Warum trifft uns die Corona-Krise so hart?

 

....und was hätte wie versucht werden müssen, um dies zumindest einzudämmen?

 

Eine Spurensuche im Bereich der Verantwortlichkeiten von 

Alexander Scheid:

 

Die aktuelle weltweite Krise um die Ausbreitung und Folgen des Coronavirus halten uns in Atem. Es vergeht kaum eine Stunde, die nicht geprägt ist von neuen Maßnahmen zur Eindämmung einer Pandemie, deren Folgen uns noch eine lange Zeit beschäftigen wird.
Doch bevor ein zu schnelles Urteil darüber fällt, ob es Schuldige gibt und wer in welchem Maße Verantwortung trägt, sollten wir einen Blick auf die Chronologie des SARS-Virus mit dem Namen COVID-19 werfen, denn beschäftigt man sich etwas intensiver damit, fallen - mir zumindest - eklatante Fehler im Umgang mit der Pandemie auf.
Eine Chronologie der Pandemie
Mitte Dezember 2019: In der Provinz von Hubai in Zentralchina, genauer in der Stadt Wuhan, mit rund 8 Millionen Einwohner die sechstgrößte Stadt im Reich der Mitte, häufen sich die Erkrankungen an einer schweren Lungenentzündung. Noch vor dem Jahreswechsel (30.12.) entsandte der nationale Seuchenschutz ein Team in die Stadt und noch am gleichen Tag informierten die Behörden die Weltgesundheitsorganisation WHO über einen bislang uncharakterisierten infektiösen Erreger.
Bereits am 7. Januar wurde der Virus klassifiziert und als ein bislang unbekannter Coronavirus deklariert. Knapp eine Woche später wurde die komplette Genomsequenz hinterlegt, was seine Identifizierung somit ermöglicht. Somit kann man China nichts verheimlicht oder vertuscht und es ist nicht das erste Mal, dass das bevölkerungsreichste Land der Erde Ausgangspunkt einer weltweiten Pandemie ist.
Am 23. Januar wurde der Ausgangspunkt der Pandemie, die Metropole Wuhan mit rund 57 Millionen Einwohnern, hermetisch abgeriegelt. Am 27. Januar wurden die ersten Fälle in Deutschland und Frankreich registriert. Über Japan, Südkorea und viele weitere Staaten wollen wir gar nicht reden. Noch in der selben Nacht verzeichnet auch Italien die ersten Infektionen. Mittlerweile war vollkommen klar, dass der Coronavirus weltweit nicht mehr aufzuhalten war. Somit war knapp ein Monat nach Bekanntgabe relativ klar um was es sich hierbei handelt. Eine Pandemie.
SARS Epidemie 2002/03 als Blaupause
Corona ist keine neue Herausforderung und bei weitem nichts, was es so noch nie gegeben hat. Bereits im November 2002 kam es zur ersten weltweiten Pandemie, uns bekannt als das SARS-Virus. Ein auf Wildtiere spezialisierter Koch aus Shengzan infizierte sich und brach wenige Tage später auf nach Hongkong, wo er eine Hochzeit besuchte. In seinem Hotel infizierte er - nachweislich - innerhalb von 24 Stunden zwölf weitere Menschen, darunter zwei Kanadier und einen Amerikaner, die auf der Durchreise waren. Dieser erste Wirt war, laut WHO, somit direkt verantwortlich für über 350 Infektionen.
Eine Kanadierin (78 Jahre) kehrte am nächsten Tag in ihre Heimatstadt Toronto zurück ohne zu wissen, dass sie infiziert war. Dort infizierte sie u.a. ihren Sohn. Beide starben daran und Toronto entwickelte sich binnen weniger Tage zu der am stärksten betroffenen Region mit Infizierten außerhalb Asiens.
Kurze Zeit später breitete sich SARS nun zur Pandemie aus. Ausschlaggebend hierfür war die immer engere gesellschaftliche und wirtschaftliche Vernetzung der Welt sowie die Möglichkeit, den Erreger mit Hilfe von Flugzeugen in andere Staaten zu tragen, lange bevor die Inkubationszeit vorüber war und die Erkrankung offensichtlich wurde. Erst im Juli 2014, also rund 20 Monate später verkündete die WHO, die Pandemie eingedämmt zu haben.
Kennt jemand die Seuchenbehörde der EU?
Seit SARS sind nun 17 Jahre vergangen. Die WHO hat den Verlauf und die Eindämmung präzise dokumentiert. Noch im Sommer 2003 gründete die EU eine eigene Behörde: Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC | European Centre for Disease Prevention and Control). Dies ist eine Agentur, die mit der Absicht gegründet wurde, sich im Vormarsch befindliche infektiöse Krankheiten, wie Influenza, SARS oder auch HIV, zu bekämpfen. Das ECDC ermittelt durch übertragbare Krankheiten bedingte derzeitige und neu auftretende Risiken für die menschliche Gesundheit, bewertet diese und gibt Informationen darüber weiter. Überdies unterstützt das ECDC die Mitgliedstaaten der Europäischen Union bei ihren Abwehr- und Reaktionsmaßnahmen.
Warum werde ich aber das Gefühl nicht los, dass sich Europa seit dem aktuellen Ausbruch kaum bewegt hat? Warum habe ich erst Mitte März und erst nach intensiven Recherchen erfahren, dass es eine entsprechende Behörde der EU gibt? Und wie gehen andere Länder oder Kontinente damit um?
Das Krisenmanagement des kleinen Taiwan
Taiwan, die abtrünnige chinesische Provinz, rund 160 km vom großen Bruder entfernt, etwas kleiner als die Schweiz, dafür aber eine dreifach höhere Population, hat nicht nur Lehren aus der SARS-Epidemie von 2003 gezogen, sondern auch eine ausgetüftelten Krisenplan erstellt, der aktuell sehr erfolgreich gewirkt hat. Damals hatte die Regierung ein ausgefeiltes Krisenmanagement entworfen, das jetzt zum Tragen kommt.
Jede Modellierung hatte auch diesmal eine gewaltige Epidemie vorhergesagt, jedoch verzeichnete die Insel, trotz enormer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Verflechtungen zu China bis letzten Donnerstag nur rund 50 Fälle und bislang keinen Toten. Auf Deutschland übertragen entspräche das 200 Fällen. Tatsächlich haben wir weit über 7.000 (Stand: 17.03.20, 12 Uhr). Warum also kommt Taiwan bislang so glimpflich davon?
Der kleine Inselstaat im Westpazifik war einfach besser vorbereitet, als der Rest der Welt und hat seine Seuchenstrategen sofort in Bewegung gesetzt. Den ersten Corona-Alarm gab es schon Ende Dezember, zu einem Zeitpunkt, als weltweit der Name noch unbekannt war.
Nach dem chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar setzte die Regierung ein Frühwarnsystem in Kraft, indem sie die nationale Gesundheitsdatenbank mit den taiwanesischen Reisedatenbanken zusammenlegte. Die Bürger können jetzt alle ihre Reiseaktivitäten und gesundheitlichen Beschwerden dorthin übermitteln. Deshalb war die Mobilität auf der Insel von Anfang an unter Kontrolle.
Taiwan kann seine Erfahrungen aber leider nicht in die WHO einbringen, weil es von ihr ausgeschlossen wurde, denn die Chinesen wollen dies nicht. Sie betrachten die Insel als ihr Eigentum und ihr mächtiger Arm wirkt nun mal bis zu den Vereinten Nationen. Doch die Weltgemeinschaft will davon nichts wissen. Durch den Boykott geht allerhand medizinisches Know-how verloren, das für den Kampf gegen Corona dringend benötigt würde. Das Motto der WHO »Gesundheit für alle« gilt für 193 Staaten, nur nicht für Taiwan. Im übrigen tut weder Deutschland noch die EU etwas dagegen.
Das Krisenmanagement der Europäische Union
Immer wieder stellen wir unsere EU als unser gemeinsames Bollwerk dar, welches uns im globalen Kampf eine Pole Position und nicht minder den immerwährenden Frieden sichern soll. Das ist unser europäisches Projekt, dem wir immer mehr unterordnen, dem wir unser vollkommenes Vertrauen schenken sollen. Ist es zu viel verlangt dann auch von dieser Institution zu fordern eine Krise auch entsprechend professionell zu managen?
Über Jahre wurde gerade in Deutschland versichert, große Probleme ließen sich nur »durch Europa« lösen, Nationalstaaten seien dafür zu klein. Aber in der gegenwärtigen Krise sind Tschechien, Dänemark, Polen, Österreich, Italien, Spanien und andere Staaten zu einem abweichenden Ergebnis gekommen.
Spätestens mit der vollkommenen Abriegelung der Stadt Wuhan - Mitte Januar - hätte die ECDC in Erscheinung treten müssen. Ich kann mich aber an keine nennenswerte Aussage hinsichtlich dieser exakt dafür geschaffenen Behörde erinnern. An keinen medizinischen Vertreter dieser europäischen Präventivagentur oder deren fachmännischen Rat im Umgang mit dieser Pandemie.
Das Krisenmanagement in Deutschland
Denn am 28. Januar 2020 warnte der Virologe Alexander Kekulé im Bayerischen Rundfunk vor der Pandemie und forderte entschiedene Maßnahmen der Bundesregierung, während unser Gesundheitsminister im ZDF noch »zu Gelassenheit aufrief«.
In der Zwischenzeit feierten wir ausgiebig den Karneval in großen Festsälen und auf den Straßen. Es wurde geschunkelt, gebüzt und fleißig Körperflüssigkeiten ausgetauscht. Auf den Bühnen wurde gewitzelt und etwaige Warnungen der Lächerlichkeit preisgegeben. Und so wurde der Landkreis Heinsberg in NRW zum Epizentrum der deutschen Coronapandemie.
Zwei Monate Friede, Freude, Eierkuchen
Im Februar passierte nichts! Gar nichts! Wer sich dessen versichern möchte, besuche bitte - stellvertretend - den Twitter-Account des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Noch bis zum 13. März war keine einzige aktuelle Corona Meldung zu finden!
Währenddessen breitet sich Corona in Europa ungehindert aus. Irgendwie scheinen diverse Skigebiete in Österreich die Zentren der europäischen Ausbreitung zu sein. Wen wundert‘s? Kann man irgendjemanden den Vorwurf machen, dass er dort seinen Urlaub verbracht hat? Wohl kaum! Denn niemand wusste wirklich was Stand der Dinge war.
So breitete sich das Virus im Februar flächendeckend in Europa und auch Deutschland aus. Noch immer passiert nichts. Menschen reisten ungehindert ein, aus den Skigebieten der Alpen, aus China, aus dem Iran. Egal woher sie kommen, es gab nirgends nennenswerte Kontrollen oder gar Einschränkung. Nahezu ungehindert konnte ein jeder in Europa einreisen.
Erst am 11. März gab die Bundesregierung die erste! nennenswerte Pressekonferenz und was bekamen wir dort von der Kanzlerin höchstselbst zu hören? »Wir werden das Notwendige, das Menschenmögliche tun. Wir haben seit Januar darüber geredet. Wir müssen Prioritäten setzen.« Bleibt nur noch zu klären, wer hat mit wem geredet? Und warum sechs Wochen lang reden ohne zu handeln?
Merkel ist an zwei Stellen konkret geworden. Sie kündigte an, 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung werde an dem Virus erkranken. Und sie wiederholte, das Gesundheitssystem dürfe nicht überlastet werden.
Brechen wir diese Aussagen herunter: 60 bis 70 Prozent von 83 Millionen bedeuten 50 bis 58 Millionen Infektionen. Die Bundeskanzlerin hat keinen Zeitraum für ihre Vorhersage angegeben. Die meisten Virologen rechnen mit dem Höhepunkt der Infektionen im Sommer. So muss der Zuhörer annehmen, dass sich die Zahlen auf diesen Zeitraum beziehen. Bis August wäre demnach mit über 25 Millionen Erkrankungen zu rechnen, und danach bis zum Jahresende nochmals mit weiteren 25 Millionen. Das bedeutet, dass pro Monat fünf Millionen erkranken, auf dem Höhepunkt der Ausbreitung vermutlich bis zu 15 Millionen. Über eventuelle Sterberaten möchten wir erst gar nicht anfangen zu spekulieren.
Ausgerechnet Freitag, der 13.!
In dieser Woche und speziell am Freitag, dem 13. März 2020, also rund drei Monate nach Ausbruch der Infektion in China, zwei Monate nach der Abriegelung der Stadt Wuhan und rund einen Monat nach der Karnevalssitzung, die einen ganzen Landkreis zu drastischen Sanktionen zwang, überschlugen sich die Ereignisse.
Wer sich verlassen fühlt, der verlässt sich nur noch auf sich selber. So mögen wohl diverse Ministerpräsidenten gedacht haben. Allen voran unser MP Hans und sein Kollege Söder in Bayern, die zwar, in Absprache mit der Bundesregierung - wie sie betonten - aber ansonsten eigenmächtig dazu übergingen, tiefe Einschnitte zu verkünden, um das Virus zu bekämpfen.
Mittlerweile in Europa
Italien, nach China das am stärksten betroffene Land der Welt, kommt zum Erliegen. Wie deren Gesundheitssystem nun aufgestellt ist oder nicht, spielt keine Rolle mehr. Das Land geht auf dem Zahnfleisch. Ab dem 3. März haben sich die Zahlen der Neuinfizierten nahezu täglich verdoppelt und mittlerweile gilt auch dort der Ausnahmezustand.
Unsere hochgeschürzte EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen zeigte sich am 16. März enttäuscht, dass alle EU-Mitglieder eigenständig handeln, die Kommission maximal noch informieren. Nahezu alle Länder haben mittlerweile ihre Grenzen geschlossen, den Flugverkehr eingeschränkt, das öffentliche Leben nahezu eingestellt. Alles bis auf die wichtigsten Geschäfte (Nahrung, Sanitär, Apotheken) müssen komplett oder eingeschränkt schließen, den Menschen wird Quarantäne empfohlen oder gar verordnet.
EU-Notfallpläne! Nicht sichtbar oder nicht vorhanden?
Ich erwarte von einer Europäischen Union, die wir jährlich mit Unmengen an Geldern ausstatten, dass sie einen Notfallpläne in der Tasche hat. Nennt mich einen Klugscheißer oder was auch immer, aber ich gebe mich mit den lauwarmen Beteuerungen seitens EU und Bundesregierung nicht zufrieden.
Wozu finanzieren wir eine Behörde, wie die oben bereits erwähnte ECDC, wenn sie nicht in Erscheinung tritt? Warum haben wir eine nationale Behörde für Seuchenschutz, wenn diese nicht eingreift.
Spätestens am 1. Februar hätte die Behörde alle namhaften Experten (Virologen, Pandemieexperten, Institute, Universitäten, Seuchenschutz, etc.) in und aus Europa zusammenrufen müssen. Die WHO hatte bis zu diesem Zeitpunkt genügend Informationen über Herkunft, Klassifizierung, Verlauf, Risikogruppen und Prävention über das Virus.
Verlangsamung als Prävention
Jedoch wurden die Maßnahmen nicht von der EU verschärft. Nein, die Länder handeln alle eigenmächtig und ohne Rücksprache mit der Präsidentin der Kommission oder anderen EU-Behörden. Doch die meisten Maßnahmen zielen nicht darauf ab, das Virus auf eine Region oder einen Landstrich einzudämmen. Es geht nun vor allen Dingen darum, die Ausbreitung von COVID-19 zu verlangsamen und über einen möglichst langen Zeitraum zu verteilen. Dies entlastet das Gesundheitssystem und gibt den Krankenhäusern Zeit. Zeit die gebraucht wird, um Kapazitäten zu vergrößern, um Menschen kurieren zu lassen und damit existente Kapazitäten frei zu machen, und Zeit, um effektive Medikamente zu finden.
Laut Robert Koch Institut hat das Corona Virus eine Basisreproduktionszahl von 2,4 bis 3,3. Das bedeutet, dass jemand, der am Coronavirus erkrankt, im Schnitt 2,4 bis 3,3 andere Menschen ansteckt. Die Krankenzahlen wachsen exponentiell. Für eine Pandemie-Bekämpfung muss die Basisreproduktionsrate so weit wie möglich gesenkt werden. Je geringer sie ist, desto langsamer werden die Menschen infiziert. Kann man die Reproduktionsrate unter 1 senken, so sinkt die Zahl der Erkrankten.
Das allein muss und kann, im Moment jedenfalls, das oberste Ziel sein. Aus diesem Grund sind auch alle bisherigen getroffenen Maßnahmen alternativlos. Und dies hätte die erste Aufgabe eines kompetenten Teams sein müssen, welches die EU bereits vor Wochen hätte autorisieren müssen! Mindestens vier Wochen sind nutzlos vergangen. Vier Wochen, die diese Pandemie hätten eindämmen können.
Hätte die EU bis Mitte Februar zumindest die Außengrenzen geschlossen, damit unterbunden, dass Nicht-EU-Bürger erst gar nicht mehr in die EU einreisen dürfen, alle EU-Bürger die aus Risikogebieten zurückkehren, entsprechend unter Quarantäne gestellt werden, für mindestens drei Wochen Europa nahezu abgeriegelt, unterbunden, dass auch innerhalb nur noch reisen darf, der muss, wozu Urlaube sicherlich nicht zählen, dann könnte es uns schon besser gehen.
Die Folgen von Inkonsequenz sind in der Regel Chaos. Krisenzeiten sind gute Zeiten, zumindest für fähige Politiker! Nur leider stellen wir fest, das dies hierzulande wohl weniger zutrifft wenn wir die Reaktionszeit, vor allem auf Bundes- und EU-Ebene, näher betrachten. Ist nicht die EU per eigener Definition genau dafür geschaffen worden, jenseits nationaler Interessen das Wohl aller Bürger im Auge zu haben und sich um nichts Wichtigeres zu kümmern, als das große Ganze?
Die Bundesregierung unter der Führung von Angela Merkel und die Europäischen Union unter Ursula von der Leyen haben aber auf ganzer Linie versagt. Die viel beschworene Einheit ist dahin, wenn es sie jemals gegeben hat. Jedes Land verlässt sich nur noch auf sich selber. Brüssel findet nicht mehr statt.
Am 11. März hat sich unsere Bundeskanzlerin erstmals dazu geäußert. Bis dahin überließ sie das Krisenmanagement den Ministerpräsidenten und/oder dem Bundesgesundheitsminister. Vergleichen wir ihre Handlungsweise mit der ihrer Amtskollegen in Österreich oder Italien, so macht sie keine gute Figur. Während Sebastian Kurz jede Maßnahme besonnen und mit einfachen Worten seinen Mitbürgern erläutert oder Giuseppe Conte, sein Italien konsequent, aber mitfühlend durch die schlimmste Krise des Landes seit Kriegsende führt, tritt Merkel ab und an auch mal auf und verkündet was? Glaubt irgendwer noch, dass sich Söder mit der Kanzlerin abstimmen würde? Das mag er zwar nicht offen zugeben, aber wer will dies noch glauben?
Achtung Klugscheißer!
Ja ich weiß, niemand mag Klugscheißer und meine Argumentation im Konjunktiv mag nun genauso klingen, jedoch bin ich bei weitem nicht der Einzige, der dies so sieht.
Ja, ein tief verunsichertes Land braucht Führung in Zeiten der Krise. Viele ihrer Vorgänger im Amt haben diese Führungsstärke in Krisenzeiten bewiesen. Während dem »Deutschen Herbst« 1977 lies sich Helmut Schmidt nicht beirren und hatte außergewöhnliche Antworten auf außergewöhnliche Situationen. Dabei war im stets bewusst, dass ein Fehlschlag sein Lebenswerk vermutlich zerstört hätte. Man mag beide Krisen nicht miteinander vergleichen können, da sie vollkommen andere Ursachen und Wirkungen hatten und haben, jedoch hätte Schmidt nur einen Fehler in Mogadischu begangen, so hätte nicht nur er zurücktreten müssen.
Während ein Land nach dem anderen seine Grenzen schließt, um die Kontrolle zu bewahren, hört man aus dem Kanzleramt nichts als Floskeln. Man könnte ihr nun zu Gute halten, dass sie ja ein umfangreiches Paket geschnürt hat, welches die deutsche Wirtschaft entlastet, aber hier geht es um mehr, als nur Staatsknete flüssig zu machen, um die Folgeschäden abzufedern, die sich noch einmal im Ansatz beziffern lassen.
Doch weder die EU noch die Bundeskanzlerin haben eine Antwort auf die Pandemie, die ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht hat. Das sehen wir deutlich, da nun die Mitgliedsstaaten eigene Maßnahmen verhängen.
Es bedarf wohl keiner Diskussion darüber, dass Panik noch nie ein guter Ratgeber war, wenn auch ein Teenager dies bspw. in der Klimakrise forderte. Und es geht auch nicht darum Panik hinsichtlich der derzeit grassierenden Pandemie zu schüren. Im Gegenteil! Es geht um Aufklärung.
Währenddessen tickt ein Großteil der Bevölkerung total aus und hamstert was das Zeug hält. Ein anderer Teil steht vor enormen Herausforderungen hinsichtlich der Betreuung ihrer Kinder und alle werden weitgehend allein gelassen von der Kanzlerin. Wären nicht unsere regionalen Vertreter, wie Bürgermeister, Landräte und zum großen Teil auch die Landesregierungen so fleißig dabei Lösungen zu finden, würde hier alles gänzlich zusammenbrechen.
Auch alle Mitarbeiter im medizinischen Dienst machen einen Mega-Job und ihnen können wir gar nicht genug danken. Hier in der Provinz erlebe ich zudem einen großen Zusammenhalt und Verständnis für die ergriffenen Maßnahmen, die große Einschnitte bedeuten.
Nichts ist mehr wie es ist. Wird es denn irgendwann wieder so sein? Mein Vertrauen in die Bundesregierung ist dahin. Keine weitere Maßnahmen kann mich weder überraschen noch überzeugen. Derzeit vertraue ich lediglich noch der Medizin und unseren regionalen Vertretern in der Politik.
Es ist mir auch ziemlich egal, wenn nun ein Shitstorm über mich hereinbricht und stehe zudem was ich hier schreibe. Alle Zahlen, Fakten und Daten sind jederzeit nachprüfbar. Bedient habe ich mich diverser öffentlich zugänglichen Quellen, wie Tageszeitungen, Magazine und Internetportalen.
Die Schlussfolgerung hingegen beruhen allein auf meiner persönlichen Einschätzung und können gerne kritisiert werden. Sollte mich irgendjemand eines Besseren belehren, so werde ich mich dem gegenüber nicht verweigern.
Wir brauchen einen konsequenten Plan und entsprechende Personen, die ebenso konsequent zum Handeln bereit sind. Gerne lasse ich mir derzeit meinen persönlichen Handlungsspielraum temporär einschränken, wenn ich auch stets wachsam die einzelnen Schritte verfolgen und bewerten werde.

 

Jedoch bin ich davon überzeugt, dass wir es nur so schaffen werden, nicht die vollkommene Kontrolle zu verlieren. Das Fehler gemacht wurden und auch noch gemacht werden, nehme ich hin, denn das ist nur menschlich. Fahrlässig ist es jedoch nicht zu handeln. Lieber vier Wochen Stillstand, als monatelang der Ausnahmezustand. Der EU, als auch der Kanzlerin traue ich jedoch nicht mehr und das ist sehr bedauerlich.
Alexander Scheid

 

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Kommentare: 13
  • #1

    klare kante (Mittwoch, 18 März 2020 06:32)

    kann nur jedem das tägliche update mit dem virulogen der charite berlin ans herz legen. klare deutliche einschätzung der lage, keine derzeit völlig unangebrachten schuldzuweisungen.

    https://audiothek.ardmediathek.de/programsets/72451786

    ...bislang ist in der menschheitsgeschichte noch jedes problem gelöst worden. das problem ist nur immer, das diejenigen, die an lösungen arbeiten sich parallel noch um die untätige horde von besserwissern, schuldzuweisern und notorischen nörglern kümmern muss.

  • #2

    Kenner (Mittwoch, 18 März 2020 08:53)

    Statt einen solchen Bullshit zu verzapfen lieber mal selbst anpacken...!

  • #3

    Birgit Bauer (Donnerstag, 19 März 2020 12:51)

    Viel Wissen heißt noch lange nicht dass man auch Ahnung hat. Ich kann 100 Rezepte studieren und analysieren das heißt aber nicht dass ich auch kochen kann. Die Politik ist ist keine Einbahnstraße sondern viele Räder die mit einander verzahnt sind. Ich möchte mit keinem der verantwortlichen tauschen müssen weder vor während und nach der Coronakrise. Thailand hat es gut gemacht aber Land und Bevölkerung mit Deutschland oder Europa zu vergleichen finde ich nicht sehr weitsichtig. Ein kleines Land ohne den Lebensstandard wie wir ihn haben und unbedingt erhalten wollen kann soschnell und ohne Rücksicht reagieren. Ich will mir gar nicht vorstellen wie man reagiert hätte wenn im November schon solch Maßnahmen ergriffen worden wären. Ich wünsche allen dass wir diese Zeit gut und gesund überstehen.

  • #4

    Kenner (Donnerstag, 19 März 2020 14:13)

    Dieser Text ist mal wieder komplett unnötig und einfach nur Mist!

  • #5

    betroffene (Donnerstag, 19 März 2020 16:55)

    zum Glück ist der Text nicht auf Klopapier geschrieben.... das ist momentan auch zu knapp,
    und man muss ihn nicht lesen.
    Rücksichtnahme und Abstand hilft uns allen.

  • #6

    Alexander Scheid (Donnerstag, 19 März 2020 17:49)

    Liebe Birgit,

    Herrlich wenn man mit Anderen diskutieren kann, die man kennt und auch den A in der Bux haben, hier öffentlich aufzutreten. Man kann auch gerne unterschiedlicher Meinung sein und trotzdem respektvoll miteinander umgehen.

    Zu Deiner Kritik. Bezüglich Wissen und Ahnung, münze ich dies einfach mal um auf die Politik. Klar kann man die Verantwortlichen in Berlin in Schutz nehmen, aber dahinter verbirgt sich ein knallhartes System. Dorthin gelangt nur, wer seine persönliche Karriere über alles andere stellt. Sie in Schutz zu nehmen, man möchte nicht mit Ihnen tauschen, gilt andersrum nicht. Von d3nen möchte keiner mit Dir tauschen. Insofern stimmte es leider nicht mit der Einbahnstraße.

    Ich mache Politiker nicht den Vorwurf nach Macht zu streben. Ich mache ihnen aber den Vorwurf, wenn sie selbige missbrauchen.

    Zur Einordnung. Lies Dir bitte das verlinkte Dokument durch. Habe ich auch erst nach der Veröffentlichung gefunden. Ab Seite 55 wird es interessant. Ziemlich detailliert wird dort die derzeitige Situation beschrieben.

    Es gibt also eine Blaupause, wie in einem solchen Fall zu handeln ist. Es soll niemand sagen, er hätte es nicht gewusst. Entweder war das in Berlin niemandem bekannt oder es war jedem egal. Du kannst Dir aussuchen, was schlimmer ist.

    Ich darf, ich muss von unserer Regierung verlangen können, das sie im Sinne unseres Landes handelt. Tut sie das nicht, dann sehen wir gerade, wohin das führt.

    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf

    Dieses Dokument hat der Bundestag verabschiedet und es handelt sich dabei nicht um eine Verordnung zur Einführung von Karamellbonbons, dessen Beschluss man ja mal vergessen kann.

  • #7

    Alexander Scheid (Donnerstag, 19 März 2020 18:03)

    Lieber Kenner,

    Schön, wenn man sich so toll ducken kann beim Steine werfen. Wahrscheinlich läuft sogar der Sabber beim Empören. Bullshit, Müll und unnötig sind drei wahrhaft aussagekräftige Vokabeln. Kann man getrost und überall einsetzen.

    Nehmen Sie doch bitte nur zu einem Fakt Stellung. Ich habe geschrieben, dass Sie mich in meiner persönlichen Einschätzung gerne kritisieren können, aber finden Sie nur ein unwahres Wort hinsichtlich Daten, Zahlen und Fakten zur Chronologie bzw. getroffenen Aussagen, dann krieche ich Ihnen virtuell zu Kreuze.

    Inzwischen mögen sich die Zahlen ein wenig verändert haben, aber da ich keine interaktive Grafiken erstelle, sei mir dies doch bitte verziehen. Soviel Großmut sollte ein Kenner doch schon haben, oder?

    Noch was! Ich könnte, so ich dies wollte, mein Anpacken demonstrieren und mich messen lassen. Kann der Kenner das auch? Sorry, stimmt ja, dafür wäre ja ein Arsch in der Bux nötig ...

  • #8

    Hasborner (Donnerstag, 19 März 2020 19:50)

    Klare Kante hat nur einen Hinweis gegeben auf Fachleute. Dass er dann so unqualifiziert attackiert wird, ist sehr bedenklich. Nur weil er anonym einen Kommentar sendet. Zum Vergleich Deutschland und Thailand nur soviel: Deutschland hat eine Fläche von 357386 qkm, das kleine Thailand 513120 qkm. Nur soviel zu der Bemerkung "keine Ahnung"

  • #9

    Alexander Scheid (Donnerstag, 19 März 2020)

    Werter Hasborner,

    die Klare Kante bin ich aber nicht angegangen. Nur den Kenner. Und Thailand spielte in meinem Artikel keine Rolle. Ich beschäftige mich mit Taiwan. Im übrigen hat Taiwan im Vergleich zu D folgende Dichte in der Bevölkerung, was eine größere Rolle spielt.

    232 zu 656 Einwohner pro km²

    In dieser Dichte und mit den engen Beziehungen und Verflechtungen zu China gleicht es einem Wunder, dass dieses Land so glimpflich davon kam. Oder einfach besser und schneller gehandelt hat!

  • #10

    Detlef (Donnerstag, 19 März 2020 21:41)

    Lieber Herr Scheid!
    Sie scheinen ja unendlich viel Zeit zu haben. Diese könnten sie viel nützlicher einsetzen. Überall werden händeringend Erntehelfer gesucht. Bitte bewerben !!

  • #11

    Kenner (Donnerstag, 19 März 2020 21:52)

    Ja, Zeit scheint bei diesem Scheid unbegrenzt zu sein. Anscheinend muss er auf seiner Arbeit nur hinter einem Monitor sitzen und aufpassen das keiner in ein Gebäude geht...

    Es werden Erntehelfer, Leute fürs Krankenhaus und sonstige gesucht. Lassen sie ihr dummes Gerede und packen sie an!

  • #12

    Hasborner (Donnerstag, 19 März 2020 22:10)

    Ich meinte nicht Sie, es war eine gewisse B.B. gemeint.

  • #13

    Emmeline (Dienstag, 04 August 2020 13:40)

    Mein Geliebter hat sich von mir getrennt, ich bin Emmeline. Ich weiß, es war meine Schuld, die ihn dazu gebracht hat, sich von mir zu trennen. Er hat mich beim Plaudern erwischt. Es gab einen Jungen, den ich meinen Freund als Droge bezeichne und der Sex mit mir hatte. Dann hat mein Geliebter mich erwischt uns, dann hat er mit mir Schluss gemacht, ich liebe ihn so sehr, ich flehe Tage, Wochen und Monate an, er war nicht einverstanden, mich wieder aufzunehmen, ich las online, wie ich meinen Geliebten zurückbekomme, dann stieß ich auf einen Artikel darüber, wie ein Frau bekam ihren Ehemann zurück, der sich von ihr scheiden ließ, sie sagte, dass Dr. Sacre ihr half, einige Gebete zu verrichten, und ihr Ehemann ist zurück zu ihr, dann kontaktiere ich Dr. Sacre und erkläre, was passiert ist, dann half er mir, einige Gebete zu verrichten, und mein Geliebter kam flehend zurück Es tut mir leid, dass er mich immer noch liebt und heute sind wir wieder zusammen und ich verspreche, nie mit ihm zu plaudern. Heute freuen wir uns beide. Wenn Sie auch Hilfe von Dr. Sacre benötigen, kontaktieren Sie ihn unter der WhatsApp-Nummer +2349076034359. Sie können ihm auch eine E-Mail senden sacretempleofpower@gmail.com für Hilfe