Die Kirche im Dorf lassen.......

St.Wendel

Landrat Udo Recktenwald über das kirchliche Leben in unseren Dörfern:

 Die Kirche im Dorf lassen.

Quidquid agis prudenter agas et respice finem. Was immer du tust, tue es klug und beachte das Ende.

,,Als ich im September 2018 

 

meinen Brief an den Trierer Bischof Stephan Ackermann mit diesem Zitat aus unserem historischen Sitzungssaal begann, hätte ich nicht geahnt, welche Wellen die geplante Bistumsreform schlägt und dass sie vom Vatikan in der geplanten Form gestoppt wird.

 

Dass ich Anfang Oktober 2018 in Trier und in Rom war, um den Brief persönlich auszuhändigen, nein, Spaß beiseite, das war eher Zufall. Dann war ich Redner der Demo in Trier am 20. Oktober, habe die Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ unterstützt, ein Moratorium gefordert, einen intensiven Meinungsaustausch mit dem Generalvikar und Synodenvertretern geführt. All das war sehr lohnenswert.

 

Lange hatte ich zuvor mit mir gerungen, ob ich mich als Politiker angesichts vieler aus den Pfarreien an mich herangetragener Sorgen und Befürchtungen, ausgedrückter Enttäuschung und Verbitterung überhaupt in diese kirchliche Strukturfrage einmischen soll. Aber als Landrat ist mir das Wohl der Bürgerinnen und Bürger oberste Verpflichtung, die Daseinsvorsorge ein zentrales Anliegen.

 

Dabei spielt das kirchliche Leben in unseren Dörfern, das ehrenamtliche Engagement vieler guter Geister eine ganz zentrale Rolle. Dies gilt es zu erhalten und zu stärken, damit die Kirche im Dorf bleibt, und mit ihr gelebte christliche Werte, die ein soziales Miteinander in unserem Gemeinwesen ausmachen - nie war dies so wichtig und wertvoll wie gerade heute und jetzt. Darin lag und liegt meine Motivation, zumal auch ich Bürger und Mitglied im Pfarrverwaltungsrat bin, auch für die Wahl in den Rat der Pfarrei der Zukunft kandidiert hätte, zu der schon eingeladen war, zu der es dann aber nicht mehr kam.

 

Zukunft gewinnen wir mit denen, die Gegenwart gestalten. Wir müssen alle mitnehmen, nicht durch Zwang von oben nach unten, sondern durch organisches Wachsen von unten nach oben. Dort, wo die Arbeit der Pfarrei vor Ort funktioniert - schön, dann soll sie das auch weiterhin. Dort, wo sie nicht mehr funktioniert - schade, dann wissen die vor Ort am besten, was zu tun ist.

 

Subsidiaritätsprinzip ist das Gebot der Stunde.
Mir ist nicht egal, was aus dem kirchlichen Leben in unseren Dörfern wird. Nicht egal, ob Kirchen geschlossen werden. Nicht egal, ob christliche Wertevermittlung aus Kitas, Schulen, Seniorenheimen und Gemeindeleben verschwindet. Zum Dorf gehört der Kirchturm. Am Kirchturm erkenne ich mein Dorf.

 

Nutzen wir die Verschnaufpause zum Durchatmen, besinnen uns, halten das Rad an, denken neu nach. Vieles ist gut und richtig, was die Synode denkt und vorschlägt. Veränderungen finden statt, Reformen müssen sein. Aber bitte nicht mit dem Holzhammer wie der Elefant im Porzellanladen. Bitte behutsam mit den Menschen vor Ort. Ich danke den Pfarrern der Region, die mutig und offen ihre Kritik äußern und sich nicht verbiegen, die Gesicht und Flagge zeigen, weil sie als Seelsorger vor Ort am besten wissen, was zu tun ist, nah am Menschen, nah am Seelenleben der Gemeinde.

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Kommentare: 1
  • #1

    Albert Paliot (Mittwoch, 22 Juli 2020 16:44)

    Danke Herr Landrat Recktenwald für Ihre Einschätzungen.

    Ja, die Kirche soll in den Dörfern und Städten bleiben. Die Kirche als Ort der Gegenwart Jesu Christi im Tabernakel, als Raum der Versammlung der Katholiken zum gemeinschaftlichen Gebet (Rosenkranz bspw.) und insbesondere der würdigen Feier der hl. Eucharistie.

    Stimmen Sie damit überein Herr Recktenwald, daß es dabei vor allem auf die wieder neu zu entdeckenden immergültigen Glaubenslehren und Lehren der Kirche wie sie überliefert sind ankommt?
    Seit den 60er Jahren jagt eine "Reform" die nächste und was heute gilt, ist einige Jahre später schon nicht mehr aktuell. Aber an der wahren Reform, zurück zu Gott, zum wahren Glauben, den Sakramenten sind leider viele offenbar nicht interessiert. Und jetzt könnte man leider reihenweise Namen auch von Theologen sagen- Lebende wie schon Dahingeschiedene.

    Aber: "Hier in Marpingen beginnt der Triumph meines Unbefleckten Herzens in Deutschland" sagte Maria, die Muttergottes und unsere Mutter im Jahre 1999. Und dieser Triumph in Demut und Liebe vollzieht sich in den Herzen.