Mut und Respekt - Oder warum ein Messer bei ner Schießerei auch nicht wirklich hilfreich sein wird ...

Gemeinde Oberthal

A-Jugend IKK Saarlandpokal Achtelfinale 

JSG Saar-Nord : SV 07 Elversberg 0:21

Am 12.3.19 stand die A-Jugend der Jugend-Spiel-Gemeinschaft, zu der auch die Jungs der Sportfreunde Güdesweiler zählen, 

 

vor einer gigantischen Aufgabe. Bis ins Achtelfinale des Saarlandpokals hatten es die Jungs von Thomas Welker aus Wolfersweiler geschafft. In der Runde 1 hatten sie quasi ein Freilos, da die Gegner von der JSG Saarpfalz nicht angetreten sind. In Runde 2 setzten sie sich schlussendlich im Elfmeterschießen mit 3:1 durch gegen die SG Theeltal.

Und so war man praktisch schon im Achtelfinale des IKK Cup angekommen. Nun aber kommen die harten Brocken dazu. Und einen der härtesten Brocken sind nun mal die Jungs des SV Elversberg. Im letzten Jahr aus der A-Jugend Bundesliga abgestiegen und derzeit in der Regionalliga aktiv, belegen Sie dort Platz 2, direkt hinter der Auswahl des 1.FCS.

Und so trafen zwei Welten aufeinander. Zusammengefasst würde die Sportbild es wohl so beschreiben: »Kurzfristig mussten die Veranstalter den grippegeschwächten Vladimir Klitschko im Kampf gegen Mike Tyson durch Philipp Lahm ersetzen.« Leider zu kurz und ungerecht.

In der Jugend eines Nachwuchsleistungszentrum wird nicht mehr gekleckert, auch nicht geklotzt, hier mit feiner Klinge geschliffen und mit edlem Tuch poliert. Und gleich von Beginn an zeigten die Jungs von der Kaiserlinde wie der Fußball des 21. Jahrhundert auch in der Provinz gespielt werden muss.

Hier stand ein Kollektiv auf dem Rasen, nicht wie Einst, als noch Elf Freunde notwendig waren um Siege zu erringen, wo Kampf und Einsatz, die Tugenden des Spiels waren, wobei beide Attribute weiterhin zur Grundausstattung dieser Mannschaft gehören. Nur empfindet man diesen Einsatz und Kampf nicht mehr als solchen im eigentümlichen Sinn, weil er leichtfüßig daherkommt und sich nicht mehr brachial durchsetzt.

 

Von Beginn an gab es für den SVE nur eine Marschrichtung und diesem Weg zu verlassen, war nicht vorgesehen in der Spielidee. Wie am Faden gezogen tanzte das Bällchen von Mann zu Mann. Die Ballannahme war nur in den seltensten Fällen überhaupt notwendig, sie ging einher mit dem direkten Zuspiel, ob diagonal oder vertikal, in den Lauf und Fuß des Mitspielers.

 

V.l.n.r.: Unser Spielausschuss Philipp Simon (stv.) & Alfred Erfurt | Unsere SFG-A-Jugendspieler Sandro Valentin, Elias Jochum (Kapitän) & Julian Müller | Vizepräsident Alexander Scheid
V.l.n.r.: Unser Spielausschuss Philipp Simon (stv.) & Alfred Erfurt | Unsere SFG-A-Jugendspieler Sandro Valentin, Elias Jochum (Kapitän) & Julian Müller | Vizepräsident Alexander Scheid

 

Kaum mehr existent sind auch die Trippler, die Schöngeister, die das Eins zu Eins nahezu sehnlichst suchen, auch auf die Gefahr hin, das Duell zu verlieren. Hier ist jeder edeltechnisch versiert und in der Lage den Pass in die Schnittstelle zu spielen, ebenso jeder in der Lage den Weg zu gehen und entsprechend zu vollenden.

Selbst in Fragen der Cleverness findet hier jeder eine entsprechende Antwort. Nahezu eine jugendliche Vollkommenheit in Theorie und Praxis. Besonders auffällig ist zudem auch, dass verbale Attacken nahezu nicht mehr zu vernehmen sind, wohl auch weil sie konzeptionell sanktionier werden.

Dem gegenüber steht der Jugendfußball unserer Breitengrade, der nur noch stattfinden kann, weil, wie in unserem Fall gleich zwei Spielgemeinschaften zusammen nur noch eine Auswahl stellen können. Nicht einfach für die Jungs, die einmal die Zukunft unserer Aktiven sein werden.

Gleich neun Vereine (Güdesweiler, Nohfelden, Steinberg-Deckenhardt, Namborn, Wolfersweiler, Gehweiler, Hirstein, Mosberg-Richweiler und Walhausen) in der SG Saar-Nord zusammengefasst, kooperieren mit vier weiteren Clubs (Oberkirchen, Freisen, Reitscheid und Grügelborn), die unter der SG Freisen antritt, um überhaupt noch ein Team auf den Rasen zu schicken.

Keine wirklich guten Voraussetzungen. Wohl aber irgendwie auch unabwendbar. Der demographische Wandel diktiert vor allem im Norden des Saarlandes das Handeln. Und so darf es uns auch nicht verwundern, dass wir in 90 Minuten einundzwanzig Gegentreffer zu verzeichnen hatten.

Aber diese Tatsache bitte nicht gleichsetzen mit einem Schlachtfest zur Kirmeszeit. Hier eröffnete nicht eine Schießbude den fröhlichen Reigen und es folgten auch keine willigen Lämmer dem Schlachter. Hier musste sich David dem Goliath ohne Steinschleuder stellen und unsere Jungs gingen couragiert zu Werke.

Zu keiner Zeit war zu beobachten, dass sie sich nicht wehren wollten, sie kämpften, stellten stets den Körper rein, suchten die Duelle bei hohen Bällen und wollten nie nur die Stange für den Slalom sein, aber trotz erkennbarer Qualität, war der Gegner einfach zu übermächtig.

 

Auch den gut 200, überwiegend heimischen Zuschauern, war dies stets bewusst, aber es galt heute einfach nur unseren Jungs Respekt zu zollen und Unterstützung zu demonstrieren. Bleibt zum Troste, dass vielleicht der ein oder andere der Elversberg mal ein ganz Großer wird und man später einmal am Tresen die Geschichte erzählen kann, dass man mal gegen Den oder Den gespielt hat.

 

Text: Alex Scheid

 

 

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