Das erste Badezimmer mit Klo in Güdesweiler

Gemeinde Oberthal

Hier geht es weiter mit den Erinnerungen von Franz Will aus Güdesweiler.

Da das Buch doch sehr umfangreich ist, werde ich nur noch die 

 

interessanten und informativen Abschnitte reinstellen.

 

Wie meine Mutter erzählte, hat die Tante, deren war ja fast in jedem Haus eine oder ein Onkel, auch über der Wohnküche unter den Ziegeln geschlafen. In der Decke war ein Loch gelassen, wo die Wärme nach oben zog und etwas anwärmte. Toiletteneinrichtung war ein Eimer, der war dann am Morgen fest eingefroren und mußte am Ofen wieder aufgetaut werden zum Entleeren. Die Aborte waren ja sowieso draußen, und ohne Gnade mußte man die Kälte im Winter mit dem nackten Hintern ertragen. Für die Frauen war das schlimm in der Menstruationszeit, da hat sich manche Frau als böse Leiden zugezogen. Diese Toilettenzeit im Garten gab es ja bis Anfang der 50er Jahre.

Ich hatte das erste Badezimmer mit Clo in der Weihermühle gebaut. Das war das erste im Dorf. Hierzu sei noch erwähnt, wenn an unsrer Wasserleitung etwas gemacht wurde, mußte das ganze Dorf abgesperrt werden. So trug es sich zu, Wassermeister war damals der Jakob (Treizjäb), daß er die Wasserleitung von der Quelle her absperren mußte, und da war er verärgert. Er machte sich dadurch Luft und sagte: "Was braucht Weihersch Frenz ein Badezimmer, der soll sich weiter den Ärsch im Eimer waschen."

Das Bad waren der Eimer und die Waschbütt. Trotz der schlechten hygienischen Verhältnisse gab es kaum Hautkrankheiten, wogegen heute trotz der hygienischen Vorsorge die Kliniken voll belegt sind, ohne die Hunderte, die sich zuhause durch den Hautarzt behandeln lassen. In ganz früheren Jahren, da gab es mal die Krätze (Krent). Dies war noch im vorigen Jahrhundert bis in dieses Jahrhundert hinein. Es kam aber auch bei Leuten vor, die gar nicht sauber waren.

Die Krätze war auch über­tragbar. So war es auch mit Ungeziefer. Ich kann mich noch entsinnen, daß wir noch in unserer Schule Kinder hatten, die noch krätzanfällig waren und Läuse hatten. Diese Familie war sehr rückläufig, dazu dumm und unsauber. Als das erste Kind auf die Welt kam, war keine Windel und kein Fetzen Wäsche da. Die Eltern wußten keinen Namen zu finden und nahmen den Kalender zu Rate.

Der Mann schlug den Kalender auf und sagte zu seiner Frau: "Marie, ich hab's. Neujahr soll es heißen." Das Haus stand hinter der Wirtschaft Klees neben dem Haus, heute Johanna Meier, die das Haus später kaufte. Die Leute haben sich nur vom Betteln ernährt. Meine Mutter hat mich oft dort hingeschickt, mit einem selbstgebackenen Brot, Latwerg und einer Tüte Graupen.

Es gab in früherer Zeit viele arme Leute. So kam immer eine alte Frau aus Steinberg betteln. Sie war genannt "et Stemeriger Katche". Wie sie wirklich hieß, hat niemand gewußt. Sie kam morgens immer schon in aller Frühe durch den Wald an der Kapelle herunter mit einem großen Korb. Bei uns in der Weihermühle hat sie immer Kaffee getrunken, und sie wurde von meiner Mutter auch immer gut bewirtet. Dann ging sie durchs Dorf von Haus zu Haus, und abends hatte sie den Korb voll, daß sie ihn fast nicht packte. Das reichte dann wieder eine Zeitlang. Sie bekam von allem. Auch Geld wurde ihr geschenkt. 

 

Schmuggelverkehr in Güdesweiler:

 

In Güdesweiler, Gronig und Namborn waren solche Zollstationen. Es herrschte immer Schmuggelverkehr. Ich weiß, wir hatten erst kurz den Musikverein gegründet, und es fehlte an Musikinstrumenten. Da fuhren zwei Männer, es waren Will Josef und Nilles Jakob, nach Mainz und kauften Instrumente, drei Trompeten und zwei Tenorhörner.

 

Die eine Trompete und die Tenorhörner ließen sie in Steinberg zurück. Sie liefen von Türkismühle zu Fuß nach Güdesweiler, weil sie nicht in Namborn durch die Bahnzoll wollten. Als sie dann in Güdesweiler mit den Trom­peten am Zollhäuschen ankamen und der Zöllner fragte, was sie zu verz­ollen hätten, nahmen sie ihre Trompeten und bliesen dem Zöllner ein Ständchen zweistimmig.

 

Der war ganz begeistert, denn er war selbst Musiker, Trompeter, und der Übergang über "die Zoll" war perfekt. Da ist der Spruch wieder Wahrheit: "Musik kennt keine Bosheit und keine Grenzen." Die anderen Instrumente wurden auch auf diese Weise her­übergeschafft. So hat der Musikverein fast alle Instrumente von drüben her angeschafft.

 

(aus dem Buch Güdesweiler Erinnerungen vom Geschichts- und Heimatverein Oberthal)

 

 

Kommentare: 14 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Gillesweller (Samstag, 21 November 2020 18:36)

    Über ä Haufe im Eimer müsste nicht unbedingt geschrieben werden

  • #2

    Ehemaliger (Samstag, 21 November 2020 20:39)

    Doch muss geschrieben werden, damit man weiß wie gut es uns heute geht.

  • #3

    R.St (Samstag, 21 November 2020 23:26)

    Ehemaliger vollkommen Recht .
    Die jungen wissen gar nicht in welchem Luxus die leben . Stellt man denen ein Telefon mit Wählscheibe hin , die fragen noch dumm wasn das ?

  • #4

    Gillesweller (Sonntag, 22 November 2020 08:13)

    Ich meinte eher die Passage mit der eingefrorenen Hinterlassenschaft. Das Tiefgefrorene von Bofrost ist mir lieber. Technisch gesehen wäre die Benutzung der Wählscheibe auf dem Topf problematisch. Gut, dass wir da unsere Handys haben.

  • #5

    Bipode (Sonntag, 22 November 2020 10:35)

    Gillesweller, wollen Sie Originale zensieren?

  • #6

    Gillesweller (Sonntag, 22 November 2020 13:53)

    Das Original lebt leider nicht mehr

  • #7

    Bipode (Montag, 23 November 2020 17:38)

    Ihrer Aussage kann ich nichts abgewinnen, so sehr ich mich anstrenge, sie zu verstehen. Was hat die Tatsache, dass Herr Will nicht mehr lebt, mit Ihrem Wunsch zu tun, Passagen seiner Texte zu streichen? Also nochmal langsam zum Mitschreiben. Wenn man Teile eines Originals, und hiermit sei ein Dokument gemeint, auslässt, weil sie einem nicht in den Kram passen, nennt man das Zensur. Diese Lebensgeschichte ist ja gerade deshalb keine Schmonzette über die Gute Alte Zeit, weil sie die ganze Wirklichkeit erzählt. Und da kommen halt auch als Lehrer getarnte sadistische Totschläger-Fräuleins vor (siehe Teil vier), und eben gefrorene Fäkalien, wie in diesem Teil.

  • #8

    Aufmerksamer Leser (Montag, 23 November 2020 19:27)

    Bipode:
    Lassen Sie sich an Weihnachten einen Topf schenken. Dann könnten Sie die Szenen nach Belieben nachstellen. Frost haben wir zwar kaum noch, aber zum Üben wäre es egal

  • #9

    Interessierter (Dienstag, 24 November 2020 12:28)

    Das erste Klo und das erste Badezimmer. Schön!

    Es ist bedauerlich, daß Herr Will sich aber dennoch einer Klo- und Ferkelsprache bedient hat. Außen hui und innen doch leider pfui.
    Genauso schlimm und schlimmer ist es, wenn er meint, damals in Armut lebende Leute diffamieren zu sollen. Nach Jahrzehnten üble Nachrede und Verleumdung. Prost Kasper. Als "alter" Gillesweller lege ich meinen Protest dazu ein.

    Franz Will hat sich selbst einen Bärendienst getan und auch Güdesweiler.

  • #10

    Bipode (Dienstag, 24 November 2020 19:21)

    Ist schon klar Aufmerksamer Gillesweller Leser, wenn man noch nie was zur Sache zu sagen hatte, und als einzige Motivation die Niedertracht bleibt, wird man halt ausfällig. Aber seien Sie guter Dinge, wegen Ihrer kranken Phantasie ist nicht alles verloren. Es gibt da ganz gute Angebote, sollten Sie vielleicht mal ins Auge fassen. Wenn sich die Bescherung bei Ihnen genauso ordinär gestaltet, wie Ihr Kommentar, richten sie Ihren Lieben bitte mein herzliches Beileid aus.

  • #11

    Aufmerksamer Leser (Dienstag, 24 November 2020 19:38)

    Empfehlung richtet sich nur an Bi..,
    anderen Menschen würde ich das niemals anraten. Jeder so wie er es verdient hat. Meine Kritik richtete sich Eingangs nur an die Unanappetittlichkeit des Berichtes. Solche alten Kamellen sind nach meiner Einschätzung absolut nicht mehr zeitgemäß. Ihnen geht es nur darum, Andersdenkende oberlehrerhaft zu attackieren


  • #12

    Nee Nee (Mittwoch, 25 November 2020 08:32)

    Typisch Steinberg, haben gebettelt und nix selbst geschafft. wie heutzutage auch noch, wo man statt zu arbeiten mit einem halben Liter Bier und Zigaretten rumsteht. Und in de Emer wird dort vermutlich immer noch gemacht...

  • #13

    Ehemaliger (Mittwoch, 25 November 2020 15:18)

    Mancher Kommentar hier gleicht dem Inhalt des Eimers den Franz Will beschreibt. Gefrohren oder nicht ist jedem selbst überlassen.

  • #14

    Isabelle (Donnerstag, 26 November 2020 15:48)

    Die letzten 2 Einträge wurden gelöscht. Ich schließe mich dem letzten Kommentar des Ehemaligen an und beende hiermit die Kommentarfunktion, vor allen Dingen der allerletzte Kommentar des Interessierten aufgrund der Haarspalterei was Namen betrifft. Das hat der Geschichts- und Heimatverein sicher nicht verdient. Am besten verbrennt man alle Geschichtsbücher der Gemeinde Oberthal, denn überall kommen Namen und Sätze darin von früher vor........