Die Begegnung mit dem schwarzen Hund in Güdesweiler

Gemeinde Oberthal

Wenn die Rede von Rixius Varus ist, dem wilden Jäger, der an der Teufelskanzel am Leistberg

oder an ,,Ames Borre" in Sturmnächten sein Unwesen trieb und zudem ein buckliges altes Männchen an der Wildfrauhöhle dem einsamen Wanderer am späten abend auf den Rücken sprang und dann noch ein furchterregender schwarzer Hund sein Unwesen in  Güdesweiler trieb, so müssen wir die Zeit etwas zurückdrehen und können froh sein, dass wir in dieser Zeit noch nicht auf der Welt waren.

 

Um 1900 als Rudolf Just aus Oberthal in seinem neunten Lebensjahr wöchentlich zweimal nach Güdesweiler zum Klavierunterricht ging zu Franz Lieblang, war ihm oftmals in den dunklen Wintermonaten bange, nach dem Unterricht den Nachhauseweg anzutreten. Die Straßen waren menschenleer damals in dem kleinen Ort, als Pferdegespann und Kuhwagen noch den täglichen Lebensablauf angaben.

 

Obgleich Rudolf, wie er selbst sagte,  doch ein kräftiges und beherztes Kerlchen in seiner Dorfbubenzeit war, war auch er von Aberglaube und Weltbangigkeit nicht ganz frei. Wenn dann in den Kiefern am Scheuerberg der Fuchs bellte und die Ginstersträucher am Wegesrand nach Oberthal wie finstere Spukgestalten aussahen, fielen Rudolf auf dem Heimweg von Güdesweiler nach Oberthal, besonders auf der ,,Loch", Gruselgeschichten aus dem Dorfklatsch ein.

 

So war er dann froh den Revolver aus der Nachttischschublade seines Vater, heimlich entnommen zu haben und bei sich zu tragen. Wie man mit dieser Waffe umzugehen hatte, die wie eine Flinte knallte, wusste er bereits. Als er nach dem Unterricht die Güdesweiler Schule abends verließ, war es schon duschter. Nachdem er schon ein gutes Stück hinter sich gelassen hatte und den Hang zur Loch hinauf ging, wurde Rudolf so richtig das Fürchten beigebracht.

 

Plötzlich bemerkte er einen großen schwarzen Hund neben ihm, der mit ihm Schritt hielt. ,,Ich erschrak bis in die große Zehe hinein", erzählte er. ,,Der Atem stockte mir und das Herz blieb mir fast stehen. Was wollte das schwarze Ungeheuer von mir? ". Die Augen des mächtigen Tieres phosphoreszierten. ,,Wer dem begehnt on net schnell et Kreuz schläht, der is verlor", hatte einst die alte Matzen Bas Kätt gesagt. 

 

Das fromme Zeichen half aber nichts, denn der Hund wich nicht von Rudolfs Seite. In einer solchen notvollen Lage, wie sie unerwartet auf Rudolf hereingebrochen war, zückte er seine Schusswaffe und ging auf das vermeintliche Höllengespenst los. Der Revolver krachte, ein greller Feuerstrahl zerriss die Dunkelheit der Nacht. Aber von dem Untier war plötzlich nichts mehr zu sehen, es war in der Finsternis verschwunden. Wie weggeblasen.

 

Über das Vorkommnis wurde in Güdesweiler, wie auch in den Gaststätten in Oberthal viel gesprochen. Wem der schwarze Hund gehörte und wo er her kam hatte Rudolf Just nicht erfahren können. Aber ab diesem Zeitpunkt, achtete sein Klavierlehrer darauf, dass Rudolf nur noch am hellen Tage zwischen Güdesweiler und Oberthal unterwegs war. 

 

Isabelle Möller

Quelle: 750 Jahre Güdesweiler

( Eine Erinnerung aus der Bubenzeit von Rudolf Just, dem Heimatdichter, Heimatforscher und Ehrenbürger von Güdesweiler)

 

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