Konzerthinweis - Warum man am Donnerstag auf den Oberthaler Rathausplatz kommen sollte

Gemeinde Oberthal

Ja, vielleicht könnte die Gemeinde nach dem Konzert tatsächlich auf die Idee kommen, nach diesem Musiker, geboren und aufgewachsen im Oberthaler Bann, eine neue Straße zu benennen. Die Elm Street. Denn was Elmar Federkeil

 

am Donnerstag, den 22.8,19 auf dem Rathausplatz präsentieren wird, können wir vorab schon als einen Hochgenuss großartiger Musik anpreisen. Aber wird die Jugend davon Notiz nehmen? Die Prognose mag gewagt sein, jedoch entbehrt sie sicher nicht der Unkenntnis selbiger.

 

Bevor ich in Tiraden zum Maulen übergehe und alles jugendwahnliche verdamme und den Zeitgeist in die Flasche zurück wünsche, fröne ich der Großartigkeit der Musik, die Elmar am Donnerstag spielen wird und warum es sich lohnen wird, den Abend zu besuchen.

 

Fangen wir mit dem Wesentlichen an. Was die Kulturfreunde im Rathaus kuratieren, darf man, nein muss man, in hohen Tönen loben. Selbst wenn Moll gespielt wird, steht Dur im Mittelpunkt.

 

Und jetzt haben sie mit Elm F. & the Rooks ein Trio ganz besonderer Qualität verpflichtet. Ein Owerdahler Bub hat sich zu einem der gefragtesten Musiker der südwestdeutschen Szene entwickelt. Dafür lernte er sogar bei den ganz Großen. In Los Angeles studierte er am P.I.T. unter anderem beim legendären TOTO-Schlagzeuger Jeff Pocaro oder der Jazzlegende Adam Nussbaum.

 

Wenn am Donnerstag bekannte Songs der Rock-, Pop- und Jazzgeschichte erklingen, wird vor allem ein Aspekt den Abend dominieren. Es wird grooven. Ganz egal ob die Nummern im Stile des Bossa Nova (deren wohl berühmtester Vertreter João Gilberto dieser Tage von uns gegangen ist) oder im hippen Style des Club-Jazz. Natürlich wird auch der Reggae nicht fehlen.

 

Das Trio allein verfügt schon über grandiose Stimmen, zusätzlich kommt aber noch eine echte schwarze Soul-Stimme, Donniele Graves aus den USA, dazu. Das alles verspricht viel und hält weit mehr. Wie viele schwarze Sänger/innen kommt Donniele aus dem Gospel, nicht zu verwechseln mit den Kirchenchören unserer Breitengrade, denn diese Musik hat weniger mit dem uns bekannten Sakralen zu tun.

 

In der afroamerikanischen Variante, der zu Beginn auch das christliche Evangelium zu Grunde lag, verschmelzen jedoch viele musikalische Aspekte, wie Blues und Jazz ineinander. Und damit natürlich auch die Improvisation, was bei »Großer Gott wir loben dich« sicherlich den frommen Besucher verwirren würde.

 

Obwohl, beim Te Deum fühlt sich der ein oder andere Kirchenbesucher besonders berufen, seinem Gesang freien Lauf zu lassen. Auch dies könnte man ggf. als improvisatorische Gabe interpretieren, aber das könnte nun wirklich zu weit gehen.

 

Da ich mir ziemlich sicher bin, dass das Publikum weitgehend schon leicht ergraut sein wird, bedarf es kaum weiterer Motivation. Ihr werdet da sein! Ihr werdet diesen Abend, der alle Bewohner der Gemeinde zusammenführen wird, genießen, einen leckeren Wein dazu oder auch ein eiskaltes Bier und danach freudvoll den Heimweg antreten. Vielleicht noch mit dem Zeilen von »Walking in Memphis« auf den Lippen summend und die Gattin im Arm haltend. Keine falsche Scheu also! Es darf getanzt werden.

 

Drum ein Appell an die Jugend! Schaut Euch dieses Konzert an! Ihr werdet es nicht bereuen. Wenn Ihr die Songs auch nicht kennen solltet, so werdet Ihr sie aber in guter Erinnerung bewahren, weil sie eindringlich sind, begeistern und weit ab vom aktuellen Mainstream facettenreich interpretiert werden.

 

So, und jetzt zu Euch, die schon vorab naserümpfend fragend, was dass denn sein soll?

Mag man sich umhören, was heutzutage so alles als Musik bezeichnet und gehört wird - ohne sich zu auch noch zu fragen, was davon schlimmer ist - so schaudert es den Frühgeborenen. Natürlich ist das auch ungerecht, aber was ist schon fair. Meist noch nicht mal der Kaffee, der unter diesem Label gehandelt wird, was aber ein andere Geschichte ist.

 

Die eben benannten Spätgeborene, also meine Generation plus, wurde früher auch schon dem Frevel verdächtigt, auch von jenen, die damals die Spätgeborenen waren und dieser Trend hat auch eine gewissen Tradition. Die ganz Alten werden sogar noch erzählen können, wie es war als die Beatmusik eine ganze Generation verseuchte. Zu Zeiten, als ein halbbedeckter Busen noch für einen Untersuchungsausschuss im Bundestag taugte.

 

Der große Unterschied zur aktuellen Kritik war jedoch, dass diese Musik zumindest noch handgemacht war. Keine Frage, ich schere nicht alles über den einen verfilzten Kamm, denn auch heute wird noch immer gute Musik gemacht. Sie wird nur immer seltener. Auch wir hatten grandiosen Schund zu verantworten, weshalb ich mich hier an dieser Stelle und im Namen aller für Modern Talking auch eindringlich entschuldigen möchte.

 

Nehmen wir das Phänomen der sogenannten Mallorcamusik. Ein Tempo bestimmt eine Richtung. Gerade noch so langsam, dass man nüchtern nicht auch noch vom Stehtisch fällt, jedoch so temporeich, dass die Faust stets dem Takt standhält, der ein vorzeitiges Erschlaffen nur kurzzeitig verhindert, weil Mann - und furchtbarerweise Frau auch - zwischenzeitlich den Texten solcher geistreicher Poeten, wie Icke Hüftgold oder Peter Wackel folgen müssen. In diesen geht es in der Regel um das Gleiche was man auf Malle, bzw. am Ballermann auch tun will. Fressen, saufen und kopulieren.

 

Auf der anderen Seite steht der Hip-Hop und Rap. Vollgepackt mit Sauereien jedweder Art, gern von frauenverachtender Art und bestückt mit einem Beat und nur noch Drum and Bass als Werkzeug. Ein DJ-Set ist kein Instrument. Zwei Regler wahlweise hin und her zu schieben macht niemanden zu einem Musiker. Dazu tanzen geht lediglich noch mit einer Bewegung des Arms, angewinkelt von unten nach oben im Tempo zuckelnd, als würde man einer Darmspiegelung beiwohnen und dabei den Bandwurm entfernen.

Beschimpft mich wegen meiner kritischen Art, aber Mädels und Jungs, Musik ist mehr als nur Party mit Geräuschen, damit der Alkohol flüssiger fließt. Also, lasst Eure Miami-Sound-Boller-Boller-Bäng-Bäng-Maschine mal am Stecker hängen, entspannt Euch, zieht Euch ein Hemd an und macht Euch auf zum Rathausplatz in Oberthal. Dieser Abend wird Euren musikalischen Horizont sicher nicht erschüttern.

 

Elm F. & the Rooks feat.: Donniele Graves (USA)
Donniele Graves (USA) - Gesang
Kai Werth (Mainz) - Fender Rhodes e-piano/Gesang
Andrew Lauer (Ansbach/Nürnberg) - Bass/Gesang
Elmar Federkeil - (Oberthal) - Schlagzeug/Gesang

 

 

Text: Alexander Scheid

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Hilli (Mittwoch, 10 Juli 2019 16:40)

    Alex,wie immer toll geschriebenauf den Punkt gebracht.

  • #2

    Dart Hans (Mittwoch, 10 Juli 2019 23:58)

    Genial geschrieben wir immer