Mit Fellmütze und Moonboots zum Frühjahrsempfang des Güdesweiler Ortsvorsteher Timo Backes

Gemeinde Oberthal

Um der allgemeinen Terminnot in den ersten Wochen eines neuen Jahres zu entgehen - so man politisch oder gesellschaftlich aktiver Protagonist ist - greift der, noch immer neue und junge, Güdesweiler Ortsvorsteher Timo Backes zu einem einfachen Trick. Statt an 

 

kalten, teils verregneten und von aufziehender Dunkelheit geprägten Januar-Abenden, die Verantwortlichen der dörflichen Vereine, Verbände und natürlich die politischen Würdenträger, zum Stell-Dich-Ein zu bitten, weicht er, nach alter und bewährter Gombacher Art, einfach ins Frühjahr aus. 

 

Nun konnte wirklich keiner damit rechnen, dass sich ausgerechnet in der ersten Wochen im April, das Wetter so verhält wie eine launische Diva. Und so war während dem offiziellen Teil der Veranstaltung das häufigste zu hörende Geräusch das klappern der Zähne. Vorsorglich erschienen einige Gäste auch gleich mit in Angoraunterwäsche, mit dem Handwärmer im Boochsesagg oder mit doppelten Socken, dick gefütterten Mondstiefeln oder auch gleich im veganfreien Pelzmantel.

 

Nach der medizinischen Erstversorgung mit Eifeler Quellwasser, teils mit Blubber, teils mit Hopfenbeigaben, ergriff ein bestens gelaunter und werdender Vater voller Stolz zum Mikrophone und versorgte seine Mitbürger und selbstverständlich auch seine Mitbürgerinnen mit Zahlen, Daten und Fakten.

 

 

Zum einen sind Zahlen, Daten und Fakten ja nüchtern betrachtet, einfach nur Zahlen, Daten und Fakten. Tiefgreifend jedoch spiegeln sie das reale Leben eines Dorfes wieder. Wie und wohin entwickeln wir uns und was und wo kann, ja muss getan werden, um dies zu beeinflussen, es jedenfalls zu versuchen. Und so können wir die letzten seiner Worte gleich vorweg nennen. Der Ortsvorsteher zitierte keinen geringeren als den ehemaligen US-Präsident John Fitzgerald Kennedy: »Einen Vorsprung im Leben hat, wer da anpackt, wo die anderen erstmal reden«.

 

 

 

Angepackt wurde und wird in Güdesweiler. Und dies stellte Timo Backes deutlich heraus. Nachdem der Pensionärsverein sich schon vor Jahren in den Ruhestand begab, sorgte der leider viel zu früh verstorbene Rudi Scheid, vor einigen Jahren dafür, die Senioren im Dorf wieder zu aktivieren. Beginnend mit der Neudefinition des Begriffs sorgte er dafür, dass der Club außerordentlich aktiv viele neue Wege ging und omnipräsent eine wichtige Rolle im Dorf eingenommen hat.

 

Mit seinem Ableben befürchteten viele, dass dieses Erbe nicht weiter fortgesetzt werden würde. Doch nun fand der Club mit Gerd Rausch einen neuen Vorsitzenden, dem große Fußstapfen bevorstehenden, er sich aber sicher sein kann, dass unser Dorf ihn tatkräftig unterstützen wird. Das jedenfalls versicherte ihm unser Ortsvorsteher und zählt damit auch auf die Unterstützung seiner Mitbewohner. 

 

Überaus erfreut dürfen die Hammelbacher Bürger sein, dass sie nun Teil eines philosophischen Forschungsprojektes sind. Die Fakultät des Saarlandes erforscht unseren heimatlichen Dialekt und voraussichtlich gibt es bald sogar eine eigene Dudenausgabe »Gilleswellerisch - Deutsch | Deutsch - Gilleswellerisch«. Wir verfolgen mit Spannung diese Entwicklung und freuen uns schon auf zukünftige Sprachkurse an der Wildfrauhöhle mit den Referenten Dr. Lisa Will und Prof. Annelie Fries, wenn es um die hypothetische Betrachtung des Dibbelabbes in Verbindung mit Horrischen und Äbbelschmeer geht. 

 

Wie bereits im vergangenen Jahr fand der Empfang am Hämmelheim statt. Im letzten Jahr noch ein Projekt, fanden sich die Besucher in diesem Jahr unter der neuen Überdachung ein, die Dank eine Crowfunding (Schwarmfinanzierung) Kampagne, realisiert werden konnte. Das Ergebnis beeindruckt. 

 

 

Weiterhin bedankte sich Timo Backes bei allen freiwilligen Helfern, die an vielen Stellen - auch unaufgefordert - anpacken und dafür sorgen, dass das Bild des Dorfes keinen Schaden nimmt. Ständig müssen Bänke, Schilder, das Ehrenmal, der Pilgerweg, diverse Wegmarkierungen oder -Kreuze erneuert oder restauriert werden. 

 

 

Einsatz über das ganze Jahr hinweg.

 

1.213 ist die magische Zahl des Jahres. Die unterteilt sich in 609 weibliche und 604 männliche Bewohner des schönsten Ortes der Welt. Bislang ist nicht bekannt, ob auch das unbestimmte Geschlecht bereits im Dorfe lebt, jedenfalls benötigen wir noch keine dritte Toilette im Kindergarten. Immerhin aber lebten 2018 neun Einwohner mehr an der Gombach.

 

11 Mädels und Jungs wurden geboren. 12 Männer und Frauen haben uns für immer verlassen. 65 Bürger*innen kehrten uns, aus vollkommen unverständlichen Gründen den Rücken, während 75 Neue, verständlicherweise,  den Weg zu uns fanden. 

 

Auch das Thema Bebauung, Leerstände, Baugrundstücke und Perspektiven war ein Thema, dem wir uns aber in einem gesonderten Bericht widmen möchten. Dann war unser Bürgermeister an der Reihe, der in gewohnt lässiger Manier souverän das Pass-Spiel des Ortsvorstehers erwiderte und ihm zusagte, immer eine offene Tür zu haben, wenn es um dieses Themen geht.

 

Dann aber drang der herzhafte Duft gebratener Würste immer deutlicher in die Nasen der rund 75 Anwesenden und so endete der offizielle Teil mit einer sprachlichen Kreation unserer angelsächsischen Nachbarn, die derzeit mit ihrem Schicksal hadern und die EU verlassen möchten. 

 

Wir kennen den Zinnober unter dem Begriff Brexit. Als Substantiv maskuliner Art beschreibt es den nominativen Act, das austreten, das verlassen. In seiner Flexion jedoch, deutet es neuerdings inhaltlich auf ein, auch hierzulande bekanntes Phänomen hin. To Brexit, also das ankündigen eine Party zu verlassen, um dann doch noch zu bleiben.

 

Und so blieben, trotz sibirisch anmutender Kälte, viele Gäste und Gästinnen auch noch eine Weile, obwohl sie sich bereits mehrfach verabschiedet haben. Insofern handelt es sich hier keineswegs um eine Erfindung der Engländer. Eindeutig kann hier das Saarland ein historisch fundiertes Recht einfordern, den Begriff geprägt zu haben. 

 

 

Mal sehen, wie die, bereits erwähnten Professorinnen Will & Fries, als gelehrte Dialektiker für Gilleswellerisch, demnächst in ihrer Dogdaarbeit darüber philosophieren. Uns bleibt noch Zeit einen Dank an unseren Ortsvorsteher auszusprechen, der in seiner kurzen Zeit für viel Bewegung im Dorf gesorgt hat. Weiter so ... 

 

Text: Alexander Scheid

 

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Kommentare: 2
  • #1

    JuStDe (Donnerstag, 11 April 2019 00:39)

    ....und beim nächsten Mal zeigen wir euch, wie man aus einer alten Kartoffelkisten ein Rednerpult bastelt.

  • #2

    Mia (Donnerstag, 11 April 2019 08:03)

    Hi Alexander,
    Dein Kommentar , wie immer herzerfrischend, aber auch sehr informativ, was Güdesweiler betrifft! �