AH in Hochform feiert Silvesterball ohne Grenzen im Gombachstadion

Bilder: I.Möller
Bilder: I.Möller

Gemeinde Oberthal

 Eine Masse ohne Panik harmonisiert in der Unbestechlichkeit der glorreichen Errungenschaften einstiger Tage.

Die Alten Herren können getrost als das Ersatzheer unserer örtlichen Fußballvereine bezeichnet werden,

 

stellen sie doch mehrheitlich die ehrenamtlich am engagiertesten Protagonisten der Clubs. Ob nun im Vorstand, als Jugendtrainer oder als Greenkeeper, ohne die Alt-Internationalen wäre die Fortführung aller sportlichen Aktivitäten unserer Clubs kaum denkbar.

Wer nun aber denkt das alte Eisen nimmt nur noch im Thronsaal Platz, um die altehrwürdigen Erfolge den Jungen unter die Nase zu reiben, der sieht sich, nun ja, sagen wir mal, leicht getäuscht. Natürlich gehört das Anglerlatein zu den hervorstechendsten Eigenschaften und da wir noch aus der Steinzeit kommen, wo digitale Errungenschaften lediglich zum Repertoire der feuchtträumenden Besitzer von Videorekordern gehörten, was Historikern und Archivisten die Arbeit einer lückenlosen Biographie deutlich erschweren, lassen sich die Ergebnisse ja kaum nachprüfen. 

 

Doch können wir sie als die wahren Helden des Alltags bezeichnen, denn noch immer stehen sie bereit, wenn der Ruf erfolgt, sie mögen doch bitte die Fußballschuhe vom Haken nehmen und sich gelegentlich zum Austausch frühzeitlicher Ballfertigkeiten treffen, die dann an den Theken dieser Welt wie folgt kommentiert werden.

 

 

 Wir nennen ja grundsätzlich keine Namen, denn in Zeiten des allmächtigen Datenschutzes, könnten diese Informationen irgendwann einmal gegen einen selbst verwendet werden. Zwei Gedankengänge möchte und kann ich Euch leider nicht vorenthalten. So stand man nach einem hartumkämpften Match an der Theke und plötzlich fing einer an, sich das Spiel noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen.

 

So fragte jener Linksaußen - es könnte auch ein Linksverteidiger gewesen sein, aber aufgrund seiner ureigenen wilden Interpretationsfähigkeit sind die Grenzen eher fließend - rhetorisch in die Runde: »Habt ihr meine berauschende Flanke, die beinahe zum 1:3 geführt hätte, gesehen?« Kaum waren die Worte gesprochen, erschütterte ein ultralanges Einatmen die Runde. Jeder im Raum blickte auf, denn das muss man, um das erwartbare Donnern zu vernehmen.

 

Hochrot entfuhr es dem Dauerläufen dieses Team, der nie Laub vor den Mund nimmt: »Du Niggelos, alle drei Gegentreffer wurden von deinem Gegenspieler vorbereitet und du erzählst von einer Flanke? Ich glaub es rauscht!« Seine Antwort, »Ach, das war meiner?« wurde zum Glück überhört. 

 

 

Der zweite Gedanke der überliefert ist, konnte auch nur in einer Hirnwendung zur Blaupause werden, da ansonsten so gut wie niemand im Stadion sich daran erinnern konnte.

 

So wandert in der Regel eine Düne, gerne auch mal in vielen anderen Teams, so mit und seine Erinnerungen schwelgen gern in den wildromantischen Zeiten eines Karl Mays, der bekanntlich den Wilden Westen oder Kurdistan nie bereist hatte, jedoch haargenau wusste, dass die Apachenhäuplinge von sich stets in der dritten Person sprachen, bzw. Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah sich nie irren konnte. 

 

 

 

Der Gombacher Silvesterball

Jedoch sind diese nostalgischen Momente sowas wie die Essenz dieses Sports. Ohne diese Errungenschaften wäre doch der Fußball ein Nichts. Und so trifft man sich auch gelegentlich zu Happenings, die dann Trainingseinheiten genannt werden. So geschehen am letzen Tag des Jahres. Aber auch diese Geschichte hat eine Vorgeschichte.

Eigentlich war der Freitag vor Weihnachten dazu bestimmt worden, ein Abschlusstraining zu veranstalten, was jedoch nur mäßigen Zuspruch fand. Zu viele Feste vorm Fest hielten diverse Giganten der Altliga davon ab, dabei zu sein. Immerhin fanden sich noch 12 Akteure ein, um unter klimatisch durchaus akzeptablen Bedingungen eine ruhige Kugel zu schieben. 

 

 

Wenig später und nach einem kleinen Umtrunk, wie das beiliegende Foto unweigerlich zeigt, verabschiedete Mann sich und verschwendete keinen Gedanken daran, dass es in diesem Jahr doch noch einmal klappen sollte. Weit gefehlt! Irgendjemand kam auf die bescheuerte Idee, man könnte sich doch am Silvestermorgen nochmals treffen. Bescheuerten Ideen nicht abgeneigt, stellte irgendwer dann die Frage in die WhatsApp-Gruppe und der Wahnsinn nahm seinen Lauf.

 

 

Noch am selbigen Morgen glühten die Drähte und ab 10:45 Uhr begann das große Schaulaufen. 22 Zusagen waren es bis dahin, aber der Zustrom wollte einfach nicht abreisen. Und wer sich so alles berufen fühlte dieses Ereignis nicht zu verpassen? Manch einer trainierte zum letzten Mal, als die Rückpassregel eingeführt gerade wurde, manch anderer musste sich gar passendes Schuhwerk leihen, da letzteres zu B-Jugendzeiten erworben wurde und derjenige entsetzt feststellte, dass diese zuvor erstmal gewichst werden müssen, ja sogar noch rote Asche zu finden war, als Güdesweiler noch am Friedhof trainierte.

 

Treffen der Generationen

Es war wie bei Star Trek, dem Treffen der Generationen, als urplötzlich Kurt Nofts, der lebendige Beweis für realexistierende Fußballkunst des letzten Jahrtausend, der zudem noch mit dem Kaiser perdu war, zuerst seinen Trainingsoverall aus dem Trophäenschrank, gleich hinter seinem Altar im Kaminzimmer nahm und zudem noch Schwiegersohn und Enkel mit zum Training brachte. Manch einer hielt ihn für den Schiedsrichter und wies ihm den Weg zur eigenen Kabine.

 

Der Koordi war es dann auch der den ersten Treffer des Turniers beisteuerte. Vier Teams mussten wir bilden und die Kleinfeldtore aufs Feld rollen, damit überhaupt gespielt werden konnte. Nicht allein das Tor ist von historischer Bedeutung, auch dessen Entstehung. Denn da war ja noch sein Schwiegersohn Kai, der nach dem Training im übrigen mit dem Pokal für die meisten und sogar die beste Grätsche des Tages ausgezeichnet wurde.

 

 

Die beste setzte er - kaum hatte das Spiel begonnen - bereits in der eigenen Hälfte an und zwar diagonal zur X-Achse und mit der pendelartigen Eleganz einer afrikanischen Kurzschwanzgazelle, die all den anwesenden Hyänen reichlich Respekt abforderte, indem er schon von weitem sah, dass er den Ball ohne den Traktionskoeffizient (tau), der die eigene Bewegung dividiert durch die tragbare Last seiner Lenden über die Haftreibungsgrenze katapultierte, was in diesem Fall und ohne Steigungsgrad eine dimensionslose Größenordnung erreichte.

 

Dank seines hohen Schwerpunktes die die Erdbeschleunigung kurzzeitig außer Kraft setzte, war er kurz vor dem Tor wieder auf den Beinen, passte das Leder zum Sohnemann, der die Groniger Pelle noch kurz ausstanzte um dann den Opa in Szene zu setzten. Nun stand im Tor kein geringerer als der neue Ortsvorsteher vom Momberg, ein Ex-Exweiler und Parteifreund. Dieser hatte schon nicht mit dem Wahlsieg gerechnet, wie konnte er da schon damit rechnen, dass ihm ausgerechnet der Nofts Kurt das Leder kurzerhand zwischen den Gallier hindurch ins Netz bugsiert.

 

 

Nur schade, dass unsere rasende Reporterin von der Saar-Heimat, von all dem Adrenalin, welches die strammen Burschen verströmten und den in Polyester verpackten Traumkörper so wuschig wurde, das sie glatt vergaß den Auslöser zu betätigen. Im übrigen mit ein Grund, warum Sie lieber bei den Frauenkulturtagen über die Los Wochos der Cateringabteilung berichtete.

 

Die Keßler Zwillinge als Eisprinzessinen

Das Eis war somit gebrochen. Apropos Eis. Die äußeren Bedingungen des Platzes waren nicht gerade berauschend, so er doch knüppelhart gefroren war und vorsichtig gespielt werden sollte. Es glich zu Beginn mehr einem Eistanz, was besonders unseren Keßler-Zwillinge eine große Freude machten. Gemeinhin sind sie bekannt unter dem Namen Der Schöne & Das Biest und nicht hassen sie so sehr wie Training. Außer natürlich wenn die Feuerwehr ruft. Dann leben sie nahezu die Aufforderung nach mehr Schlauch.

Ich bin ein Fink. Ich bin ein Zeisig

Und dann waren da noch unsere Freunde vom listigen Berge, vielmehr einer davon. Er war sozusagen der Abgesandte der Steinberger Gnaden und hatte wohl den Schwarzen Peter vom Wack gezogen, denn der Rest der Deckenhardter Verwandtschaft weilte unterdessen im eigenen Sportheim beim Frühschoppen. So hatte zumindest der Mohr seine Schuldigkeit getan, denn es wurde mit Frank ein wahrer Prachtfink am Gombacher Moos gesichtet. Was die Ehre der Steinberger jedoch rettete, war die Anwesenheit einiger Gefolgsleute aus der eigenen Spielgemeinschaft aus Walhausen.

 

 

Winterschlaf an der Blies

Enttäuscht auf ganzer Linie haben diesmal unsere Freunde von der Blies, jenem St. Wendler Banlieue, wo wir immer wieder feststellen müssen, das dies keine Dorfbewohner sind, sondern Vorstädter, was sich hinsichtlich ihrer Klimatauglichkeit offensichtlich bemerkbar macht.

 

Ein Dorfbub kommt ja in der Regel mit den Temperaturen, die der Winter nun einmal mit sich bringt, einfach besser klar, als der urbanisierte Städter. Schon bei den ersten Anzeichen, dass ein Thermometer sich der 10 Gradlinie nähert, wird die Angoraunterwäsche aus dem Schrank geholt. Vom Latte Macchiato verwöhnt, stellen die dortigen Bewohner flugs die Stoffwechselaktivitäten auf Minimalbetrieb um.

 

 

Aber anders als bei homoiothermen Tieren verlangsamt sich auch bei Ihnen die Atem- und Pulssequenz, allerdings auf ein Niveau, welches noch ausreicht in einer Turnhalle zu trainieren, ihr Zustand in der freien Wildbahn jedoch katatonisch die Hormonausschüttungen der Hypophyse derart verwirrt, dass die eigenen Gattin fürchten, die Libido würde ein Level erreichen, welches Monate später zu ungewollten Schwangerschaften führen könnte. Sie nehmen aber trotzdem noch Nahrung auf, was dann Anfang März, wenn der Klimanotstand überwunden ist, sichtbar wird.

 

 

Aber immerhin schickten sie uns ihren Edeltechniker, Patrick »PaddyBoy« Mathias, der so manchen Fußballromantiker noch immer zum Schwärmen bringen kann. Nach unserer Einheiten erfuhren wir dann auch noch, dass die Blieser tatsächlich kontrarevolutionär zum Hallentraining mit anschließender Tea-Time einluden.

 

Jetzt haben wir aber genug gelästert, denn ich werde es wieder ausbaden müssen. Spätestens wenn sie aus dem Winterschlaf erwachen, muss ich wieder mit doppelten Schienbeinschützer antreten. Geballte Mummerische Energie gepaart mit Ossenbacher Harmonie ergibt eine Gombacher Philharmonie der Sinne.

 

Die stärkste Fraktion stellten aber mal wieder die Groniger. Dieses Dorf beeindruckt mich immer wieder auf‘s Neue. Sie sind die Akteure, die ähnlich wie die Berufsgruppe der Urologen, ihr Hobby zur Berufung gemacht haben.

 

Urologe wird man ja nicht weil man es kann, sondern weil es einem Spaß macht. Genauso verhält es sich mit den Gronigern. Nicht umsonst haben sich diverse Exe, wie ein Ex-Uchtelfanger, ein Ex-Mänzer, eine Ex-Exwellerer und nicht zu vergessen, ein EX-Zonennerer dem energiegeladensten Club der Welt angeschlossen. Im letzen Jahr las ich im News-Ticker von BBC London, der beste Club der Welt würde um 13 Uhr eine Pressekonferenz geben. Ich sofort ab nach Gronig und stellte entsetzt fest, dass der FC Bayern gemeint war.

 

 

Und denen gegenüber stehen die harmoniebedürftigen Gemeindehauptstädter und das philanthropische Volk der Hammelbacher und sehen immer ganz schön alt aus. Aber auf den Plätzen dieser Welt verstehen wir uns prächtig. Natürlich veralbern wir uns, necken uns und vor allem der Gombacher leidet ab und an unter der geballten fußballerischen Eleganz unserer Nachbarn. Am meistens dann, wenn Sie uns Ihre persönlichen Erfolge unter die Nase reiben, die zu jenen Zeiten errungen wurden, als die SFG noch am Kindertisch Platz nehmen durfte, während Blau-Weiß und die Clubberer mit dem silbernen Löffel die Austern schlürften.

 

 

Wären wir jedoch nicht die Altliga, so könnten wir auch nicht dabei schmunzeln. Nichts anderes beweist der allwöchentliche Wahnsinn in unseren Trainingseinheiten. Getrost können wir jene unumstrittene Tatsache doch schon mal als einen Erfolg verbuchen. Und besser kann es immer werden. Denn was wären wir in der Lage zu schaffen, würden wir die drei Enden der Seile zu einem dicken Strick verknoten? Arbeiten wir also weiter am großen Wurf. Denn wie sagt der Fußballgott Mario Basler, der derzeit im Land unterwegs ist mit seiner Philosophiestunde: »Ich spiele immer auf Risiko. Schließlich profitieren alle davon: Wir, das Publikum und auch der Gegner.«

 

 

Das Teilnehmerfeld:
SV »Blies« Bliesen (1): Patrick »Paddy« Mathias
FC Gronig (11): Björn Gebauer, Kurt Nofts, Kai Naumann & Sohnemann, Stefan »Pelle« Pellmann, Tobias Federkeil, Thomas Damberger, Christian Keller, Sascha »Sagge« Tritz, Thorsten Klein, Uwe Kuckel
SV Steinberg-Deckenhardt (1): Frank »Fink« Mohr
SV Walhausen (4): Reuben Eckhard, Sebastian »Polo« Leonhardt, Michael Metzger, Uwe Klee


SV »Blau-Weiß« Oberthal (6): Aribert Laub, Christoph Maldener, Joachim »Hug« Meisberger, Volker Peter, Marko Netzer, Christian Jansen
SF Güdesweiler (10): Oliver Hofmann & Sohnemann, Klaus »Le Cousin« Scheid, Tim »Double T« Thielen & Sohnemann, Florian Frei, Dominik »The Beauty« Werle, Manuel »The Beast« Werle, Jörg Schoor, Alexander Scheid

 

Anmerkung der Redaktion: Wer es bis hier hin geschafft hat, Herzlichen Glückwunsch

Text: Alexander Scheid, Best Photographer: Isabelle Möller

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Isabelle (Donnerstag, 16 Januar 2020 12:31)

    34 Männer auf`m Platz war verdammt viel an diesem letzten Samstag im alten Jahr. ,,Jeder hat sich do noch schnell uff de Platz geschafft", waren Kurt Nofts Worte, und weiter,, Die hann isch jo noch nie gesiehn, die trainiere es ganze Johr net". Und zum Schluss als er uff de Platz wollt gehn: ,,Hasche schonmol so eener die Treppe runner komme gesiehn?"
    Nee Koordi, hann isch noch net.....nächst mol awwer lache, wenn die Kamera dich anguckt......

  • #2

    Gillesweller (Donnerstag, 16 Januar 2020 13:45)

    Oh Gott

  • #3

    Hasborner (Donnerstag, 16 Januar 2020 18:50)

    Beim Lesen dieser langatmigen Texte denke ich immer an meine Häschbrer (Hasborner) Oma. Sie sagte in ähnlichen Fällen zu mir:
    Schwätz kää Kaloumes, ich glääb, dir waggelle die Zänn