Stirbt der Wald, sterben die Leut......

Gemeinde Oberthal

 

Ein Artikel von Manfred Johann über den Klimawandel der uns alle betrifft und den wir vor lauter Corona, nicht vergessen dürfen. Denn zu Recht heißt die Überschrift: Stirbt der Wald, sterben die Leut......

Bin infolge meines Berufes oft zu Kundenbesuchen im Saarland, im Hochwald, im Pfälzerwald und auch im Westerwald unterwegs.

Als Tischlermeister habe ich die Natur, die Bäume und auch den Wald mehr

im Fokus als manch andere Leute in unserer Gesellschaft. Wie sich der Wald bei genauerer Betrachtung in meinen Augen widerspiegelt ist teilweise ein erschreckendes Szenario.

 

Ich sehe in den letzten Jahren riesige abgeholzte Waldflächen, gleich einer gespenstigen Mondlandschaft. Ab und zu stehen einzelne Fichten und Kiefern traurig und bereits geschädigt wie Mahnmale in der Waldrodung. Ein Bild, wie es trauriger nicht sein kann. Vor 3 bis 4 Jahren waren diese Flächen noch voll bewaldet.

Zunächst einmal: die Funktion des Waldes im Ökosystem!“

 

Im Saarland und auch in Rheinland-Pfalz wird ein Viertel des Treibhausgases durch den Wald gebunden. Wenn man Holz verbrennt ist das eigentlich Klimaneutral weil durch die Verbrennung entstehendes CO2 vorher beim Wachstum der Bäume der Umwelt entzogen wurde. Alles bleibt im Gleichklang mit der Natur. Zur Kenntnis: Ein Kubikmeter Holz speichert eine Tonne CO2.

 

Dies ist ein komplexes System, das die Natur seit Millionen von Jahren vollends beherrscht. Man nennt es Photosynthese, dieses geschieht in mehrstufigen biomechanischen Prozessen. Bäume bilden unter Einfluss von Sonnenlicht und mit Hilfe von Kohlenstoff und Wasser zunächst Zucker und dann entsteht Holz. Zusätzlich entsteht als Abfallprodukt: „Sauerstoff“, welches die Menschen zum Leben brauchen. Für diesen Prozess braucht der Wald genügend Wasser.

 

Fakt ist: Für den Wald wird Wasser zur Mangelware! In den letzten Jahren sind in manchen Gebieten von Mitteldeutschland zwischen 30 und 40 % weniger Niederschläge gefallen als in den letzten Jahren zuvor. Dem Wald fehlen ca. 200 Liter Wasser pro Quadratmeter Fläche und dies führt zur Schädigung der Bäume. Die Schädlinge (Borkenkäfer) befinden sich unter der Rinde und fressen Gänge in den weichen Rindenbast. Er bohrt sich in den Baum ein und zerstört auf brutale Weise die Lebensadern des Baumes. Somit ist der Baum verloren und stirbt.

 

Ein gesunder Baum mit genügend Wasserversorgung wehr sich vehement gegen den Borkenkäfer durch genügend Harzbildung. Durch die anhaltende Trockenheit vermehrt sich der Käfer unaufhaltsam, ganz besonders in unseren Fichtenbeständen. Die Fichten in unseren Wäldern sterben den Märtyrer-Tod.

Nach den beiden verlorenen Weltkriegen mussten sogenannte Reparationshiebe für die Besatzungsmächte, besonders für die Franzosen und Engländer, ausgeführt werden.

 

Die sogenannten Reparationshiebe im Harz, im Schwarzwald und im Pfälzer Wald wurden brachial und ohne Rücksicht auf die Natur durchgeführt. Diese Schäden konnten von den Förstern bis heute, trotz größtem Engagement, in den besagten Regionen nicht ausgeglichen werden. Die Fichte galt ja nach dem Wiederaufbau als Symbol des Deutschen Waldes.

 

In der Wirtschaftswunderzeit hat man große Fichtenbestände für den Wiederaufbau angelegt. Die Fichte wächst relativ schnell. Aus einem Kilogramm Samen können ca. 40 – 50 000 Bäume entstehen. Die Fichte bekam in dieser Zeit den Namen „Brotbaum“. Die Fichtenzeit ist vorbei und deshalb ist für die Fichte das Martyrium vorerst beendet. Bei der Aufforstung des Waldes nach dem 2. Weltkrieg waren in Deutschland die Kulturfrauen mit den Förstern maßgeblich an der Aufforstung des Deutschen Waldes beteilig.

 

Ohne diese Kulturfrauen gäbe es in Deutschland keine solch großen Waldbestand. Die Arbeitsgeräte der Kulturfrauen bestanden aus einer Hacke und den bloßen Händen. Auf der Rückseite des ehemaligen 50 Pfennig Stückes sieht man eine kniende Frau, die eine Eiche pflanzt. Die Münze war eine Würdigung für die Arbeit unserer sogenannten „Trümmerfrauen“ des Waldes.

 

Die Revierförster starten momentan eine Petition, eine Euro Münze mit einer Frau die Bäume pflanzt. Alles hat sich in den letzten Jahren geändert. Ein Neues Denken ist auch wegen des Klimawandels eingetreten. Gepflanzt werden Baumarten, die mit dem Klimawandel relativ gut klarkommen. Es werden in Zukunft von den Förstern in unseren Regionen mehr Bäume angepflanzt, die tief Wurzeln und auch gegen den Borkenkäfer resistenter sind. Diese sind Douglasie, Tanne, Lärche, Berg- und Spitz-Ahorn, Vogelbeere, Esskastanie, Kirsche und Roteiche. Leider werden in verschiedenen bewaldeten Regionen von den Militär- Fracht- und Verkehrs-Flugzeugen Tonnen von Kerosin abgelassen.

Hier besteht ein akuter Handlungsbedarf.

 

Die Kalamität in unseren Wäldern unterstreicht erneut, dass die Forste in Zeiten des Klimawandels dringend umgebaut werden müssen, das heißt: in resistentere, besser dem Klima angepassten Mischwälder.

Alle Menschen müssen sich an diesem Projekt beteiligen, Alle, nicht nur das Forstamt und die Revierförster, wir Alle müssen uns mit unserer Natur und mit unserem Klima auseinandersetzen. Wir wollen die Natur spüren und Atmen. Unser Wald und unsere Natur ist das wertvollste was wir haben und muss zwingend für unsere Nachkommen erhalten werden.

 

Manfred Johann

Tischler und Meister

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Kommentare: 8
  • #1

    Groniger (Mittwoch, 11 November 2020 08:39)

    Super Text, Manfred. Jetzt wissen wir auf jeden Fall mal alle darüber bescheid und können dementsprechend handeln. Ich würde vorschlagen du bringst deine Expertise mal im saarländischen Landtag ein. Dort wissen viele Abgeordnete nicht was eigentlich abgeht. Vor allen Dingen die Abgeordneten der SPD wissen vermutlich Garnichts darüber.

    Danke Manfred, dass du uns regelmäßig die Augen öffnest...!

  • #2

    Kritischer Geist (Mittwoch, 11 November 2020 17:53)

    Hoffentlich sinkt der IQ der CDU-Wähler nicht so schnell wie das Niveau der Kommentare.

  • #3

    Speedy (Mittwoch, 11 November 2020 19:29)

    Ja, immer diese parteipolitische Ansichten. Hat Manfred Johann hier als CDU Mitglied geschrieben? Was soll das? Gegenfrage was macht die CDU, gegen Diätenerhöhung stimmen?
    Was macht unser Ministerpräsident ebenfalls CDU? Während Corona zuhause bleiben? Jeder versucht seins. Zusammen machen Sie einiges. Hört hier doch mal auf alles auf die Parteien zu reduzieren

  • #4

    Tischler (Mittwoch, 11 November 2020 21:57)

    Ja, auch wenn Manfred CDUler ist hat das wenig damit zutun. Viel mehr sollte man Manfreds Leistung hervorheben. Woher hätten wir das alles gewusst wenn Manfred es nicht ans Tageslicht befördert hätte? Er schreibt immer super Berichte und klärt uns alle auf. Danke, Manfred!

  • #5

    Gillesweller (Donnerstag, 12 November 2020 06:22)

    Sie hatten es vorher nicht gewusst. Bitte nicht in Wir form schreiben. Es gibt auch Menschen, die wussten es auch schon vor diesem Artikel.

  • #6

    Lore (Donnerstag, 12 November 2020 08:33)

    Unser Ministerpräsident macht einen ganz tollen Job.
    Ltd. aktueller Umfrage ist eine deutliche Mehrheit der Saarländer sehr oder zufrieden.
    Auch die CDU wird 40 % der Wähler für sich verbuchen.
    Also:
    Was soll diese Madigmacherei von Minderheiten?

  • #7

    Interessierter (Donnerstag, 12 November 2020)

    Der Wald leidet, das sieht man, wenn man aufmerksam ist, an vielen Ecken und Kanten. Die vergangenen Jahre waren ziemlich trocken und heiß. Und dazu gab es häufiger starke Winde. Es ist klar, daß bspw. Fichten je nach Standort nicht dagegen gefeit sind.
    Es ist aber auch klar, daß es trotz der vielen Meldungen in den Nachrichten und sogar diesen Freitagsdemos das Bewußtsein für die Schutzwürdigkeit der Umwelt, auch des Waldes nicht gestiegen ist. Das Gegenteil ist der Fall.

    Sittliche und moralische Barbarei und Rohheit und materialistische antichristliche Lebenseinstellung (die Kultur oder besser Unkultur des Lebens) sind in weiten Teilen der sog. Bevölkerung der Normalzustand. Es ist eine schlimme Zeit. Es ist deswegen nicht verwunderlich, wenn auch die Natur dann in Mitleidenschaft gezogen ist.

  • #8

    Leser (Sonntag, 15 November 2020 10:12)

    Manfred hat alle aufgeklärt und mit seinen Beiträgen leistet er einen gewichtigen Beitrag um diese Welt ein bisschen besser zu machen...