Wie läuft es im Seniorenheim St.Stephanus in Oberthal zu Zeiten von Corona

Gemeinde Oberthal

In Pflegeheimen leben Menschen, die zu einer gefährdeten Risikogruppe für SARS-CoV-2 („Corona-Virus“) zählen: sie sind in der Regel hochaltrig und haben vielleicht 

Vorerkrankungen. In der Gruppe der über 80-Jährigen liegt die Sterberate nach aktuellem Stand der Dinge bei etwa 15 Prozent. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen müssen daher besonders geschützt werden. Aber wie sollten sich Angehörige jetzt verhalten und was tun die Einrichtungen? Ich habe mich mit der Heimleitung Frau Wecker darüber unterhalten wie es im Seniorenheim St.Stephanus derzeit läuft.

 

,,Gerade die Zeit Mitte März haben uns vor große Herausforderungen gestellt", erzählt Frau Wecker. ,,Wir haben uns die Frage gestellt, wie können wir unsere Bewohner, die ja zu der Hochrisikogruppe gehören, am besten schützen? Dazu haben wir Pandemiepläne erstellt, die ständig der aktuellen Situation angepasst werden müssen und auch Handlungsanweisungen für die Mitarbeiter erstellt. 

 

Alle Arzttermine sowie Therapietermine mussten abgesagt werden und mit den zuständigen Ärzten abgeklärt werden". Wie aber gingen die Besucher bzw. die Angehörigen mit der Situation um? ,,Ja, das war der schmerzlichste Einschnitt, das allgemeine Besuchsverbot", fügt Frau Wecker hinzu. ,, Nur ganz wenige Ausnahmen wie Rettungsdienste, Ärzte oder natürlich das eigene Personal sollten das Haus betreten dürfen".

 

Was die Heimleitung besonders freut, dass die Angehörigen insgesamt sehr verständnisvoll und diszipliniert darauf reagiert haben. ,,Denn das hatte uns einige schlaflose Nächte gekostet". Jeden Tag war eine neue Situation für das ganze Team von St.Stephanus zu meistern. Und auch jetzt treffen sich alle Mitarbeiter und Teamleiter jeden Morgen zu einer Lagebesprechung. Alles musste auf den Prüfstand. Aber nun wäre etwas Ruhe eingekehrt.

 

Einige der Bewohner haben Ängste, aber die meisten wären sehr gelassen. Und wer glaubt, dass die Senioren nicht über die Lage informiert wären, liegt falsch. Denn eine der Angehörigen berichtete mir, dass ihre Mutter immer auf dem neuesten Stand in Sachen Corona sei und sie manchmal schon besser informiert war, als sie selbst.

 

Schwierig ist die Situation im Umgang mit den Bewohnern mit Demenz. Gerade der Körperkontakt ist für diese Bewohner so wichtig, erklärt Frau Wecker. Den Sicherheitsabstand zu anderen Bewohnern einzuhalten ist hier sehr schwierig bis unmöglich. Einige Bewohner wiederum führen die Händedesinfektion schon wie Profis durch, erzählt die Heimleiterin schmunzelnd.

 

,,Aber einiges an Kopfzerbrechen hat uns das soziale Angebot bereitet. Wir sind davon überzeugt, dass durch soziale Isolation und Bewegungsmangel andere gesundheitliche Probleme entstehen. Deshalb kommt den Betreuungskräften in dieser Phase eine besondere Bedeutung zu. Wir sind weggegangen von den Gruppenangeboten zu Kleingruppen oder Einzelaktivierungen. Auch neue kreative Wege haben wir gesucht und so entstand auch neben der üblichen Heimzeitung ein Heft mit Mandalas, Rätseln, Geschichten zum Zeitvertreib". 

 

,,Auch unser schöner Garten hinter dem Haus mit altem Baumbestand haben wir bisher kaum genutzt. Jetzt haben wir dort ein Hochbeet aufgestellt und können Spaziergänge oder den Aufenthalt im Freien ermöglichen und dies ist mit einem entsprechenden Abstand möglich".

 

Da alle Gottesdienste ausfallen, beten Mitarbeiter nun öfter mit den Bewohnern den Rosenkranz oder sie weichen auf Fernsehgottesdienste aus. Eine besondere Bedeutung hat die Aufrechterhaltung der Kontakte zu den Angehörigen. ,,Besonders die Angehörigen leiden unter dem Besuchsverbot", so die Heimleitung. ,,Es war uns gerade in dieser besonderen Situation wichtig den Kontakt aufrecht zu erhalten. Unsere Angehörigen bekommen Infomails, damit sie wissen, wie die Situation bei uns im Haus gerade ist".

 

Dabei werden andere Formen des Kontaktes angeboten, z.B. über Skype, was auch bereits von Angehörigen und Bewohnern genutzt wurde. Die Mitarbeiter helfen beim Telefonieren oder lesen E-Mails vor. Eine Mitarbeiterin hat auch Karten besorgt, damit Bewohner an einige Angehörigen schreiben können. Und natürlich sind auch bei Mitarbeitern Ängste vorhanden.

 

Ein großes Problem ist die Schutzausrüstung. ,,Wir haben bereits im Februar Vorräte in verschiedenen Bereichen angelegt und haben deshalb z.B. noch genügend Handschuhe und Desinfektionsmittel. Der dringend benötigte Nachschub an Mund-Nasenschutz fehlt jedoch fast vollständig, der war bereits im Februar schon ausverkauft", sagt Frau Wecker. Die Krise bringt gute und schlechte Charaktereigenschaften zutage, denn es zeigt sich, dass auch hier die Hilfsbereitschaft sehr groß ist, denn aus Haupersweiler, so kam die Info an die Saar-Heimat, hätte eine Bürgerin selbstgenähte Mundschutz-Masken an das Heim gestiftet.

 

,,Uns ist bewusst, dass dies nur ein sehr begrenzter Schutz ist, aber eben besser als gar nichts", sagt Frau Wecker. Besonders gut sei die Zusammenarbeit mit Hausärzten. ,,Hier sind wir im täglichen telefonischen Kontakt und dies ist uns eine große Stütze. Uns haben auch Angebote erreicht von Menschen, die uns Ihre Hilfe beim Personalnotstand angeboten haben".

 

Glücklicherweise ist die personelle Situation im Seniorenheim St.Stephanus momentan entspannt. Die Tagespflege in Bliesen ist derzeit komplett geschlossen. Trotz Ergreifens aller möglichen Sicherheitsvorkehrungen, kann leider nicht jedes Risiko ausgeschlossen werden. Frau Wecker und das gesamte Team sind sehr dankbar, dass bisher kein Bewohner oder Mitarbeiter infiziert ist. ,,Uns gehen momentan so viele aufmunternde und bestärkende Worte per Mail oder Telefon von den Angehörigen ein, das tut in dieser Situation sehr gut".

 

Vielen Dank Frau Wecker, dass sie sich in dieser schwierigen und stressigen Zeit ein paar Augenblicke frei genommen haben für eine Berichterstattung der Saar-Heimat.

 

 Isabelle Möller ( die gemalten Bilder sind von Kindern an die Heimbewohner )

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    RW (Dienstag, 07 April 2020 07:47)

    Die Angehörigen können St. Stephanus vertrauen !