Wer kann sich noch an sie erinnern? - Die ,,Lehm Anna" vom Tante-Emma-Laden in Oberthal

Gemeinde Oberthal

Das ist wahrlich ein Stück Oberthaler Geschichte. 58 Jahre stand die damals 87-jährige Anna Therre, die 1907 geboren wurde, in ihrem Laden an der Oberthaler Hauptstraße, neben der Eiche, zwischen  Obst, Gemüse und Käse. Und immer hatte sie

 

 

für jeden Kunden ein offenes Ohr, kannte die Sorgen und Nöten der Menschen, ja sogar den Geschmack jedes einzelnen Kunden. Und von so manchem Kunde wusste sie gar die ganze Familiengeschichte. ,,Was machen wir nur ohne dich", fragten da viele Kunden, als damals vor Silvester bekannt wurde, das nun der Laden geschlossen werde. Es war eben nicht nur ein gewöhnliches Geschäft, sondern eine Institution.  Denn dort haben sich die Oberthaler immer den Dorfklatsch geholt, das neuste vom neusten. 

 

Wer in anderen Geschäften nur eine Nummer war, der hatte hier sein exklusives Schwätzchen. Als der Schwiegervater von Anna Therre 1927 den Laden eröffnete, war es nur ein kleiner Bäckerladen. Mit der Pferdekutsche hatte man damals noch das Brot zu unseren Nachbarn nach Bliesen geliefert. Als dann 1940 Anna und ihr Mann Bernhard Therre das Regiment übernahmen, gab es in der Kriegszeit richtig viel zu tun. Und nebenan war ja noch der Bäckerladen vom Mörsdorf. 

 

Während dieser Zeit gab es Märkchen für Lebensmittel, viele Flüchtlinge kamen in den Laden und Anna war während der Kriegszeit nie in einem Luftschutzbunker gewesen, wie sie damals sagte: ,,Ich hatte zuviel zu tun", erzählte sie. Rewe belieferte den Laden immer mit Ware. Und einzige Hilfe nach dem Tod ihres Mannes, war Mathilde Naumann, unsere fleißige Rinnenkehrerin und Friedhofsgeherin noch bis vor einiger Zeit. Und fast hätt ich sie verwechselt mit unserer ,,Alt Apothekersch", die jedes Blatt noch einzeln vom Gehsteig aufraffte, der reinste Wahnsinn war das. Mathilde dürfte heute 85 Jahre alt sein, sie arbeitete damals von 14 - 18 Uhr bei Anna im Laden.

 

Und wer ohne Geldbeutel mal den Laden betrat, der konnte auch bei ,,Lehm Anna", wie sie liebevoll von den Oberthalern genannt wurde, 3 Tage später bezahlen. Auch nach 22 Uhr gabs noch Hefe und wer nach Feierabend noch Eier brauchte, konnte bei ihr einfach klingeln. Scherzhaft sagte sie noch, wenn sie jetzt aufhört, mache sie einen auf arbeitslos........aber auf die Frage, was sie nun so den ganzen Tag treibe - Nun ihr großes Haus putzen, in die Kirche gehen und auf den Friedhof.........Für Reisen hatte sich ,,Lehm-Anna" nie so interessiert. Da blieb sie lieber im heimischen Oberthal.

 

Und sie hoffte, das die Oberthaler sich später noch erinnern werden, dass es bei ihr das beste Eis von Oberthal gab.....

Und dass ,,Lehm Anna" nicht gerne zum Doktor ging, sie erinnerte sich, dass sie 16 Jahre nicht dort war, hat ihr nichts geschadet, denn sie wurde 101 Jahre alt. Gestorben ist sie im Jahre 2008.....

 

Text: Isabelle Möller, Infos, Bild: Geschichts- und Heimatverein Oberthal.....und wenn ich die Hilli net hätt.....

 

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Kommentare: 7
  • #1

    Hilli (Montag, 19 Oktober 2020 09:39)

    Schöner Bericht Isa,lehm Anna hatte die beschte Weck,und das beschte Vanilleeis und immer Zeit für einen,mir hatte sie damals verraten wie sie die Füllung für den Baumstamm machteSchokoladenpudding,und zwei Stückchen Blockschokolade mit Kochen,dann wird der Pudding fest und schmeckt besser,mache ich heute noch.Lehm Anna war schon ein Orginal und auch Mathilde,immer freundlich,hilfsbereitund Lieb.Solche Menschen gibt es nicht oft.

  • #2

    Monika (Montag, 19 Oktober 2020 23:56)

    Ich kann mich auch noch gut an Lehm Anna erinnern, an das gute Eis in den Waffeln und die leckeren Kaffeestückchen.

  • #3

    A. Jana (Dienstag, 20 Oktober 2020 01:08)

    Es ist eine wunderschöne Geschichte . Ich habe Sie leider noch gekannt . Aber früher war das in den Tante Emma Läden wohl überall so und sollte auch so bleiben . Ich habe ein anderen Laden gekannt der auch so eine liebe Tante gehabt . Wir hatten sie alle unsere Dorf Oma genannt � schöne Erinnerung die auch niemals vergessen werden dürfen .. !!!!
    Ich bin mir ganz sicher das auch diese Frau eine Dorf Oma war . Was natürlich lieb gemeint ist , denn nur wer immer für alles und jeden ein offen Ohr hat darf sich so nennen ... und ich persönlich mag Dorf Omis �

  • #4

    Chris (Dienstag, 20 Oktober 2020 18:59)

    Auch ich hatte solche Grosseltern. Es war in Kleinblittersdorf "de Schneider Felix" die hatten noch einen Papagei. Es war eine schöne Zeit

  • #5

    Patrick (Dienstag, 20 Oktober 2020 22:14)

    Schöne Erinnerung an meine Oma die 2008 schon verstarb

  • #6

    Rita (Dienstag, 20 Oktober 2020 23:31)

    Auch ich kann mich gut an dieses Geschäft erinnern.
    Wir gingen oft von Bliesen nach Gronig unsere Oma besuchen. Im Sommer machten wir an diesem Geschäft immer Station, um Eis zu kaufen. Es war das beste Eis der Welt!!!ì

  • #7

    Thomas (Mittwoch, 21 Oktober 2020 19:57)

    Soso Patrick dann hatten wir wohl zusammen die gleiche Oma ... ;-)
    und sie schrieb ihre Rezepte in altdeutscher Schrift in ein schwarzes Rezeptbuch...
    Der 'echte Steinbackofen' steht auch heute noch...keine Steine im Elektroblechofen... um 2-3 Uhr nachts wurde angeheizt mit Holz dann Kohle und Brikett.. dann wurde mit einem Schiesserholz und einem vorne befestigten befeuchteten Lappen durchgewischt. Dann wurden nacheinander Brot, Doppelweck, Kuchen und Kleingebäck oder abgebacken... dazwischen wurde 'geschwärmt' d.h. Wasser eingleitet das schlagartig verdampfte... und was es heute kaum noch gibt: echtes Leinsamenbrot