Respektlos ! - Ein Wort zu der 2. Gala-Prunksitzung in Oberthal

Gemeinde Oberthal

 

Respekt!....ein Minimum

Johann Wolfgang von Goethe hat uns alle schon das ein oder andere Male um den Verstand gebracht. Wer einmal den Erlkönig vor den Klassenkameraden zitieren musste, der weiß nur zu gut, um die perfide lyrische Gestaltung eines meisterhaften Gedichtes und seinen Tücken.  

Nun lebte der Herr Geheimrat  

 

Goethe in einer Zeit, die weit mehr war, als nur eine Zeit, hat doch der, nebenbei noch als Wissenschaftler und Politiker agierende Johann Wolfgang, höchstselbst jene Phase zu einer Ära erhoben, die viele Perioden beinhaltet. 

 

Goethe lebte und wirkte in mehreren in sich verwobenen Epochen, wie der Romantik mit Schlegel und Novalis, in der Zeit der Aufklärung mit Hegel und Kant, im Sturm und Drang mit Friedrich Schiller und nicht zuletzt prägte er wie kein anderer die Deutsche, oder besser gesagt, die Weimarer Klassik. Und alles in allem hinterließ er uns die Metapher das Volk der Dichter und Denker zu sein.

 

Was ihn aber zu einem der Größten überhaupt gemacht hat, war wohl eine Eigenschaft, die nicht umsonst auch als eine Grundtugend des Menschen überhaupt ausgemacht mit. Respekt.

 

Was aber ist Respekt, wie zeigt er sich und wie kann man respektvoll Leben und Wirken? Dafür gibt es kein Handbuch, obgleich sich zahlreiche Autoren bemüht haben, diverse Leitfaden zu stricken, um uns einem respektvollen Umgang zu bedienen.

 

Letztendlich jedoch entsteht Respekt aus einer eigenen Überzeugung oder vielmehr durch den eigenen Charakter. Selbstredend kann man ihn auch lernen, was aber neuerlich irgendwie aus dem Lebensentwurf des Individuum  gerne zu entschwinden vermag.

 

Aktuell befinden wir uns in der Fastenzeit, die uns, so wir uns dem alten Diktat unserer religiösen Prägung bedienen, viel abverlangt. Die Zeit davor nannten wir die Fassendzeit, die uns, mit wenig Diktat viel zugestand. In dieser Zeit dürfen wir uns auch gerne mal über das Eine oder den Anderen lustig machen. Gerne genommen werden dafür Politiker, die dies auch gerne einmal annehmen, da ihnen so doch enorme Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.

 

Ein Unzahl von Frauen und Männern engagieren sich in dieser Zeit sehr aktiv in entsprechenden Vereinen, wo sie den Frohsinn leben können, während Andere wiederum zu ihren Veranstaltungen pilgern, um über ihre Scherze und Späße lachen zu können.

 

Und so gründetet sich im Jahr 1950 auch in Oberthal ein Verein, der sich der Narretei verschrieben hat, der Oberthaler Carneval Verein. Seit bald 70 Jahren sorgen sie dafür, dass man an den hohen Tagen des Jahres, der fünften Jahreszeit, traditionell und gepflegt den Übermut feiern kann. 

 

An zwei Samstagen laden sie die Bevölkerung zu einer Narrenschau in die Bliestalhalle ein. Einige Wochen Schwerstarbeit liegt vor ihnen. Wer unsere Bliestalhalle, deren Betonung auf Mehrzweckhalle liegt, kennt, der weiß was alles dafür notwendig ist, aus dieser - leider Gottes - vollkommen verhundsten Halle, eine stimmungsvolle Location zu machen. 

 

Die Planer haben nie wirklich darüber nachgedacht, was zu einer Mehrzweckhalle gehören sollte und wie man sie für mehr als nur einen Zweck - den Sport - gestalten könnte. Leider müssen wir mit dieser Tatsache leben und weitere Aufregung darüber tut nicht mehr zur Sache.

 

Was aber zur Sache tut, ist der bereits eingangs beschrieben Respekt gegenüber allen, die dort Jahr für Jahr alles tun, damit wir in unserer Gemeinde ein nahezu vollkommenes Fest feiern dürfen.

 

Wer die zweite Sitzung des OCV verfolgen durfte, der weiß um was es geht. Nahezu unerträglich war der Lärmpegel im Saal. Keineswegs zur Zeit der Party, wo wild getanzt und laut gesungen wurde. Nein, bereits mit Beginn der Veranstaltung hat es einen Großteil der Besucher eigentlich nicht interessiert, was auf der Bühne passierte.

 

Würde man viele, der überwiegend jungen Besucher, die hiermit gemeint sind, fragen, wie der oder der Vortrag war, dann könnten sie sich wohlmöglich nur och an den Witz von zwei Musikern erinnern, wo der Blinde fragt: »Tanzen Sie schon?« und der Taube antwortet: »Wie, spielen wir schon?«

 

Es war schlicht und ergreifend einfach respektlos wie, der überwiegende Teil des Publikums und vorwiegend in den vorderen Reihen, sich gegenüber all den Akteuren auf der Bühne verhielt. Schon vor der Pause konnte man sehen, wie der ein oder anderen Alkoholleiche, mit Getöse und in der Horizontalen, der Abend noch einmal durch den Kopf ging.

 

Jungs - denn es waren überwiegend Jungs - jedes Jahr geben die Akteuere - allen voran die Wortakteure - alles um Uns und auch Euch zu unterhalten. Das sind alles keine Profis. Keiner bekommt einen Gage und ein jeder schreibt, reimt und übt seine Vorträge, um dann ein- oder zweimal im Jahr mit dafür zu sorgen, dass die Tradition am Leben erhalten wird.

 

Die Besucherzahlen geben dem OCV ja Recht. Zwei nahezu ausverkaufte Abende in der Bliestalhalle sprechen für sich. Und ja, wir zahlen Eintritt dafür. Meines Erachtens noch zu wenig. Zu Mario Barth läuft man in Heerscharen ins Olympiastadion, zahlt ohne zu murren das vier- bis fünffache und die Witze sind auch nicht besser. Mario hat aber keinen anderen Job, er kann nur Witze über Titten machen und begeistert ein Publikum. Weshalb wir ihn auch Profi nennen. und das mag auch jedem gefallen, der sich dorthin begibt. Jeder nach seiner Façon.

 

Aber in Oberthal ist das nun mal anders. Und das wird schlicht und ergreifend nicht respektiert. Es braucht niemand in Jubelstürme auszubrechen oder gar den Akteuren so lange auf die Schulter zu klopfen, bis selbige bricht. Es erwartet auch kein Akteur, dass er auf Händen aus dem Saal getragen wird, weil er eben den Schabernack des Jahres erzählt hat.

 

Was aber alle auf der Bühne und alle, die hinter der Bühnen dafür sorgen, dass es überhaupt noch Veranstaltungen dieser Art gibt, erwarten dürfen, ist Euren Respekt. Und wer selbigen nicht zu zeigen in der Lage ist, weil er in der Regel nur noch mit der Druckbetankung beschäftigt sein will, der sollte damit lieber zu Hause beginnen und - wenn noch in der Lage - dann zur After-Show-Party in die Halle kommen.

 

Wir leben in einer kleinen Gemeinde und hier wird viel dafür getan, dass das gesellschaftlich Leben aufrecht erhalten wird. Das muss nicht jeden interessieren, aber es sollte sich jeder mal dafür interessieren, denn wenn von unseren Tradition nur noch ein Aschenhäufchen über bleibt, dann schreien alle nur noch, wie konnte sowas passieren? Und auch wenn man Jung ist, sollte einen dies interessieren, denn eines haben wir alle gemeinsam. Wir werden alle einmal älter.

 

Johann Wolfgang von Goethe rief ihnen einst in einem anderen Gedicht zu: »Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht mehr los!«

 

 

 

Anmerkung vom Autor Alexander Scheid: Ich würde mich freuen, wenn jetzt eine ernsthafte Diskussion beginnen würde, gerne auch in Klarnamen. Es gibt nichts zu befürchten, lediglich die Etikette …

 

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Kommentare: 10
  • #1

    Steffi (Freitag, 15 März 2019 09:35)

    Wahre Worte, aus diesem Grund habe ich dieses Jahr keine Karten mehr gekauft. In den letzten Jahren hab ich mich oft darüber geärgert dass ich von der Sitzung nicht allzu viel mitbekommen habe, aus genau diesen Gründen.

  • #2

    Isabelle (Freitag, 15 März 2019 09:48)

    Ja Steffi, das stimmt. Ich war dieses Jahr das erste Mal auf der 2. Sitzung und habe so gut wie kein Wort verstanden. Und wenn du mal über die Köpfe von oben stehend, hinweg gekuckt hast, hat man gesehen, dass ganz viele an ihrem Handy rumgespielt haben, sich unterhalten haben und alles mögliche gemacht haben, nur nicht den Akteuren zugehört haben. Einzig und allein was den gut abging, war wenn Stimmung mit Musik gemacht wurde.

  • #3

    Hilli (Freitag, 15 März 2019 10:27)

    Ich war zwar nicht dort,habe aber davon gehört,ich finde es ganz schlimm und Respekt los,und das mit den Handys ganz schlimm, jeder muß sofort Posten wo er ist,und das sind nicht nur die Jungen. IRGENDWANN gibt es keine Sitzungen mehr, und das wäre sehr schade,die Oberthal er sind schon sehr gut,aber Respekt das wissen die meisten nicht mehr was das ist

  • #4

    Ed (Freitag, 15 März 2019 11:49)

    Als ich an diesem Abend in die Gesichter mancher Akteure geguckt habe, konnte man nur noch Ratlosigkeit und Verzweiflung erkennen. Das hat nichts mehr mit einer Gala-Prunksitzung zu tun. Nur noch Palaver und Party.

  • #5

    Elmar Kelkel (Freitag, 15 März 2019)

    Wir waren auf der 2. Veranstaltung, konnten uns allerdings erst spät die Karten kaufen, was dazu führte, dass wir ziemlich hinten gesessen haben. Als Vereinsmensch weiß ich wieviel Arbeit, Energie und Leidenschaft die Helfer, Akteure, der Vorstand, einfach Alle in eine solche Veranstaltung stecken, um hier den Zuschauern einen unterhaltsamen Abend zu bieten. Auch wir waren von lauten, grölenden und schon zu Beginn der Veranstaltung mehr als angeheiterten Gästen umgeben, was dazu führte, dass wir schon die ersten Darbietungen kaum mitbekommen haben. Da auch die Natur Ihren Lauf genommen hat, gab es zudem ein ständiges Auf und Ab zu und von den Toiletten und ein Tür Auf und Tür Zu. Zum Glück konnten wir uns noch umsetzen, was das Ganze etwas erträglicher gemacht hat. Mit unserer Tochter waren wir auf der Kinderkappensitzung, die voll besucht einen erheblich niedrigeren Lautstärkepegel aufzuweisen hatte. Ein solches Verhalten ist nicht nur Respektlos gegenüber dem Veranstalter, sondern auch gegenüber den anderen Besuchern. Schlimm auch, auf Ihre Lautstärke und Verhalten angesprochen, statt Einsicht eher Aggression aufgekommen ist. Dem OCV von meiner Seite aber ein herzliches Dankeschön und nicht entmutigen lassen. Die Besucherzahlen geben euch auf jeden Fall Recht.

  • #6

    Möller Werner Bliesen (Freitag, 15 März 2019 12:19)

    Meine Frau Annette war auf der ersten Sitzung, als ich sie abholte erzählte sie mir das es so laut war man hat so gut wie nichts verstanden, ich würde Saalordner einführen die für Ruhe sorgen , aber meiner Frau hat es trotzdem gefallen! Gruß Annette und Werner!
    Sie kommt nächstes Jahr wieder!

  • #7

    Maria.H (Freitag, 15 März 2019 14:05)

    Wir waren zur ersten Sitzung und es war sehr schön .. etwas laut z Unruhe in den hinteren Reihen aber das störte nicht sonderlich.. für die zweite Sitzung tut es mir sehr leid ,denn die Akteure haben solch eine Respektlosigkeit und Ignoranz nicht verdient.

  • #8

    Isabelle (Freitag, 15 März 2019 14:14)

    Ha Ha Ha, ich muss meinen Cousin Werner Möller, korrigieren. Werner, deine Frau war auf der 2. Sitzung......

  • #9

    Birgit Bauer (Freitag, 15 März 2019 19:01)

    Da ich selbst jahrelang auf der Fastnachtsbühne gestanden habe weiß ich wie es ist wenn man als Akteur dort steht und dann schlichtweg ignoriert wird. Jeder der dort steht gibt sein bestes. Ich denke die Leute die so stören sollte man mal fragen wie sie es empfinden würden wenn nach Wochen- oder sogar Monatelangem Üben die meisten im Publikum gar kein Interesse haben es zu honorieren. Das schönste für einen Akteur ist der Applaus für das was er darbringt . Gute Stimmung ist okay aber keine störende . Was du nicht willst was man dir tut das füg auch keinem anderen zu- ist immer noch zeitgemäß

  • #10

    Möller Werner Bliesen (Samstag, 16 März 2019 12:12)

    Stimmt. es war die 2. Sitzung!!!!!