Der Feldspatbruch und seine Ausbeutung zu Franz Wills Zeit in Güdesweiler

Bild: Isabelle Möller
Bild: Isabelle Möller

Gemeinde Oberthal

In dem heutigen Bericht geht es um den Feldpatbruch in Güdesweiler, wobei Franz Will anmerkt, dass der damalige Pastor Mensenbach von Oberthal es verhindert hatte, dass

 

der Oberthaler Bahnhof eigentlich vor die Eisenbahnbrücke im Tiefenthal gebaut werden sollte und die Bahn von Bliesen kommend  durch das Gombachtal an Güdesweiler, Eschelborn und Leiwert nach Oberthal vorbeiführen sollte. Auch da soll der Pastor mitgewirkt haben. Für die Güdesweiler Bevölkerung hätte der Bahnstopp im Ort viele Vorteile gehabt, nicht zuletzt was den Abtransport vom Feldspatwerk begtrifft. Aber nicht nur der Pastor war dagegen auch die Bauern, die ihre Felder in dieser geplanten Linie hatten, waren Gegner, schildert Franz Will.

 

 

Die haben angedeutet, sie brauchen keine Bahn. "Unsere Felder sind uns wichtiger." Es stellte sich dann auch heraus, daß es einen gewaltigen Nachteil für das Dorf Güdes­weiler bedeutete. In der Nachkriegszeit des 1. Weltkrieges gingen die Jungens der Bauern auch in die Industrie. Die Bahn hatte enormen Zu­strom, und die Züge waren immer besetzt. Zu den Schichtzeiten hin und zurück mußten immer zwei Züge mit je 10-12 Eisenbahnwagen fahren.

 

Dann mußten die Blieser Bürger zum größten Teil stehen. Zuerst mußte in St. Wendel immmer umgestiegen werden. Später fuhren die Arbeiterzüge durch bis nach Sulzbach und Saarbrücken. Sehr oft kam es vor, daß die Arbeiter, die ja immer im Zug schliefen, am Zielbahnhof nicht wach wurden und bis Tholey durchfuhren. Entweder mußten sie dann zu Fuß zurückgehen oder mußten liegen bleiben bis zur Rückfahrt mit der Früh­schicht gegen 4 Uhr. Es war auch ein Nachteil, daß die Güterabfertigung nicht in Güdesweiler war, für den Feldspatbruch, dessen Abbau in seinen Anfängen stand.

 

Die Firma Fischer aus Saarbrücken, die den Bruch betrieb, baute dann einen Weg am Leistberg vorbei und fuhr das Material mit Lastwagen zum Bahnhof Oberthal. Wäre die Abladestelle in Güdesweiler gewesen, hätte die Firma es näher gehabt. Heute wäre die Bahn ja auch nicht mehr, aber für Güdesweiler wäre es 65 Jahre ein großer Vorteil gewesen.

 

Pastöre und Bauern haben in früherer Zeit in dörflichen Gebieten das Sagen gehabt und haben das Dorfgeschehen bestimmt, was in den meisten Fällen den Dörfern zum Nachteil war. Bauern waren ja auch die angesehensten Bürger, wenn es bei manchen in ihrem Gebaren ihren Knechten und Mägden gegenüber auch nicht so war. Sie haben den Gemeinderat gestellt, waren in der Kirche die ersten, und Güdesweiler hatte noch keine Kirche, da waren immer vier Herren im Kirchenvorstand der Pfarrkirche zu Namborn vertreten.

Die haben auch immer die Jugend, die früher schon keine Heiligen waren, beobachtet und alle Fehltritte dem Pastor gemeldet. Gewöhnlich wurden dann diese Jugendfehltritte am Sonntag vom Pastor über die Kanzel verlesen, was dann wieder zur Prü­gelstrafe durch die Eltern führte, und der Sonntagnachmittag wurde mit Ausgangsverbot verhängt.

 

Zurück zum Feldspatbruch. Der Betreiber des Bruchs war der Architekt Fischer aus Saarbrücken. Seit wann er den Bruch betrieb, weiß ich nicht. Ich kann mich an die Zeit im ersten Weltkrieg erinnern. Herr Fischer kam mit der Bahn von Saarbrücken nach Oberthal und zu Fuß nach Güdes­weiler.

 

In unserem Haus hat er sich immer Eier mit Speck backen lassen, die ihm scheinbar gut gemundet haben. Was er nicht gegessen hat, pack­te er dann in ein sauberes weißes Dreiecktuch und nahm es seiner Frau mit. Kinder hatte die Familie nicht. Die Kriegszeit war ja in der Ernährung auch eine harte Zeit. Der Bruch besteht schon seit der Jahrhundertwende. Die vier bis fünf Leute, die da arbeiteten, waren Pensionäre und Bauern.

 

Der Feldspat mußte vor der Zeit des Eisenbahnbaues in Oberthal mit Pferdefuhrwerken nach der Bahnstation Hofeld gefahren werden. Dort wurde er auf den Boden abgeladen, und wenn es reichte für einen Wag­gon, dann wurde er wieder verladen. Wie schon erwähnt, wurde nach dem 1. Weltkrieg ein Weg am Leistberghang vorbei gebaut, der heute noch besteht. Das Material wurde dann mit LKW, noch mit Hartreifen und Kettenantrieb, nach Ober­thal zur Verladestelle gefahren.

 

Die Waggons mußten von Hand verladen werden. Das war dem Unternehmer doch zu umständlich, und er entschloß sich, eine Seilbahn zu bauen. Das war ein großer Aufwand. Es mußte in Oberthal ja auch eine Entladestelle gebaut werden. Das fing in den Jahren 1923 an. Es waren auch Verhandlungen mit der Eisenbahndirektion notwendig.

 

Es wurde ein Bahnanschluß bei der Eisenbahndirektion beantragt, und der wurde dort gebaut, wo er sich heute noch befindet. Dort wurde auch das Holzgerüst für die Endstation und Abladestation der Seilbahn gebaut. Die Seilbahn verlief vom Bruch bis nach Ober­thal durch Tiefen und Höhen in gerader Richtung an den erstellten Gerüstbock. Im Bereich Güdesweiler Bruch mußte ein Mast von 22 m Höhe gebaut werden.

 

Diese Bahn lief ohne Betriebs- und Kraftstoff. Die geladenen Kastenwägelchen, die nach unten fuhren, zogen die leeren hoch. Die Bahn bewegte sich in einem 6-km-Tempo. Die Kasten wurden in Oberthal über eine Rutsche in die Eisenbahnwaggons entleert. Die Hängekasten lösten sich oben vom Seil und liefen über eine Flachschiene auf Rädern, und so waren sie unbeweglich und konnten durch einen Hebeldruck entleert werden.

Der Arbeiter, der dies tat, mußte den Hängekasten wieder ans Seil schieben, und die Halteklauen griffen sich wieder ans Seil fest, und weiter ging's nach oben in den Bruch. Es hingen insgesamt so 40 Hängekasten in der Seilbahn. Wenn ein Kasten entleert war, war der volle Kasten schon wieder da. Ein Kasten hatte ein Füllvolumen von zwei Schubkarren, so 160 Liter. An einem Tag wurden im Durchschnitt drei bis vier 20-Tonnen-Waggons verladen.

 

Die Seilbahn war bis in die Mitte der 60er Jahre in Betrieb. Die Bahn lief über die Graulheck-Höhe fast über den Boden, und so kam es vor, daß kleine Buben den Schwengel am Kasten lösten, und der Kasten entleerte sich. So wurde manchmal die halbe Bahn entleert, und die Zugkraft war nicht mehr da, um die leeren Kasten hochzuziehen, bis dann die Polizei eingriff und dem Spuk ein Ende machte.

 

Diese Seilbahn hat der Unternehmer Fischer in Lothringen gekauft und abgebaut. Sie wurde dann überholt und für den Feldspatbruch aufgebaut. Jetzt wurden schon mehrere Leute beschäftigt, meistens Grubenpensionäre und schulentlas­sene Jungen. Im Bruch wurde das Material gebrochen, auf Loren geladen und an die Seilbahn gefahren. Da hat es sich zugetragen, ein Arbeiter - der Michel (Grawe Michel) - stand auf der Lore, fuhr nach vorne und bremste den Wagen nicht ab, der Wagen überschlug sich mit ihm, rollte den Berg runter und begrub den Michel unter sich.

 

Der hatte mehrere Knochenbrüche und Wunden. Er kam ins Krankenhaus St. Wendel und wurde wieder gesund. Dieser Michel war geistig und körperlich behindert. Wenn ihm einer fünf Bier bezahlte, dann hat er die ganze Landeszeitung in Stücke gerissen und gefressen, und das hat er bei jeder Gelegenheit gemacht.

 

Dieser Feldspatbetrieb hat einen schönen Aufschwung erfahren. Es wurden Mahlwerke gebaut, und das Material wurde in Papiersäcke gebla­sen, in Waggon und auf Auto verladen, was noch zu erwähnen wäre. Der Bruch wurde verpachtet an den Architekten Fischer auf eine bestimmte Fläche. In späterer Zeit wollte noch ein Unternehmer einen Bruch aufma­chen, und da stellte sich heraus, daß in den Vertrag zwischen die Zeilen geschrieben war, daß Fischer der alleinige Ausbeuter war und das Be­triebsrecht vom ganzen Leistberg hatte.

 

Dies führte dann zum Prozeß, der mehrere Jahre dauerte, und die Gemeinde verlor den Prozeß. Die Kosten waren nun höher für die lange Prozeßdauer als die Einnahmen. Als der Bruch dann bei Kriegsende an die jetzige Fa. Huppert aus Saarbrücken ging, war der alte Vertrag hinfällig. Der Bruch bringt der Gemeinde eine gute Einnahme und ca. 20 Arbeitsplätze. Heute wird das Material im Bruch vorgemahlen, mit Lastwagen nach Oberthal gefahren und fertig gemahlen. Als die Seilbahn noch lief, war das richtig romantisch anzu­sehen. Der stille, friedliche Wald, und in ruhiger Gleitbahn liefen die Wä­gelchen am Seil in Richtung Oberthal. Eine richtige Nostalgie.

 

Die Seilbahn lief bis in Endfünfziger Jahre und wurde erst ganz abgebaut nach 1965. Der Betrieb hat sich bis heute, 1990, erhalten und wird sich weiter erhalten. Der Unternehmer Huppert aus Saarbrücken hat den Betrieb im Bruch in Güdesweiler und Oberthal mit modernen Mahl­werken ausgebaut. Das Material wird im Feldspatbruch vorgemahlen, dann mit Lastwagen nach Oberthal gefahren, dort aufgewärmt und zu Steinmehl fein gemahlen.

 

Das Mehl wird in Papiersäcke geblasen und mit der Bahn verschickt in alle Welt zur Herstellung von Porzellan, Steingut und Glas. Dieser Feldspat ist der wertvollste in Europa. Der Betrieb wird mit 12-15 aktiven Arbeitern betrieben. Die meisten arbeiten hier ihre Lebensarbeitszeit und gehen dann in Pension. Der Verdienst ist angemes­sen an andere gleichartige Industrien. Die Arbeiter sind alle aus den um­liegenden Ortschaften. Der Geldumsatz war für die Gemeinde Güdes­weiler vor der Gebietsreform eine gute Einnahmequelle, wogegen jetzt nach der Reform der Kuchen in der Großgemeinde Oberthal aufgeteilt wird.

 

 

Der Bruch liegt ja in einem schönen Waldgebiet, das durch den Ab­bau des Steinmaterials doch sehr gelitten hat, und mehrere Hektar Wald gingen verloren. 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Realist (Samstag, 28 November 2020 09:07)

    Es hat sich Nichts geändert.
    Einschränkungen immer nur in Nachbars Garten und
    damals war der Gemeinderat fast ausschliesslich von Bauern besetzt, welche ihre Landinteressen hier geregelt haben.
    Aber schön das wieder Lesen zu können.

  • #2

    Werner Rauber VfGH (Dienstag, 01 Dezember 2020 15:07)

    Ergänzende Daten und Fakten zum Feldspatbruch am Leistberghang bei Guidesweiler:

    Nach einem Bericht des Oberamtmannes Moser von 1791 wurde damals schon das weiße Gold auf dem Guidesweiler Bann gegraben, das in Ottweiler in der Keramikfabrik zu Gebrauchsgegenständen verarbeitet wurde; also kann man davon ausgehen, dass schon Mitte 1700 hier Feldspat abgebaut wurde.
    1835 war ein Pachtvertrag zwischen der Oberthaler und Guidesweiler Gemeinde einerseits , vertreten durch den Bürgermeister von Bliesen Carl Ludwig Brückner, und den Tuchfabrikanten Ludwig und Friedrich Dryander von Saarbrücken, andererseits, mit folgendem Wortlaut getätigt worden:
    „Gegen eine jährliche Pachtgebühr von je 50 Gulden erhalten die Pächter die Erlaubnis, auf dem Oberthaler und Guidesweiler Bann Steine zu Fabrikationszwecken zu entnehmen.
    Auszüge „Aus den „Hochwälder Hefte zur Heimatgeschichte“:
    Im 1. Weltkrieg wurde ein Vertrag mit Ing. Fischer, Saarbrücken getätigt.
    Am 24.Januar 1924 wurde dem damaligen Inhaber der Grube, Herrn Karl Fischer , der Bauschein zur Errichtung einer Drahtseilbahn zum Transport von Feldspat von der Grube Güdesweiler zu den Mahlanlagen in Oberthal erteilt.
    Am 1. Mai 1941 beteiligte sich Herr Hans Huppert an der Firma Saarfeldspat K. Fischer, ein Jahr später erfolgte der vollständige erwerb und die Übertragung der Firma auf Hans Huppert.
    Im Jahre 1998 übernahm Herr Dr. Hendrick Huppert die Firma unter der jetzigen Bezeichnung „Saarfeldspatwerke H. Huppert GmbH“
    Aus dem Vertrag zwischen der Gemeinde Guidesweiler, vertreten durch den Bürgermeister Dresen-St. Wendel und den stellvertretenden Gemeindevorsteher Scherer-Guidesweiler als Verpächter einerseits und dem Architekten Karl Fischer –Saarbrücken als Pächter andererseits, wurde heute vorbehaltlich der Zustimmung des Regierungspräsidenten folgender Vertrag abgeschlossen.:
    Der Pachtzins beträgt für jeden von Fischer geförderten Waggon Feldspat zu 200Ctr. Für die ersten beiden Jahre 6 M geschrieben sechs Mark, und von da ab 8 M geschrieben acht Mark…..
    Übrigens: die beiden Fotos stammen aus dem Archiv vom Verein für Geschichte und Heimatkunde Oberthal e.V.
    Und wurde von Kurt Müller aufgenommen.

  • #3

    Überleger (Dienstag, 01 Dezember 2020 16:01)

    "Pastöre und Bauern haben in früherer Zeit in dörflichen Gebieten das Sagen gehabt und haben das Dorfgeschehen bestimmt, was in den meisten Fällen den Dörfern zum Nachteil war."
    Klar ist, daß die Dörfer allesamt Bauerndörfer waren. Jeder hatte doch ein Stück Land und bewirtschaftete das zwecks Lebensunterhalt auch selbst mitsamt Großfamilie: alle mußten doch anpacken.
    Wer war da kein Bauer?- Franz Will fowelt m.Er. e bissje. Eine Mill geht auch nur, wenn Bauern Getreide liefern. So hat der Müller seine Arbeit und Aus- und Einkommen.

    Warum, wenn Pastöre und Bauern das "Sagen" hatten, das zum Nachteil der Bewohner war, erschließt sich mir nicht. Die Verkündigung des Evangeliums Christi und Spendung der Sakramente ist lebenswichtig.

    Die Trasse der Bahn legten keine Bauern fest, sondern die dafür zuständigen Ämter und die damals politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen in Zusammenarbeit mit den Landvermessern und Planern. Gegen den Bahnbau gab es überall Proteste und Eingaben von Grundstückseigentümern- kleinen und großen. Wenn es aus bestimmten Gründen unumgänglich war, wirtschaftliche oder damals insbesondere militärstrategische, wurden die Trassen auch gegen Widerstand genau dort gebaut wo sie gebaut worden sind- kein Wenn und Aber. Die Privateigentümer wurden dafür enteignet und entschädigt.

    In Bezug auf den Feldspatabbau ist schon an anderer Stelle berichtet und kommentiert worden.