Güdesweiler Erinnerungen aus einer früheren Zeit von Franz Will

Geschichts- und Heimatverein Oberthal
Geschichts- und Heimatverein Oberthal

Gemeinde Oberthal

 

Im November 1996, hat der Verein für Geschichte und Heimatkunde Oberthal ein Büchlein mit dem Titel ,,Güdesweiler Erinnerungen", von 

Franz Will herausgebracht. Dieses Buch gibt es nicht mehr zu kaufen und so möchte ich in mehreren Abschnitten aus den Erzählungen von Franz Will aus Güdesweiler Teile daraus veröffentlichen. Unter Mitarbeit von Hubert Jung und Gerhard Morsch ist dieses Buch entstanden. Franz Will, der 1907 im Februar in Güdesweiler geboren wurde, hatte seine Erinnerungen ab 1986 im Oktober auf Vorder- und Rückseiten von 119 grünen Karteikarten in Format DIN A6 niedergeschrieben.

 

Der Geschichts- und Heimatverein vermutet, dass er im Jahre 1989 die Niederschrift abgeschlossen hatte. Franz Will hat keine Biographie geschrieben, sondern schrieb eher aus seinem Empfinden heraus, um auch uns mitzuteilen, dass mit seiner Generation ein Zeitabschnitt zu Ende geht und damit das Leben wie es früher war uns überliefert wird.

 

Er erzählt auch nicht soviel von seinem eigenen Leben, denn das hielt er gar nicht für so bedeutsam um darüber zu berichten. Vielmehr geht es um die Wasserversorgung in Güdesweiler, vom Schmuggel zur ,,Franzosenzeit", von der harten Arbeit der Kinder in der Landwirtschaft, von ausgestorbenen Handwerken, Musikanten, der Kirmes oder dem Feldspatbruch als damals eine Seilbahn hoch zum Leistberg gebaut wurde.

 

Ich hoffe ich werde die dazugehörigen Bilder noch finden. Solche geschichtlichen Erinnerungen sind für uns essentiell wichtig, vermitteln sie uns doch einen kleinen Einblick in das Leben unserer Vorfahren. Der Geschichts- und Heimatverein Oberthal hat dabei auf die persönliche Sprechweise und regionale Spracheigentümlichkeiten geachtet und auch keine Kürzungen und Auslassungen vorgenommen.

 

Und auch hier können wir wieder erkennen, wie wichtig die Arbeit des Vereins ist. Ich bin der Auffassung, Geschichte muss bewahrt werden, sollte archiviert werden, denn so kann jeder Bürger der sich für seine Heimat interessiert, darauf zurückgreifen. So trägt der Heimatverein dazu bei, gerade in Zeiten der rasanten Veränderungen, vergangenes festzuhalten. Sie beschäftigen sich nicht mit der großen Geschichte sondern kümmern sich um das, was in unseren Orten passiert. Und das steht in keinen Büchern sonst geschrieben. Das ist Geschichte zum Anfassen:

 

Mein Vaterhaus, die Weihermühle, stand und steht heute noch am Fuße des Leistberges an der Quelle des Gombaches. Der Gombach be­steht aus zwei Quellen, einer südwestlichen und einer nordwestlichen. Dann kommen noch der Kapellenbrunnen und die Helleborner Feldquelle dazu. Zusammengefaßt ist es ein spärliches Bächlein. In früherer Zeit muß es doch mehr gewesen sein, da der Bach eine Mühle antrieb, die auch mein Vaterhaus war. Die Urgroßeltern waren Müller. Über eine schriftliche Erwähnung weiß ich nichts, aber im Holz dieser Mühle, die aus sauber gedrechselter Arbeit hergerichtet war, war die Jahreszahl 1732 eingemei­ßelt. Diese Mühle bestand aus einer Ölmühle und einer Getreidemühle. Das Öl, das hier gewonnen wurde, bestand aus Raps und Kohlsamen.

 

Als Kind habe ich schon das Betreiben der Mühle miterlebt. Der An­trieb geschah mit Wasser von außen über einen Holzkannel über 2,15 m im Durchmesser große Holzräder, die zu dem Getriebe nach innen ver­ankert waren. Es heißt schon im Lied, "die Räder tanzten in dem mun­tern Reihen" und "die Steine selbst, so schwer sie sind". Es war ein herrliches Schauspiel, das mitzuerleben.

 

Die Mühle wurde betrieben von meinem Onkel, einem Bruder meiner Mutter, der Junggeselle war und mit 73 Jahren verstarb. Der frühere Be­treiber, mein Großvater, hieß Jakob Backes und zu­vor der Urgroß­vater Gebel. Letzterer stammte aus Grügelborn.

 

Was die Getreidemühle angeht, da wurde Roggen und Weizen ge­mahlen. Dieses Mehl war pikanter und bekömmlicher für Brot und Ku­chen, als es heute ist. Des weiteren wurde Gerste gemahlen zu Gersten­körnern (Graupen), die sehr bekömmlich waren. Auch wurde Hafer ge­quetscht zu Haferflocken.

 

Ich selbst bin in dieser vorgenannten Mühle am 24. Februar 1907 [einem Sonntag] geboren und aufgewachsen. Ich hatte noch acht Ge­schwister, von denen ich noch allein lebe. Mein Vater stammte aus der zweiten Dorfmühle am südlichen Ende des Dorfes, wovon ich weiter nichts berichten kann. Heute wohnt Dieter Will mit seiner Mutter nach dem Um­bau des Hau­ses darin. 

 

Mein Vater hieß Johann Will aus der unteren Mühle und die Mutter Gertrud Backes aus der oberen Mühle. Wie es sich im Leben zutrug und auch heute noch üblich ist, war mein Vater 20 Jahre älter als die Mutter, die er zum ersten Male sah, als er in der Ziehung (Musterung) war. Die Buben zogen nach der Musterung von Haus zu Haus. Meine Mutter lag als kleines Baby in der Wiege, mein Vater spielte mit dem Baby und sagte zu den Eltern: "Zieht mir die Kleine groß."

 

Es wurde Wirklichkeit, das kleine Kind wurde seine Frau. Er 40 Jahre und die Mutter 20. Wie die Mutter später immer erzählte, war es die Hochzeit des Jahres. Vater ging in die Industrie arbeiten, und der Onkel betrieb die Mühle mit einer großen Landwirtschaft da­bei. 

Die Landschaft um die Mühle war sehr schön, das schöne beginnen­de Gombachtal. Die Mühle stand allein; bis zum Dorf waren es ca. 400 m. Es führte ein steiniger Weg vom Dorf an der Mühle vorbei den steilen Berghang hinauf an die Kapelle, wo im 18. Jahrhundert der Eremit Jo­hannes Nonninger wohnte.

 

Wer die kirchenähnliche Kapelle gebaut hat, weiß man, glaube ich, nicht festzustellen. Bei der Sanierung der jetzigen Kapelle, früher genannt "Der Kreuzbau", im Jahre 1981 hat man die Jahreszahl 1784 im Decken­gebälk festgestellt. Die Kapelle diente damals zu Meßfei­ern und Kindtau­fen. Ich selbst wurde [darin] nach Erzählungen der Mutter da­mals mit der Elise End, heute Elise Michely, getauft. Es war scheinbar kein erhebendes Ereignis, denn nach Erzählungen der alten Leute waren die Winter sehr kalt und sicher das Taufwasser auch.

 

Die Kapelle wurde im Jahre 1934 durch damalige Arbeitslose, Werle Johann, Licht Alfred, Klees Franz und weitere, abgerissen. Die Fun­damente könnte man heute noch freilegen. In dieser Kapelle waren auch in Stein gehauene Kreuzwegstationen, die heute noch im Museum des alten Stadtrathauses in St. Wendel zu sehen sind. Heute wäre diese Kapelle ein seltenes Denkmal, wenn sie noch stehen würde. Fortsetzung folgt...... 

 

 

Die Mitglieder des Geschichts- und Heimatverein Oberthal e.V
Die Mitglieder des Geschichts- und Heimatverein Oberthal e.V

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