Unterhalb der Wildfrauhöhle gab es früher Saufgelage - Güdesweiler Erinnerungen

Gemeinde Oberthal

 

Am Fuße des Leistberges unterhalb der Wildfrauhöhle wurden sonntags immer Trinkgelage im Schatten der Buchen abgehalten. Es waren meistens die 

Sangesfreunde, die mit einem Faß Bier dort lagen, Lieder sangen und Bier tranken. Da hat sich alles beigezogen und mitgemacht. Damals, 1920, kostete ein 4/10 Glas 10 Pfennig, welches aus dem Faß gezapft wurde. Die Geselligkeit war zu der Zeit einmalig. Es gab noch kein Radio, geschweige denn Fernsehen. Die Menschen erfreuten sich selbst durch Gesang und Witzeerzählen.

Heute gibt's nur noch Unterhaltenlassen. So wurden dann auch Bande geknüpft für Liebschaften und spätere Heirat. Musik und Tanz gab es ja nur an Kirmes und Fastnacht. Diese Tage wurden voll ausgenutzt. An den Kirmestagen wurde besonders gefeiert. In meiner Jugend ging das ganze Dorf nach Namborn in die Kirche. Da war immer ein großer Zug von ca. 100 Menschen und vor dem Zug unsere jung gegründete Musikkapelle. In Namborn wurde auch noch eine Wirtschaft besucht und mit der Musik eine Stunde aufgespielt.

Es waren in der Nähe der Kirche zwei Wirtschaften: Simon und Sesterheim. Da wurde jedes Jahr abgewechselt: ein Jahr Simon, das andere Jahr Sesterheim. Die Wirte haben das auch gewußt und haben das den Güdesweilern hoch angerechnet.

Zu Hause dann gegen 12 Uhr angekommen, gab es ein gutes Mittagsmahl, und um 2 Uhr war die Musik schon wieder bereit zum Kirmesumzug durch das Dorf. Die Musik spielte an mehreren Stellen auf, und die Buben kamen mit ihren Mädchen und Bräuten und reihten sich in den Kirmeszug ein.

Es war wieder ein langer Kirmeszug, voran der Kirmeshammel und das Sacktuch an eine Weide gebunden, auf die Kirmeswiese. Dann wurde im Kreis, in der Mitte die Musik, mehrere Male herumgetanzt. Das Sacktuch wurde von den Paaren immer weiter gereicht. Auch wurden immer Schnäpse für die Buben und Likör für die Mädchen ausgeschenkt, und der Bub mußte seinen Obolus für den Schnaps geben, denn der mußte ja auch bezahlt werden. Es wurde vier- bis fünfmal in der Runde getanzt. Es war schon vorher bestimmt, wer das Sacktuch bekommt. Es war immer das Paar, das am nächsten vor der Hochzeit stand, ebenso, wer einen guten Geldbeutel hatte.

Ich kann mich noch gut erinnern, es war 1923, da waren es Johann Scherer und seine Braut Bäbchen Kohl, sie war aus Saarbrücken. Beim Rundtanzen hatte der Gesellschaftsleiter eine Schreckkinderpistole, und wenn der Bestimmte dann das Sacktuch schwenkte, wurde geschossen, und das Ceremoniell war beschlossen. Die Musik schmetterte einen kräftigen Tusch, und das Paar wurde von jungen Männern in die Höhe gejubelt.

Jetzt begab sich die Kirmesgesellschaft, mit der Musik voran, wieder in die Wirtschaft zum Nachmittagstanz. Die drei ersten Tänze waren dem Brautpaar oder Sacktuchpaar gewidmet. Es waren ein Walzer, eine Polka und ein Rheinländer. Dieses genannte Paar verstand es auch vorzüglich, die Tänze darzubieten. Die Braut trug ein blaues Faltenkleid in Sommermode und der Mann einen herrlich grauen Anzug und braune Schuhe. Es war ein herrliches Paar. Ich meine, ich würde sie heute noch vor mir sehen.

Damals waren die jungen Leute auch besser gekleidet als heute. Die Mädels bekamen an der Kirmes fast immer neue Kleider. Mein Mädchen, auch später meine Frau, hatte jedes Jahr ein neues Kleid und neue Schuhe. Am Mittag spielte dann die Blasmusik, und abends spielte man Violin-Streichmusik. Während der Tanzmusik bekam das Sacktuchpaar dann öfter noch einen Solotanz. Am Abend war der Tanzsaal so besetzt, daß die Paare halbiert wurden und abwechselnd tanzten.

Die Kirmes war früher das schönste Freudenfest des Jahres. Wenn die Kirmes vorbei war, dann war allerhand zu tun. Es wurden viele Gäste geladen, und da war in den Wohnungen doch viel Unordnung entstanden. Die Kleider waren verschwitzt und mußten wieder in Ordnung gebracht werden. Das Waschen war ja sehr umständlich. Am folgenden Sonntag wurde die Nachkirmes gefeiert. Da ging es auch wieder hoch her. Der Hammel von der Kirmes wurde freitags geschlachtet, und am Sonntag wurde er gebraten und verzehrt. Am Abend spielte die Musik wieder zum Tanz auf bis in die Nacht.

Die Kirmes war früher immer am 2. Sonntag im September nach dem Muttergottestag Mariä-Geburt. Es wurde dann schon Herbstzeit, und die Feldarbeit ging wieder an.

 

Von Franz Will, Güdesweiler, aus dem Buch vom Geschichts- und Heimatverein Oberthal.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Frager (Mittwoch, 18 November 2020 12:38)

    Unterhalb der Wildfrauhöhle siehts teilweise aus wie nach einem Bombenangriff: gefällte Bäume liegen kreuz und quer durcheinander.
    Sangesfreude kann da leider nicht mehr aufkommen. Nicht mal die Waldvöglein pfeifen. Dafür aber das Getöse und wenns arg windig ist, das Gedonner von den Windrädern herab. Die Waldesruh, die mal war, ist dahin. Was würde der gute Franz Will dazu sagen?

    Und was der Heimatdichter Rudolf Just? - Die Wellfrau und die Mirza würden sich heute dort nicht mehr zurechtfinden. Et ess so schaad.

  • #2

    Bipode (Mittwoch, 18 November 2020 23:13)

    Frager, genau, sowas nennt man Nostalgie. Früher war alles besser, der Himmel blauer, die Bäume grüner, und Fräulein Totschläger hat Franz Will Zucht und Ordnung beigebracht, siehe seinen vorhergehenden Beitrag.

  • #3

    Frager (Donnerstag, 19 November 2020 13:10)

    @Bipode: warum müssen Sie dummschwätzen?