Von ausgehuggten Nächten und prachtvollen Ständen

Gemeinde Oberthal

 

Es gibt viel zu erzählen vom Güdesweiler Nikolausmarkt, denn der war dieses Jahr sehr erfolgreich. 

Fangen wir mal an:

Zwei Tage sind je nach Relation betrachtet eine verdammt 

 

 

lange oder ein sehr kurzer Zeitraum. Wer zwei Tage unentwegt hinter seinem Stand verbringt, der Kälte und Nässe trotzt, um sein Handwerk zu präsentieren, der ist froh, wenn die Zeit wieder vorbei ist. Wer aber davor dem feuchtfröhlichen Leben frönt, der mag ein wenig enttäuscht sein, wenn ein Wochenende nur aus einem Samstagabend besteht, der zudem noch jäh des Morgens um vier beendet wird. Damit nähern wir uns der Begrifflichkeit des Huggers, einer besonderen Spezies an der Gombach. Aber dazu später mehr.

 

Wesentlich bei einem Markt in der Vorweihnachtszeit sind jene Bürgerinnen und Bürger, die sich voll und ganz auf ihre Aufgabe konzentrieren, die darin besteht einer Festlichkeit einen besonderen Glanz zu verleihen. Und der Glanz beim diesjährigen Nikolausmarkt an der Christkönig Kirche zu Güdesweiler versprühten eindeutig die Betreiber jener Stände, die dafür sorgten, dass die Besucher auch etwas mit nach Hause nehmen konnten, welches zumindest bis zum Ende der stillen Zeit daran erinnert, wo er erworben wurde.

 

Das soll die Arbeit der Budenbetreiber, die für die Zünftigkeit zuständig waren, in kleinster Weise schmälern, denn auch ihr Beitrag ist unerlässlich für das besondere Gelingen einer Festivalität.

Das Angebot war riesig. Von der traditionellen Stadionwurst, ordnungsgemäß gewendet und erst dann der Flamme entrissen, wenn goldbraun gebraten und von Fachmännern der Montafoner Reisegesellschaft zum Verzehr freigegeben bis hin zum Flatschniggel, dem sich die freiwilligen Feuerbekämpfer hingebungsvoll widmeten und auch dem Kuchen, reich bedacht mit Käse, Zwiebeln und Speck, der meist nur von einer Heddehand zart beflammt wurde in einem 300 Grad heißen Heddeofen, der seinesgleichen sucht.

 

Der Deftigkeit lebhafter Speisen waren keine Grenzen gesetzt. Dazu noch allerlei Süßspeisen, wie Crêpes mit Nutella und heiße und süße belgische Waffeln, zubereitet voller Liebe und Zärtlichkeit von jenen jungen Frauen aus unserem Dorfe, die dann zu Nachtschwärmerzeiten auch zu Huggern wurde. Aber auch dazu später mehr.

 

 

Natürlich rutscht keine noch so fantastische Leckerei ohne ein passendes Getränk. Der Burgunder in Grau, wohltemperiert aus Tanja’s fachkundiger Hand, passte genauso gut dazu, wie die äußerst gelungenen Variationen von glühenden Weinen der DuNi’s oder das obligatorische Hopfengetränk aus dem Hause Karlsberg, welches sich, in Huggers Händen dann doch irgendwann in Luft auflösten. Aber, wie könnte es anders sein? Dazu später mehr.

Sie alle sorgten dafür, das wir verweilen am Platze, das wir unserer Fröhlichkeit freien Lauf lassen, das wir ausgiebig singen, tanzen und lachen. Und ja, auch das ist eine Botschaft zur Weihnachtszeit. Wir sollen uns an der Herrlichkeit des Herrn erfreuen. Ihn loben und Preisen in alle Ewigkeit.

 

Was aber wäre ein Markt zur Weihnachtszeit ohne jene, die der Rotunde den besonderen Flair verleihen. An dessen Waren sich auch der Geist erfreut. Die Handwerker und Handwerkskünstler, die in mühevoller Kleinarbeit schon viele Tage zuvor in ihren Kellern und Ateliers damit beschäftigt waren, aus einem unscheinbarem Stück Holz, einer profanen Tanne ein kleines Kunstwerk zu zaubern. Oder in heimischer Küche mit Reagenzglas, Pipetten, Trichtern und Becherglas hantierten um das exakte Mischverhältniss zu bestimmen, wann der Chilli exakt jene Schärfe aufweist, die auch der Schokolade noch ihren Raum auf Entfaltung lässt oder ein Tübchen mit einer Creme einherrührt, die des Gatten zarte Haut nach eisigen Tagen wieder geschmeidig werden lässt.

 

Diesen Heroen des Alltags sollte besonders gedankt werden, denn die Simone‘s, die Tanja‘s, Bianca’s, Sandra‘s und die Werner‘s zaubern die Gemütlichkeit auf unsere Märkte, damit wir im Anblick ihrer Kunstwerken die Deftigkeit überhaupt erst genießen können. Hoffen wir, das es sich auch für sie gelohnt hat.

 

Dann wären auch noch zu nennen, diejenigen die im Hintergrund bleiben und die wenig gesehen werden. Ortsvorsteher Timo Backes und sein Ortsrat zeichnen sich verantwortlich für diesen wunderschönen und kleinen, aber feinen Markt zu Ehren des Sankt Nikolaus. Dazu die unzähligen Helfer, die schon Tage zuvor diverse Christbäume aussuchten, die Umgebung dekorierten, den Boden mulchten, für die passende Musik in all den Stunden sorgten, die am Morgen den Platz fegten, den Müll entsorgten, das Pfarrheim instand hielten und und und.

 

 

Bleibt nur noch der obigen Erwähnung der Hugger nachzugehen. Wie bereits mehrfach erwähnt, handelt es sich hier um eine ganz besondere Spezies, die so nur rund um die Gombach, die Deiweilskanzel oder den Leistberg im Allgemeinen vorkommt. Jene Hugger errichteten, stets im Hintergrund natürlich, ein kleines Zelt. Hierhin zog man sich zurück, obwohl in selbiger Höhle so gut wie gar nix zum hugge bereitstand. Dieser Extremsportart gehen sie aber auch nur nach, wenn sie ins schöne Montafon reisen.

 

Und so wart es auch geschehen, dass eben zu jener Zeit, als der Ortsvorsteher den Zeitmessern befahl für jenen ersten Tag, dem Samstag, ihrer Hände Arbeit ruhen zu lassen, sich das Volk in jener Höhle der Hugger verirrten, um sich den Tag noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Hilfreich war, am Ende des Tages, dazu auch eine Köstlichkeit zu servieren, die dies ungemein erleichtert.

 

Aber just in jenem Moment verstand ein jeder worum es bei den Huggern tatsächlich geht. Aushuggen, eine Sportart, die man ansonsten nur von der Politik kennt, wird nun auch in den breiten Graden der Provinz sorgfältig gepflegt. Vor lauter Pflege wollte ein Niemand gehen, so schön war das Hugge. Selbst der unerklärliche Schwund an huggerüblichen Muntermachern war nicht in der Lage dem Treiben ein Ende zu setzen. Der Erste Bürger des Ortes himself sorgte zudem für die Musik, die ein jeden und auch eine jede daran hinderten, dem Abend Lebewohl zu sagen.

 

Am nächsten Tag dann, wurden seltsame Geschichten erzählt. Wahrlich ein jeder und auch eine jede kam nicht ungeschoren davon. Ein Geburtstagskind wurde mehrfach gefeiert, unzählige Photographien gezählt, die - weiß Gott nur warum - bislang der Öffentlichkeit verborgen blieben. So erzählte man sich auch die Geschichte jener jungen Mutter, die des Nachts zu Hause, dem Kindlein in der Wiege unbedingt noch mitteilen wollte, wie schön sie getanzt hätte, um dann die eiskalten Füsse in des Gatten Oberschenkel zu quetschen, so das dieser kurzerhand wegen Gefrierbrand gar nicht mehr in der Lage war, das Weite zu suchen.

 

Der Sonntag wurde dann leider von Petrus etwas vermiest. Die klirrende Kälte, gepaart mit göttlichem Sonnenschein war gewischen und der Regen zog ein. Immerhin kam Sankt Nikolaus noch auf einen Sprung vorbei und sorgte für leuchtende Kinderaugen. So ging der dritte Nikolausmarkt an der Kirche etwas verregnet zu Ende, darf aber als voller Erfolg bezeichnet werden. Möge diese Symbiose aus flairvollen Ausstellern und Deftigkeit servierenden Ständlern auch im kommenden Jahr wieder das schönste Dorf des Landes mit all seiner Fröhlichkeit verzaubern.

Text: Alexander Scheid, Bilder: Isabelle Möller, Jenny, Johannes und andere....

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Elmar Kelkel (Donnerstag, 05 Dezember 2019 11:18)

    Hallo Alex,
    schön zusammengefasst.
    Dank an alle Helfer, Aussteller und Besucher für zwei schöne Tage.