Güdesweiler Erinnerungen Teil 3........

Gemeinde Oberthal

 

Hier ist nun der 3. Teil der Güdesweiler Erinnerungen von Franz Will:

 

 Die Landwirtschaft war früher eine gute Erwerbsquelle. Auch wenn einer Industriearbeiter war, be­trieb er noch Landwirtschaft. Man kann es heute immer noch einmal bestätigt finden in den An­zeigen von goldenen Hochzeiten. Man liest fast in jeder Anzeige "sie betrieben nebenbei noch eine Landwirtschaft".

Der Ort zählte früher ca. 200 Stck. Rindvieh, 16-18 Pferde, 150 Ziegen, Federvieh in großer Zahl. Es gab auch einen Bullenhalter, der stets 2-4 Bullen zur Verfügung hatte. Es waren dies, soweit ich zurückdenke, Gastwirt und Landwirt Nikolaus Klees, Pe­ter Funk (Wenels Pitt) und Nikolaus Funk.

 

Desgleichen gab es einen Ziegenbockhalter, der auch 2-3 Böcke hielt. Dies war der Schuhmachermeister Peter Kunz auf der "Bremm", dann Johann Backes (Henz Johann) und dessen Sohn Fritz. Die Schwei­ne-Eber hielt der Gastwirt Nikolaus Klees.

Was die Schweinehaltung angeht, da hatten die größeren Bauern 1-2 Zuchtsauen, und das waren 10-12 Stück. Eine Zuchtsau warf zweimal im Jahr jedesmal 10-14 Stück Jungferkel. Wenn eine Zuchtsau mehr als 12 Stück warf, dann wurden die an der Flasche von der Bäuerin großgezogen. Eine Zuchtsau hat am Gesäuge nur 12 Zitzen zum Saugen. Die kleinen Ferkel, die an der Flasche gesäugt wurden, waren dann größer als die anderen.

 

Die kleinen Ferkel wurden nach sieben bis acht Wochen verkauft. Es war immer eine große Nachfrage nach Ferkeln. Es wurden fast in jedem Haus eins bis zwei, sogar drei Schweine großgezogen, je nachdem wie groß die Familie war. Was dann im Ort nicht verkauft werden konnte, wurde an den Schweinehändler verkauft. Ein Ferkel kostete vor dem ersten Weltkrieg um 1910 8-10 Reichsmark. In den 20er Jahren war die französische Währung, da kostete ein Ferkel 80-100 Franken.

 

Schweinezucht war für die Bauern eine gute Einnahmequelle. Man mußte auch Glück bei der Zucht haben. Es gab auch Fehlschläge. Die kleinen Ferkel mußten auch gegelzt werden. Gelzen ist die Entman­nung oder Entweibung. Dafür war ein Gelzer notwendig. Dies war ein Mann aus Tholey namens Burger. Der hatte voll zu tun. Was die Händ­ler angeht, da gab es drei, die in Bliesen wohnten. Die hatten je ein Pferdegespann. Die fuhren in den Hochwald und in die Eifel und kauften bei den dortigen Bauern die Ferkel auf und verkauften sie dann auf den Wochenmärkten in St. Wendel.

 

Die hatten extra Wagen, und da hatten sie 20-30 Ferkel drin. Diese Händler waren genüßliche Menschen. In den letzten Dörfern vor Bliesen wurde dann an bestimmten Wirtschaften haltgemacht und gegessen und getrunken. Es kam als vor, daß sie blau waren, und die Pferde mußten sich selbst den Weg suchen nach Hause. Die fanden ihn ganz bestimmt. So wußten auch die Pferde den Weg zu den Wirtschaften. Die Frauen der Händler mußten dann immer zu Hause warten, weil die Ferkel gefüttert werden mußten von der langen Reise. Am anderen Morgen wurden die Ferkel wieder verladen und zu den Märkten oder di­rekt zu den Haushalten gefahren.

 

Märkte waren jede Woche zweimal in St. Wendel. In St. Wendel gab es jedes Jahr, auch heute noch, sechs Großmärkte. Der größte war der landbekannte Wendelsmarkt im Oktober an Wendalinustag. Die Menschen kamen sehr weit her und dann zu Fuß. Die Leute nahmen Fußmärsche von 30 km auf sich. Dies waren auch religiöse Märsche, um ihre Anliegen dem heiligen Wendalinus in St. Wendel vorzutragen. Dieser Markt war früher ein Kram- und Viehmarkt. Vieh aller Art wurde da angeboten und wechselte den Besitzer. Damals waren die Juden noch die Hauptviehhändler. Da standen bis zu 100 Kühe auf dem Markt. Ebenfalls wurden auch soviel Pferde gezählt. Es war ein belebtes Markttreiben und ein Erlebnis, das man nie vergißt.

Es war schon eine belebte Zeit. Es mußte viel gearbeitet werden. Es gab ja auch keine Maschinen, alles Handarbeit, wogegen heute auf den Knopf gedrückt wird, und schon läuft die Maschine. Es hat auch wenig Arbeitsgeräte gegeben, Handwerksgeräte so gut wie gar nicht. Heute gibt es kaum einen Mann, der nicht eine ganze Menge Werkzeuge besitzt.

 

Die Leute haben ihre Häuser gebaut auf primitive Weise. Der Unter­nehmer hat das Haus gebaut, und der Hausherr und die Frau haben den Speis (Mörtel) gemacht. Als die Kirche gebaut wurde, hatte diese Firma eine Betonmaschine. Das war ein Ereignis. Im privaten Bereich gab es sowas nicht, alles Handarbeit.

Heute kommt der Bagger, hebt die Baugrube aus, und der Bauherr oder die Frau stehen mit dem Fotoapparat und halten das Geschehen im Bild fest. Früher wurden dafür Wochen gebraucht, und da mußte die Freundschaft und Verwandschaft mithelfen. Ein Hausbau war eine Zwei-bis Dreijahresarbeit.

 

Auch finanziell war es früher viel schwerer. Die Banken gaben kaum Geld heraus für den Arbeiter, wenn einer vorher nicht gut gespart hatte, bei einer Bank war dann nichts drin. Ganz früher, da ging die Abzahlung eines Hauses über zwei Generationen, auch manchmal drei. Die Zinsen lagen in den 20er Jahren bei 12-16%. Die Leute haben die Häuser zweimal bezahlt.

 

In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg haben die Leute ihr Baugeld bei den Bauern bekommen. Diese wohnten in Oberlinxweiler, Mainzwei­ler, Remmesweiler oder auch sonstwo. Früher hat es reiche Bauern gegeben. In Güdesweiler gab es auch gut gestellte Bauern, wo der eine oder andere Geld auslieh. Die Bauern haben auch nicht auf schnelle Ab­zahlung gedrängt, die wollten halt lang die Zinsen haben, und das gab wieder Kapital.

 

Güdesweiler
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