Von milden und rauchigen Abgängen im Groniger Sportheim

Gemeinde Oberthal

Damit sind nun nicht die Neuzugänge und Abgänge des FC Gronig gemeint, sondern ein Whisky-Tasting  im selbigen Ort. Ist Whisky, die erdigste aller Spirituosen, eigentlich ein Männerding? Und trübt Wasser

 

 wirklich den Genuss? Das werden wir noch klären. Treffpunkt der feinen Geister war schon vorletzten Samstagabend im Groniger Sportheim, organisiert von den Experten der roten Whiskyfraktion, aus den vorderen Reihen, dem 1. Vorsitzenden Uwe Schäfer in Zusammenarbeit mit Jochen Müller, der Infos über die auserwählten Sorten gab und somit den Grundstein für den Einstieg oder sofortigen Ausstieg für Whiskyanfänger legte. 

 

Dabei standen im Mittelpunkt des geschehens 6 auserwählte hochprozentige Whiskysorten, von denen Frau noch nie was gehört, gesehen, geschweige denn, je verköstigt hatte. Das sollte sich aber an diesem Abend noch ändern. Zuvor gab es erst einmal ein tolles irisches Gericht namens ,,Guinness Pie",  zubereitet von Uwes Frau Andrea, dass zur Stärkung diente, bevor die Palette schottischer Single Malts auf den Tisch landete.

 

Beim ersten Tasting des Lebens ging es darum wie denn nun der Whisky so schmeckt. Hat er einen torfigen, einen holzigen, blumigen oder gar rauchigen Geschmack. Wie sieht er farblich aus, klar, honigfarben, golden oder dunkel. Solange man nicht gänzlich farbenblind ist, dürfte das die leichtere Variante gewesen sein. Aber beim Geschmack scheiden sich die Geister bekanntlich. Und nachdem die ganze Männerschar, allesamt auserwählte Meister ihres Faches, kräftig mit den Hufen scharrten und es kaum erwarten konnten, landete der erste Whisky des abends, der Singleton endlich auf dem Tisch. 

 

Wohl etwas zu süßlich und verhalten im Geschmack kam dieser bei der Beurteilung nicht ganz so gut weg, blühte man aber beim Dalmore hingegen gänzlich auf. Von Jägermeister gesponsert, mit 40% Alkohol, mit den  lauten Worten: ,,Trink zwei, dann hast du 80, gehaltvoll und caramellig im Geschmack, gewann die Fraktion nebenan ab jetzt mehr und mehr an Fahrt und raunte lustvoll durch den Saal ein ,,mm, aah und oh", welches eine deutliche Steigerung purer Lebensfreude zum Ausdruck brachte, das uns bis zum Schluss bei jeder weiteren Whiskysorte begleiten sollte.

 

Was für die Männerwelt einen mega, spektakulären und beeindruckenden Abgang bedeutete, hieß für die Frau erstmal: Geschmack nicht definierbar, gleichzeitig gepaart, nach Luft schnappend, mit einem qualvollen kratzigen Abgang aus Nase und Ohren. Zuerst einmal..... 

 

 

Denn genau wie Zahlen, Autos oder blaue Zahnbürsten, bei einem Blindverkosten, laut Studie, ordneten weibliche Teilnehmer einen Whisky, den sie noch nie getrunken hatten, treffsicherer seiner Beschreibung zu als Männer. Das liegt wohl daran, dass die Männer unter größerem Druck stehen, die richtige Antwort zu geben, wohin gegen Frauen einfach schmecken. So war es dann auch beim Auchentoshan, ein schottischer Whisky aus den Lowlands mit Dreifachdestillation, in speziellen Fässern gelagert. 

 

Rief die Frau nun als erstes spontan heraus, dieser besondere Whisky schmeckt nach Holz, schlug einem zugleich ohrenbetäubendes Gelächter der Männerwelt entgegen, dass weit über den Groniger Sportplatz hallte: Man hätte dies gerade eben wohl mal irgendwo abgelesen. Werte Männerwelt, wie schon erwähnt, haben Frauen auch einen Geschmack. Mit dem Isle of Jura, wurde der Geschmack langsam ab sicher rauchiger und die Geschmacksnerven der Frau schon arg strapaziert.

 

Und gar beim nächsten Bowmore-Whisky der sehr, aber wirklich sehr rauchig schmeckte und der torfige Geschmack sich erst später meldete, nicht stunden später aber sekunden später und der schon stark im Halse kratzte, rief einer in den Raum hinein: ,,Der schmeckt awwer net so stramm". Spätestens dann war klar wie klar dieses Sprichwort wortwörtlich  ,,Hier scheiden sich die Geschmacksgeister", zu nehmen ist. Ob hier der Abgang bei aller Strammheit,  länger oder kürzer war, vermag die Frau nicht mehr zu sagen, da sie eh keinen Nachhall spürte. Ob Abgang, Nachklang, Nachgeschmack oder Nachhall, hier tun sich Abgründe unterschiedlichen Verständnisses auf.  

 

Eigentlich gibt es keine richtige oder falsche Art wie man seinen Whisky trinkt. Pur oder verdünnt. Die Schotten jedenfalls verdünnen meistens ihr Getränk mit frischen Quellwasser aus der heimischen Gegend. Wie wärs beim nächsten Mal mit frischem Quellwasser vom Momberg......

 

 

 Nach einem weiteren Tasting des Highland Parks mit überraschend kurzen Abgang, durfte man an diesem Abend auch Groniger Neubürger begrüßen, die zum Teil schon 10 Jahre im Ort leben und so gut wie noch nie gesichtet wurden. Für Groniger Verhältnisse war das so, als ob sie erst letzte Woche zugezogen wären. Dabei handelt es sich um Marco und Thomas. Ob die Roten am Ende des abends die Neubürger für sich gewinnen konnten, ist der Redaktion nicht bekannt. 

 

Und noch einer ließ sich an diesem Abend im Sportheim blicken, der berühmte Kettensägekünstler aus Bliesen, der kein Bliesener mehr ist, dafür aber zum Groniger Volk mutierte und sich hier im zweit schönsten Dorf der Gemeinde niederließ, Andrej Löschel mit Freunden aus Ravensburg und Heidelberg, dem der Whisky nicht rauchig genug sein konnte.

 

Und zum Schluss kam der Abend wie er kommen musste. Dass der schottische Bowmore-Whisky es in sich hatte und auch gerne mal rauchig aus dem Glase springt, wusste bisher noch niemand. Dass das so ist, bewies die Fraktion im Rausch von galanten Schwenkmanöver, mit einem extra speziellen Whisky-Tumbler, übermütig in einer Phase des abganges, hüpfend und unbemerkt aus dem Glase springend mit Schwung auf die frisch gewaschene Jeans. Spätestens dann sollte man aber auch wirklich den Abgang machen und das freie Trinken hiermit eröffnen. Wie es danach noch weiterging, blieb bisher unbekannt.....

 

Hier noch das Rezept vom Guinness Pie:

Für 6-8 Personen braucht man:

- 2 kg Rindergulasch
- 1 kg Champignons
- 500 g Möhren
- 500 g Lauch
- 500 g Zwiebeln
- 250 g Stangensellerie
- 3 Knoblauchzehen
- 2 getrocknete Chillischoten
- 4 Lorbeerblätter
- jeweils einige Pfefferkörner, Pimentkörner und Wachholderbeeren
- jeweils 2 EL getrockneten Majoran und Thymian
- 2 EL Tomatenmark
- 1 Liter Guinness
- 500 ml Rinderbrühe

Kartoffelpüree aus 1 kg mehlig kochender Kartoffeln mit 100 g Butter und 200 ml heißer Milch, gewürzt mit Meerrettich, Senf, Muskat, Pfeffer und Salz nach Geschmack.

 

Die Gulaschwürfel leicht salzen und im Bräter anbraten, danach herausnehmen. Im Bratfett die gewürfelten Gemüse 5 - 10 Minuten andünsten, Tomatenmark hinzufügen und anrösten, Gewürze dazu geben, mit Guinness und Brühe auffüllen, zugedeckt 1 Stunde köcheln lassen und Deckel abnehmen. Weiter köcheln lassen, bis das Fleisch weich ist (eventuell noch etwas Brühe oder Wasser angießen). Kartoffelpüree zubereiten und auf dem Fleisch verteilen. Im Backofen bei 200 Grad ca 30 Minuten bräunen lassen.

Bilder: I.Möller/T.Andres

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 8
  • #1

    Uwe Schäfer (Montag, 13 Mai 2019 08:32)

    Liebe Isabelle, ja, der Bowmore ist rauchig und ein wenig torfig, aber Du solltest erstmal den Ardbeg probieren. Vielleicht das nächste Mal? Das ist mit Sicherheit noch in diesem Jahr. Alle Teilnehmer wollen das gerne wiederholen. Wenn Du dann wieder ins schönste Dorf der Gemeinde kommst, zieh bitte eine Jeans an, die gerade zum Waschen ansteht. Die Groniger Neubürger sind beim nächsten Mal auch wieder dabei. Wie es später weiter ging? Nun, heiter bis lustig. Der ein oder andere Whisky wurde noch gezwitschert. Gegen fünf Uhr übernahmen dann die ersten Vöglein das Zwitschern, und wir machten uns auf den Heimweg. Mein Plan, den Guinness Pie am nächsten Tag aufzuwärmen, ist leider gescheitert. Alles aufgegessen.

  • #2

    Hilli (Montag, 13 Mai 2019 18:30)

    Isa ,als Testperson, hast du gut gemacht, für nix zu schade,super

  • #3

    Isa (Montag, 13 Mai 2019 19:44)

    Hilli, hat soviel Spass gemacht, dass ich auch beim nächsten Tasting dabei bin....

  • #4

    Maltmaster (Montag, 13 Mai 2019 19:47)

    Warum den Highland Park nach dem Bowmore?

    Da schmeckt man den doch nicht mehr richtig.

  • #5

    Möller Werner Bliesen (Dienstag, 14 Mai 2019 14:11)

    Hallo Isabelle, verträgst du überhaupt Alkohol, früher war bei 2 richtigen Bier doch oft Ende im Gelände........................... Gruß Werner.

  • #6

    Hilli (Dienstag, 14 Mai 2019 16:07)

    Frau wächst mit ihren Aufgaben,können aber nur wir,

  • #7

    Uwe Schäfer (Dienstag, 14 Mai 2019 17:38)

    @Maltmaster: Stimmt schon. Aber wir hatten genügend Matzen und Wasser zum Neutralisieren und es lag noch genügend Zeit dazwischen. Wir sind sozusagen geographisch ein wenig in einer Schleife von Süden nach Norden gewandert. Aber versprochen: Wenn die richtigen "strongly flavoured whiskies" verkostet werden, beherzigen wir gerne den Ratschlag.

  • #8

    Thomas Andres (Dienstag, 14 Mai 2019 19:43)

    War echt super. Bitte mich schon mal vormerken fürs nächste mal bevor alle Plätze vergeben sind.