»Instant Tapes«, die Glourious Basterds im Programm des Andlers

v.l. W.Ost, M. Andrusic, M. Kreutzer (Gronig)
v.l. W.Ost, M. Andrusic, M. Kreutzer (Gronig)

Gemeinde Oberthal

Musik für Liebhaber jenseits des Mainstream

Marco Kreutzer (drums & percussions) | Miro Andrusic (vocals & guitar) | Wolfgang Ost (bass & guitar)

Persönlich schätze ich es sehr, wenn Musik auch mal aus der Reihe tanzt, wenn urplötzlich 

ein Protagonist den bewährten Pfad der Harmonisierung verlässt und der Disharmonie ein wenig Raum lässt. Da wir eine Nation von Fußballexperten sind, lässt sich dies natürlich auch sinnbildlich übertragen, um zu verstehen und was es dabei geht. Während neun Mann im Team sich in der Regel an die Anweisungen des Trainers halten, sind es meinst die Torhüter und Linksaußen, die dem Spiel, sagen wir mal, eine besondere Note verpassen. 

 

Ein Großteil der Musik die wir üblich hören, besteht tatsächlich nur auch vier Harmonien. Nehmen wir dafür die handelsübliche C-Dur Tonleiter (c, d, e, f, g, a, h) und picken uns vier Töne raus und schwups haben wir die Grundlage für hunderte uns bekannter Popsongs. Mit der I (c), der V (g), der VI (a) und der 4 (f), lässt sich schon Geld verdienen, wenn ich sie wiederum als Dreiklang geschickt einsetze. Ok., ein bekloppter wird auch benötigt. Wenn ich jetzt noch die VI, also das a im Dur, vermolle, dann bekommt man eine optimistische Progression, die Millioneneinkünfte garantieren. Jedenfalls hat Dieter Bohlen das so gemacht.

 

Wunderbar auf den Punkt bringen dies die Jungs von Axis of Awesome in einem Video, welches wir hier mal verlinken (https://youtu.be/5pidokakU4I). Four Chords for the World. Everything is happy ...

Das soll nun nicht verächtlich klingen, da die Einfachheiten im Leben nun mal die Basis unseres Lebens darstellen, aber die Essenz allzuoft vernachlässigen. Denn das Besondere sind nicht die Grundtöne, sondern das was daraus gemacht wird, die Blue-Notes. Das würde jetzt vollkommen ausarten auf die Besonderheiten einzugehen und darüber haben wirkliche Experten ganze Bibliotheken verfasst, die selbst meinen, begrenzten Horizont, heillos überfordern.

 

 

Um es auf den Punkt zu bringen. Wer mal abseits des Mainstream gute und vor allem handgemachte Musik lebhaft erfahren möchte, der merke sich den Namen »Instant Tapes«. Dahinter verbirgt sich ein Trio unter der Leitung von Johnny Kreuzer. Über Johnny haben wir hier ja schon des Öfteren berichtet. Vor gut einem Jahr gastierte er zum ersten Mal im Gasthaus Andler in Gronig und bereitete so den Weg für eine außerordentliche Erfolgsgeschichte, die er nun fortsetze.

 

Diesmal aber standen weniger bekannte Pop- & Rockklassiker im Vordergrund, sondern eher die feingeistige Varianten dergleichen. Dafür lud sich Johnny einen ganz besonderen Singer- & Songwriter aus Luxemburg ein, der das Repertoire öffnete für Eigenkompositionen und einer speziellen Art ihrer Interpretation.

 

Miro Andrusic ist ebenso wie Johnny und Worschdi seit über 30 Jahren in diversen Bands aktiv. Aber wie jeder Gitarrist hat er auch ein Eigenleben. Diese Musiker wollen Songs schreiben. Finden sich dann Kollegen, die den Prozess unterstützen möchten, dann entsteht ein solches Format, wie zuletzt beim Andler. Dabei gibt es stoische Grenzen nicht. Independent Music entsteht so. Miro hat eindrucksvoll bewiesen, wie gut man harmonieren kann, selbst wenn man zuvor nur ein paar mal zusammen geprobt hat. 

 

Auch wieder dabei ein alter Bekannter aus der Gemeinde. Wolfgang Ost, einst Bassist von »Phönix«, der legendären Groniger Rockband um Christoph »Meise« Meisberger. Insidern besser bekannt als »de Worschdi« und noch immer ranken sich dort wilde Geschichten um die Herkunft seines Namens, denn Kenner der Szene würden schwören, sein erstes Plektrum wäre ein Plombe vom Lyonerring von Höll gewesen. Bestätigen lässt sich dies hingegen nicht mehr.

 

 

Feststellen lässt sich jedoch, dass Wolfgang nicht mehr nur Bass spielt, sondern mittlerweile auch zur Gitarre greift, was vor allem der Musik des Abends äußerst gut tat. Neben der Akustikgitarre, die Miro Andrusic in der Regel spielte, eröffnet deren elektrischen Variante seiner Musik mehr Räume, die Klangfarben zu erhöhen.

 

Denn eben jene Klangfarben bildeten die Essenz der dargebotenen Musik an diesem Abend. Auch Johnny steuerte jede Menge Beats dazu bei, in dem er nicht rhythmisch-stur der Viertel folgte, sondern mit Off-Beats das Bewusstsein enorm erweiterte.

 

Ein Besucher, dem man Drummerqualitäten attestieren muss, fasste es mit den Worten zusammen, dass Johnny ihn heut einfach ein wenig überfordert hat und er nun unbedingt Death-Metal braucht, um überhaupt schlafen zu können. 

 

Denn sein Spiel beschränkte sich nicht nur darauf den Takt zu halten, sondern jedes Becken oder Tom immer wieder akzentuiert einzusetzen, was die Musik zwar naiv erscheinen lässt, jedoch von hoher Komplexität zeugt. So wie die ganze Musik an diesem Abend, denn mit vier Akkorden gaben sich die Jungs nicht zufrieden.

 

Manchmal erinnerten mich die Songs an Steely Dan, einem Duo um Donald Fagen und Walter Becker, die durchaus zu jenen Musikern zählten, deren Grenzen nahezu fließend waren. Ob nun Blues, Rock als auch der Jazz wurden nicht als dogmatische Stile verstanden, sondern verschmelzen hier in einer Polyphonie, einer Gleichberechtigung sowohl im Stil, als auch beim gemeinsamen Spiel auf der Bühne. 

Wie bereits erwähnt, das mag manche überfordern, gibt man sich den Klangfärbungen aber hin, so entdeckt man wunderbare Eigenheiten in dieser Musik. Note um Note muss hier erarbeitet werden. Akkorde werden gedehnt und vor allem der Freiheit viel Spielraum gelassen. Die Musik klingt viel cooler, denn die Lässigkeit schafft Spielräume, die in gängigen Musikstilen einfach fehlt. 

 

Wenn auch ein Song eine klare Struktur hat, die auch notwendig ist um ans Ziel zu gelangen, so ist es hier der Weg, besonders für Ihre Interpreten, der wahre Grund überhaupt dieser Musik ein Forum zu bieten. Dies war auch das erklärte Ziel von Johnny. »Diesmal wollte ich nicht unter meinem Namen spielen, der natürlicherweise mit der Musik in Verbindung gebracht wird, die wir alle als Classic Rock bezeichnen, denn Miro Andrusic lässt sich nicht dort einordnen.«

 

»Instant Tapes« war im Namen als auch Gestalt, exakt das, was damit gemeint war. Unmittelbar, denn exakt so wird sich diese Musik nie wieder spielen lassen. Es lohnt also selbst für den, der dieses Konzert bereits erlebt hat, beim nächsten mal wiederzukommen, denn nichts ist so wie es scheint, sondern so wie es klingt. 

Text: Alexander Scheid, Bilder: Isabelle Möller

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Isabelle (Samstag, 15 Februar 2020 09:12)

    Die Musik war einzigartig, wenn es hierzu Aufnahmen oder eine CD geben würde, ich hätte sie schon.....