Pilgerbericht von einem Owwerdähler Mäde Teil 3 und Teil 4

Gemeinde Oberthal

Die Vorbereitung

 

 

Zuerst die Klärung der wichtigsten Frauenfrage. Was ziehe ich an und was nehme ich sonst noch mit? Hier durfte ich von der jahrelangen Radreise-Erfahrung eines Freundes profitieren, der mir bei der Zusammenstellung aller wichtigen 

Teil 1:

 https://www.saar-heimat.de/2019/09/02/jakobsweg-pilgerbericht-von-einem-owwerd%C3%A4hler-m%C3%A4de/

 

Teil 2:

https://www.saar-heimat.de/2019/09/06/pilgerbericht-von-einem-owwerd%C3%A4hler-m%C3%A4de-teil-2/

 

Dinge zur Seite stand. An dieser Stelle sei gesagt, weniger ist mehr! Zum Erwerb von Spanisch-Grundkenntnissen hatte ich schnell noch einen Anfängerkurs belegt, was sich als sehr nützlich herausstellte, denn in den abgelegenen Dörfern wird in der Tat nur Spanisch gesprochen. Um mich körperlich gut vorzubereiten, habe ich die Wanderstrecke an den Wochenenden ständig erhöht und nach einer gewissen Zeit um tägliche Spaziergänge unter der Woche  erweitert.

 

Mein Rucksack wurde ebenfalls in das Trainingsprogramm aufgenommen, und es kam, wie es kommen musste, unter der ungewohnten Belastung fingen die Füße,  ein paar Wochen vor Beginn meines Abenteuers, an zu schmerzen. Lösungsorientiert wie ich nun mal bin, besorgte ich mir Einlagen für die Wanderschuhe, was sich als fatal herausstellte.

 

Die Schmerzen wurden nur noch schlimmer. Eine gewisse Linderung wurde durch die Behandlung meiner Physiotherapeutin erzielt, die größte Hoffnung allerdings lag darin, dass sich die Verkrampfung mit dem Beginn der Wanderung lösen würde. Alles abzusagen oder zu verschieben kam mir nicht in den Sinn. Es würde schon alles gut werden.

Und wie stand es um meine seelische Vorbereitung? Ich wurde von vielen Menschen angesprochen, ob ich mir wirklich zutraue 1.000 km zu laufen? Ob ich keine Angst hätte alleine zu gehen? Meine Antwort war Nein, ich hatte keine Angst. Ich hatte von Anfang an ein tiefes, unerschütterliches Vertrauen in meinen Weg. Ich stellte mir diese Fragen überhaupt nicht, denn irgendwie wusste ich, dass alles gut gehen würde.

 

 

Unterwegs_01

 

Auch der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt, der von Freudentränen und Ergriffenheit begleitet wurde.

 

Am Anfang stand neben dem Wandern in der schönen Natur auch die Auseinandersetzung mit Druckstellen vom Rucksack, den Schmerzen an den Füßen und weiteren diversen Befindlichkeitsstörungen an. Und als wäre dies nicht schon genug, verschwand, in der ersten Pilgerherberge, in die ich eingekehrt war, auch noch meine Unterhose von der Wäscheleine und wenn man nur 2 mitgenommen hat, war das ein tragischer Verlust!

 

Mein erster Gedanke war: Wer, bitte schön, steckt fremde Unterwäsche ein? Die Lösung hierfür fand sich ein paar Herbergen später. Hier beobachtete ich, dass beim Eintreffen von Paaren in die Herberge das Waschen und Aufhängen der Kleidung häufig von der Frau und die Abnahme der trockenen Wäschestücke vom Partner übernommen wurde, hierbei kommt es wohl häufiger, speziell bei Wandersocken und Unterwäsche, zu Verwechselungen.

 

Mit dieser Erklärung konnte ich gut leben. Auch gelangte ich zu der Erkenntnis, dass es besser ist, nichts Essbares ungeschützt im Außennetz des Rucksacks zu transportieren, wenn man nicht als Transportmittel für Ameisen und sonstige kleine Lebewesen dienen möchte. Jetzt aber wieder zurück zu den Befindlichkeitsstörungen, da diese meine Routenplanung etwas verändern sollten, denn trotz guter Vorbereitung zu Hause stieß ich schneller als gedacht  an körperliche Grenzen.

 

So kam es, dass ich bereits gegen Ende des zweiten Tages stechende Schmerzen in der rechten Ferse spürte. Da sich äußerlich kein ersichtlicher Grund zeigte, klebte ich ein Blasenpflaster auf die schmerzende Stelle. Gut, dass ich schon nah an meinem Tagesziels war, das ich dann auch kurze Zeit später humpelnd erreichte. Die Via de la Plata hat, gerade am Anfang lange und  einsame Wegstrecken und am nächsten Tag sollte es knapp 30 km durch einen Nationalpark gehen. Sollte ich dies mit den Fußschmerzen wagen, nein, die Vernunft siegte und ich legte eine zweitägige Pause ein, denn Zeit hatte ich genug.

 

Allerdings sind 2 verregnete Tage, die ich alleine mit Schmerzen auf einem Zimmer verbrachte, auch nicht gerade einfach gewesen. Meine Stimmung sollte sich jedoch gegen Ende des 2. Tages schlagartig verbessern, denn neben spanischen Wortfetzen hörte ich auch meine vertraute Muttersprache im Aufenthaltsraum wieder. 

 

 

 

im Aufenthaltsraum wieder. Ich muss wohl über das ganze Gesicht gestrahlt haben, als ich Manfred, einen Rentner aus Berlin erblickte. Es war eine Wohltat sich wieder unterhalten und austauschen zu können. Da auch er mit körperlichen Problemen zu kämpfen hatte, entschlossen wir uns, ein Taxi zur nächsten Herberge zu teilen.

 

Bitte jetzt kein entsetztes Aufschreien, natürlich wollte ich die Strecke zu Fuß zurücklegen, aber  auf der anderen Seite hatte ich mir auch vorgenommen sehr sorgsam und achtsam zu sein. Zur Information aller sportlich ambitionierten Pilger unter Ihnen: nach diesen gefahrenen Kilometern habe ich alles in meinem Tempo und zu Fuß zurückgelegt.

 

An der nächsten Herberge angekommen, nutzten Manfred und ich die Zeit für ausführliche Gespräche. Es sollte sich im Laufe meiner Wanderung herausstellen, je kürzer ich die Wegstrecke wählte, desto intensiver und bereichernder waren die Begegnungen, die ich mit Mensch und Natur  hatte. Das war der Sinn des Weges, nicht die Summe der gelaufenen Kilometer.

 

 

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Hilli (Montag, 09 September 2019 10:02)

    Bring es als Buch heraus,so schön geschrieben.

  • #2

    Schdani (Dienstag, 10 September 2019 11:46)

    Verzeihung der Einwand: pilgern ist etwas genuin Christliches. Nach Santiago de Compostella pilgert man, um am Grab des hl. Apostels Jakobus zu beten, die hl. Eucharistie mitzufeiern, zu danken für die beschwerliche und dennoch gut gelungene "Reise" auf dem Lebensweg zu Christus.
    Geht einem nicht das Herz auf, wenn man die wunderbare Kathedrale dort vor Augen hat und all die anderen Kirchen in dieser schönen Stadt?



  • #3

    Barbara (Dienstag, 10 September 2019 17:38)

    Hallo Anne , finde deine Geschichte toll.
    Sehr Gefühlvoll geschrieben man geht mit dir , bitte schreib ein Buch darüber denn ich wohne nicht mehr im Saarland u d fand diesen Beitrag durch Zufall. Würde gerne mehr lesen.
    Danke für diese Geschichte.

  • #4

    Anne (Sonntag, 15 September 2019 14:13)

    Hallo Hilli und Barbara,
    es freut mich sehr, dass euch der Bericht so gut gefällt und wer weiss vlt wird eines Tages ein Buch draus ;-)
    Hallo Schdani, vielen Dank für den Kommentar und auch die darin enthaltene Frage. Am Ende des Pilgerbericht wird eine E-Mail Adresse veröffentlicht. Dort beantworte ich gerne Fragen.
    Bis dahin
    Eure Anne