben, denn bis zur Kasse war es ein weiter Weg.

Nun verfügt das Erlebniskaufhaus Schneider in Oberthal über reichliche Schluchten mit breiten Wegen, wo selbst das Grüßen des direkten Nachbarn beflissentlich überhört werden kann, selbst wenn das Hörgerät voll aufgedreht ist. Selten rollt dir einer mit dem Wagen voller Kaltschallengetränke über den Fuß und das Anstupsen mit den Trolly hat nur dann Konjunktur, wenn das Seniorenheim einen Ausflug macht.

In der Schlange angekommen, wird einem zum ersten Mal wirklich bewusst, was es heisst nur 20 cm zu haben. Denn mehr Platz war nicht vor und nicht hinter dir. Die Zeit verging und verging nicht. Dicht auf Dicht standen die Kunden in Reih und Glied und so überkamen sie vor Angst, dass der Jogurt mit den linksdrehenden Kulturen, an der Kasse bereits einem Kreiselkollaps erliegen ist.

Aber der gemeine Gemeindekäufer - der hundsgemeine im übrigen auch - weiß sich natürlich zu helfen. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da gründet sich flugs ein neuer Verein. Oder es trifft sich, welch Zufall, der Gemeinderat gegenüber dem Schnapsregal - ein Schuft wer böses denkt - um kurzerhand eine Sondersitzung einzuberufen, um schnell noch den ein oder anderen vergessenen Tagesordnungspunkt der Sitzung vom 18. November 1753 in die Tat umzusetzen.

Nun überschlugen sich die Ereignisse. Malte aus Ossenbach, dessen Border-Collie versehentlich beim Weihnachtsspaziergang am Bostalsee von von einem dänischen Dogge unter mysteriösen Umständen geschwängert wurde, kommt ins Schwitzen, da »Heidi« noch vor Erreichen der Grußkartenabteilung eine Sturzgeburt erleidet. Glücklich gebar sie acht süsse Welpen und der Kirchenchor, der eben noch »Nun leb wohl du kleine Gasse« von Friedrich Silcher zum Besten gab, kündigte in lautem Frohlocken die Namen der kleinen Hundeschar an.

Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen sollen sie nun heißen, was Dörte, der Lieblingslebensabschnittspartnerin von Malte nun wahrlich nicht passte. Kurzerhand übernahm unsere ehemalige Bürgermeisterin, die sich höchstselbst im Getümmel verbarg, die Patenschaft und der Heimat- und Verkehrsverein stiftete Dörte eine Hundedecke von Jack Wolfskin und alles war wieder gut.

Plötzlich gab es Streit in Reihe 3 auf Höhe der Konservenabteilung. Chantal-Madeline, die schon unglücklich darüber war, nach ihrer Ehe in Steinberg leben zu müssen, sorgte sich um die Haltbarkeit ihrer Pizza im Einkaufswagen, da es noch ein steiniger Weg war, bis sie zur Kasse gebeten werde. Als sie dann noch ihrem Ronny offenbarte, nur wegen einem Pack roter Servietten noch mal zum Aldi auf die Allerburg zu müssen, schlug es dem Fass den Boden aus. Kurzerhand schnappte er sich ein Packung Weißer, zerlegt fachmännisch die Verpackung und malte genüsslich bis zur Ankunft an der Kasse alle mit dem Edding rot an und raute Chantal zu, dass die Oma das eh nicht mehr unterscheiden könne. Die Ehe war gerettet, vorläufig

Der kleine energiegeladen Jan aus Gronig machte sich auf zu einer Zusatzmathestunde. Er ist immerhin 10 und kann schon bis 100 zählen, aber kurz vor den Ostereier in Reihe 8 war er mit seinem Latein am Ende und futterte flix die Mon- Cherie aus dem Wagen von Oma Milwassersch Moni, die mit Zachel’s Lisbeth über die Vorzüge des Keltenrings im Hinblick zur permanent Abschottung gen Oberthal referierte.

Aber die Schneiderleins aus dem Hause Edeka wurden immer kreativer und so flanierten die Verkäuferinnen, die heut weder kassierten noch Schweine zerlegten, mit diversen Schnäpsen und Fleischkäsweckchen durch die Gänge. Immer fröhlicher wurde die Runde. Plötzlich erzählten sich wildfremde Menschen wutzige Witze und Singles kamen sich näher, wobei näher hier metaphorisch betrachtet werden sollte.

Klaus O. aus B. flirtete, den Stetson neckisch über die hohe Stirn geneigt mit Barbara aus dem Sauerland, die mehrere Reihen entfernt, die Brigitte nach Kochrezepten durchstöberte. Bäbche aber, eben noch suchend nach Haftmitteln für die Dritten und vom Borre Jäb am Branntweinstand verlassen, fühlte sich angesprochen, lies entschlossen die Tüten mit den Rippchen zu Boden fallen und stürzte dem Klaus in die Arme.

Und so endet unsere kurze Geschichte von einem langen Einkaufstag am Morgen des letzten Tages im Jahr im Edeka zu Oberthal mit einem Happy End.

Anmerkung der Redaktion: Kleine Geschichte ist übertrieben, aber wir wünschen allen Saar-Heimat Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr 2019.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Hillitoller Bdricht (Dienstag, 01 Januar 2019 11:48)

    Toller Bericht, habe
    Tränen gelacht