Güdesweiler Erinnerungen von Franz Will

Gemeinde Oberthal

Heute fahren wir fort in unserer Reihe aus dem Buch von Franz Will, ,,Güdesweiler Erinnerungen".

Eines der wenigen Bilder die es von ihm gibt, hat Petra Will mit geschickt. Vielen Dank liebe Petra für die Mühe.

 

Wer die kirchenähnliche Kapelle gebaut hat, weiß man, glaube ich, nicht 

 

festzustellenBei der Sanierung der jetzigen Kapelle, früher genannt "Der Kreuzbau", im Jahre 1981 hat man die Jahreszahl 1784 im Decken­gebälk festgestellt. Die Kapelle diente damals zu Meßfei­ern und Kindtau­fen. Ich selbst wurde [darin] nach Erzählungen der Mutter da­mals mit der Elise End, heute Elise Michely, getauft. Es war scheinbar kein erhebendes Ereignis, denn nach Erzählungen der alten Leute waren die Winter sehr kalt und sicher das Taufwasser auch.

 

 

Die Kapelle wurde im Jahre 1934 durch damalige Arbeitslose, Werle Johann, Licht Alfred, Klees Franz und weitere, abgerissen. Die Fun­damente könnte man heute noch freilegen. In dieser Kapelle waren auch in Stein gehauene Kreuzwegstationen, die heute noch im Museum des alten Stadtrathauses in St. Wendel zu sehen sind. Heute wäre diese Kapelle ein seltenes Denkmal, wenn sie noch stehen würde. 

Der im Anfang der 30er Jahre amtierende Pastor Kern aus Namborn hat mit dem Kreisbauamt St. Wendel erwirkt, daß die Kapelle für baufäl­lig erklärt wurde und abgerissen werden konnte. Der Hintergedanke zu diesem Abriß war, daß im Ort die heutige Pfarrkirche seit 1928 stand und zwei Kirchen nicht unterhal­ten werden könnten, und die Angst, die Leute würden noch weiter zur Kapelle pilgern anstatt in die Pfarrkirche.

Die Erbauer der jetzt noch bestehenden Kapelle sollen der Eremit Nonninger und ein Helfer Michel Backes aus dem Dorf gewesen sein. Das Essen wurde ihnen von den Dorfbewohnern hingebracht. Was noch zu erwähnen ist, hat der Johannes Nonninger die schwere Eisentür, die heute noch in der Kirche angebracht ist, vom Eisenwerk Neunkir­chen auf dem Rücken bis an die Kapelle geschleppt. Die Glocke, die damals auf diesem Türmchen hing, soll jetzt als Friedhofsglocke dienen. Das Eisenkreuz von diesem Türmchen steht heute auf der Friedhofs­halle. Wo der Hahn hingekommen ist, weiß man nicht.

Als der Friedhof angelegt war, wann dies geschah, weiß man nicht, wurden doch die Toten diesen steinigen Weg den steilen Berg hinauf­gefahren zum Friedhof. So paßt das Lied von der Kapelle sehr präzise zu der Güdesweiler Kapelle.

 

Neben der Kapelle steht der "Gute Brunnen", der zu damaliger Zeit als Heilbrunnen galt. Die Leute kamen von weit her und er­hofften Heilung von diesem Brunnenwasser. Hauptsächlich hat man kleine Kin­der mit Hautausschlag im Gesicht an diesen Brunnen ge­bracht, um Heilung zu erwirken. Auch diente dieses Wasser dem Wandrer und Pil­ger zur Durstlabung. Heute noch wird das Wasser gern getrunken.

 

Die Kapelle war dem hl. Valentinus geweiht, und am Namenstag, am 14. Februar, kamen Prozessionen zum Teil von weit her und haben ihre Bit­ten dem Heiligen Valentinus vorgetragen. In dem Kreuzbau (Kapelle) war eine sehr wertvolle Kreuzigungs­gruppe in Lebensgröße aufgestellt, die heute in der Pfarrkirche den Hochaltar darstellt. Wer diese wertvolle Kreuzigungsgruppe gemeißelt hat, weiß man nicht. Im Jahre 1952 wurde sie oben abgebaut und in der Kirche aufgestellt. Die Bürger, haupt­sächlich alte Frauen, haben sich sehr dagegen gewehrt. Heute stellt dieser Hochaltar eine Zierde für die Kirche dar, ein Hochaltar, wie er selten anzutreffen ist.

 

Selbst die Kirche ist eine der schönsten in der Diözese. Sie wurde im Jahre 1924 begonnen, und 1927 war sie beendet. 1928, im Juni, wurde sie eingeweiht. Der Architekt war ein Herr Falkowski aus Mainz. Er war ein berühmter Architekt.

 

Begonnen wurde die Bauzeit 1924 mit den Fundamenten, zwei Jahre wurde dann ausgesetzt, da die finanziellen Mittel fehlten, bis 1926 eine Bank in Holland ausfindig gemacht wurde. Diese finanzielle Betreibung war dem damaligen Ortsvorsteher Jo­hann Scherer und dem Bauunternehmer Georg Maar, der die Kirche baute, zu verdanken.

 

Ich selbst habe an dieser Kirche meine Lehre als Maurer begonnen und half von Anfang bis zur Fertigstellung der Kirche mit. Zu erwähnen sei noch, daß das ganze Dorf an dieser Kirche mitge­holfen hat.

 

Die Kirche ist ganz von Backsteinen gebaut. Diese Steine kamen von der Firma Halseband aus St. Wendel und später von Völklingen. Die St. Wendeler Steine waren rot, die Völklinger Steine waren grau. Diese Steine kamen mit Waggons nach Oberthal, wurden dort ausgela­den und mit Pferde- und Kuhgespannen nach Güdesweiler gefahren.

Da von Oberthal heraus bis auf die Loch eine starke Steigung war, mußte immer mit Zugtieren vorgespannt werden. Wer keine Fuhrwerke hatte, mußte sich so betätigen. Jeden Sonntag standen sechs bis acht Wag­gons auf dem Bahnhof in Oberthal, und die mußten montags entladen sein. Das war während der ganzen Bauzeit zwei Jahre lang. Die Bürger haben damals sehr viel geleistet. Es hatte ja jeder seinen Beruf und nebenbei noch eine Landwirtschaft.

 

Morgens, am Sonntag, mußte jeder nach Namborn in die Kirche gehen, was schon eine Anstrengung für jeden bedeutete. In heutiger Zeit wäre das gar nicht mehr möglich. Früher hatte, wo jetzt der Kirchturm steht, ein Holzturm gestanden, worauf die kleine Glocke von der Kapelle hing; eine zweite Glocke mußte im 1. Weltkrieg abgegeben werden, um Munition herzustellen. Die Glocke wurde von dem nebenan wohnenden Ehepaar Jakob Rauber, den Eltern von Flare, dem heutigen Gasthaus, am Tag dreimal geläutet.

 

Der Gesamtplatz, wo die Kirche steht, war früher Schweinehütplatz. Was den Schweinehütplatz angeht, so war früher schon vor meiner Geburtszeit im Ort ein Schweinehirt. Der hatte immer 30-40 Schweine zu hüten. Die Bauern züchteten damals viele Schweine. Jeder Bauer hatte zwei bis drei Zuchtsauen Der Schweinehirt war ein Junggeselle von kleiner Statur.

Mit sei­ner Trompete blies er dann an ver­schiedenen Punkten, und die klei­nen Buben trieben dann die Schweine an die Straße. Auf dem Hütplatz, wo jetzt die Kirche steht, waren alle zusammen. Hier wurde dann eine bis zwei Stun­den gehütet, und dann ging's den Weier­wald hoch zum alten Sportplatz, den es damals noch nicht gab. Bis 6 Uhr am Abend wurde gehütet, und dann ging's heimwärts. Auf den Plätzen waren große Wassersuhlen, und die Schweine taten sich gütlich daran, hauptsächlich im heißen Sommer.

Mit dem Heimtrieb hatte der Hirte nicht viel Mühe. Jedes Schwein wußte seinen Weg, wo es hineinmußte. Sage keiner "Du dummes Schwein!" Auch ein Schwein weiß, was es will. Die kleinen Buben hatten immer viel Spaß an dieser Sache. Die Entlohnung für den Hirt erfolgte in Naturalien und etwas Geld. Der Hirt hieß Peter Sel­grad und wohnte in der Gaß - heutige Bungertstraße - im Hause heute Scharle Artur, verheiratet mit Steffen Blandina.............

Fortsetzung folgt...............

 

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Kommentare: 1
  • #1

    R..T (Montag, 09 November 2020 09:11)

    Kein Kommentar hier.....

    Ei dann wenn mal ein kleines.
    Der Will Franz war e liewer und gudder. Eich hann gere mim Franz gesproocht. Wat war der aach noch Kilometer weit immer unnnerwegs spaziere.