Pilgerbericht von einem Owwerdähler Mäde Teil 6

Gemeinde Oberthal

Was bedeutet pilgern für mich?

 

Man fühlt sich als Pilger in Spanien durch die freundlichen Buen-Camino-Rufe der Bevölkerung herzlich willkommen geheißen und gleich heimisch. In den Pilgerherbergen selbst wird entweder abends gemeinsam 

Teil 1: https://www.saar-heimat.de/2019/09/02/jakobsweg-pilgerbericht-von-einem-owwerd%C3%A4hler-m%C3%A4de/

 

Teil 2: https://www.saar-heimat.de/2019/09/06/pilgerbericht-von-einem-owwerd%C3%A4hler-m%C3%A4de-teil-2/

 

Teil 3 und 4: https://www.saar-heimat.de/2019/09/09/pilgerbericht-von-einem-owwerd%C3%A4hler-m%C3%A4de-teil-3-und-teil-4/

 

Teil 5: https://www.saar-heimat.de/2019/09/14/pilgerbericht-von-einem-owwerd%C3%A4hler-m%C3%A4de-teil-5/

 

 

 

gekocht und sich ausgetauscht oder man nimmt das Angebot des „Pilgermenüs“ vor Ort an. Da ich tagsüber gerne alleine unterwegs war, genoss ich das abendliche Beisammensein mit Gleichgesinnten sehr. Ein weiteres wunderbares Merkmal der Pilgergemeinschaft ist die gegenseitige Unterstützung und Hilfsbereitschaft.

 

Rückblickend wurde mir bewusst, dass mir Camino-Engel, wie ich ganz besondere Menschen gerne nenne, zur richtigen Zeit mit den passenden Worten geschickt wurden. Auch durfte ich, wofür ich sehr dankbar bin, für andere ein Camino-Engel sein. Pilgern bedeutet für mich auch zu erkennen, dass einem das Leben immer kleine Geschenke macht, ob an einfachen oder beschwerlichen Tagen, man muss lediglich mit offenen Augen und Herzen unterwegs sein. Diese Erkenntnis entfachte meine Neugier und Freude auf jeden einzelnen Tag immer wieder aufs Neue.

 

Auf meinem Weg traf ich in bestimmten Abständen immer wieder auf Menschen, die mich an meine schönsten, aber auch schmerzhaftesten Lebensabschnitte erinnern sollten. Es wurde mir erst gegen Ende meiner Wanderung bewusst, dass ich durch diese Begegnung mein bisheriges Leben mit allen Höhen und Tiefen wieder durchlebt, und die Belastungen meiner drückenden Vergangenheit sich aufgelöst hatten. Das bedeutet für mich pilgern! 

 

 

 

In meinem Pilgermodus, wie ich ihn gerne nenne, der gegen Ende der Wanderung einsetzte, habe ich die Welt plötzlich mit ganz neuen Augen gesehen. Scheinbar hatte sich, durch jeden einzelnen Schritt in der schönen Natur, mein Bewusstsein verändert, anders konnte ich mir die unbeschreiblichen Erlebnisse mit Tieren auf dem Weg nicht erklären. Auch fühlte ich mich auf eine ganz neue, nie gekannte Art, mit Natur und Mensch verbunden.

 

 

Jetzt liegt diese Wanderung in Spanien bereits 4 Jahre zurück und ich bin immer noch dabei, alles, was mich dieser Weg, mein Weg, gelehrt hat, in mein tägliches Leben einfließen zu lassen. Seither boten sich mir neue Möglichkeiten, spannende Einsichten und  bereichernde Begegnungen, was mir ein Lächeln auf die Lippen zaubert und mich innerlich vor Dankbarkeit verbeugen lässt.     

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Hilli (Mittwoch, 18 September 2019 13:51)

    So schön geschrieben und erzählt,ist sehr bewegend

  • #2

    Barbara (Mittwoch, 18 September 2019 17:50)

    Danke dass wir an dieser Reise ein Teil sein durften. Weiterhin viel Glück, schöne Momente auf der Reise Deines Lebens ��

  • #3

    André und Nora (Samstag, 12 Oktober 2019 14:57)

    Liebe Anne, eine kleine Jüdin, Mascha Kaléko, gehört zu meinen Lieblingsdichtern. Sie schrieb einmal Folgendes:

    Einmal sollte man seine sieben Sachen
    fortrollen aus diesen glatten Geleisen.
    Man müsste sich aus dem Staube machen
    und früh am Morgen unbekannt verreisen.

    Man sollte nicht mehr pünktlich wie bisher
    um acht Uhr zehn den Omnibus besteigen.
    Man müsste sich zu Baum und Gräsern neigen,
    als ob das immer so gewesen wär

    Später im Gedicht kehrt sie zu ihrer/unserer Wirklichkeit zurück:

    Man trabt so traurig mit in diesem Trott.
    die andern aber finden, dass man müsste.
    Es ist fast, als stünd man beim lieben Gott
    allein auf der schwarzen Liste

    Man zog einst ein Lebenslos zweiter Wahl.
    Die Weckeruhr rasselt. Der Plan wird verschoben.
    Behutsam verpackt man sein kleines Ideal.
    Einmal aber sollte man ... (Siehe oben!)

    Zu Dir. Du hast für eine gewisse Zeit Deinen Zug auf ein Seitengleis gelenkt, unbekannt, rostig, abenteuerlich, aber, und nicht zuletzt, Gewinn bringend für Herz und Seele. Deshalb kannst Du jetzt den Wecker mit Freude rasseln lassen. Dazu und noch vielem mehr Glückwunsch. Ich las gerade auf der Rückseite eines Preisschildchen eine Weisheit, die ich Dir nicht vorenthalten möchte:

    time isn't wasted
    when you enjoy wasting it
    so spend your days
    loving, breathing, feeling
    the comfort of craft
    the honesty of simplicity
    the speed of slow
    but don't let the world
    just pass by.
    breathe it in.
    breathe it out.
    enjoy the precious now
    every day and every night

    Gruß, Nora und André