Wie man früher in Güdesweiler heiratete

Gemeinde Oberthal

Früher was das ein bisschen anders mit der Heirat, im Gegensatz zu heute. Davon erzählt Franz Will aus dem Buch ,,Güdesweiler Erinnerungen", vom Geschichts- und Heimatverein Oberthal. 

Am 19. November 1919 heiratete meine

 

Schwester Elise Will den Nikolaus Scheid (Merz Neggela). Sie war 24 und er 26 Jahre. Da beide gut betucht waren, gab es auch eine zünftige Hochzeit. Die Trauung war in Namborn in der dor­tigen Kirche. Das Brautpaar fuhr mit den Zeugen in einer Kutsche, Landauer genannt, nach Namborn zur Kirche. Die Gäste gingen zu Fuß eine dreiviertel Stunde Wegestrecke bis zur Kirche in Namborn.

Der da­malige Pastor war ein schwergewichtiger Mann von drei Zentnern. Er hatte so seine Eigenheit; wenn die Brautleute das Aufgebot zur kirchlichen Trauung machten, war seine erste Frage: "Wollt ihr heiraten, oder müßt ihr heiraten?" Das "muß" war damit verbunden, daß die Braut schon schwanger war, und das war eine böse Sünde. Jedes Brautpaar hatte große Angst, so vor den Herrn Pastor zu treten. Es waren damals noch strenge Sitten und Bräuche.

Der Pastor hieß Girst Matthias. Er war ein strenger Herr. Nach der Trauung ging es dann noch zum ersten Umtrunk in eine Namborner Gastwirtschaft, entweder zu Simon oder Sesterheim, und gegen halb zwölf Uhr ging eine wohlgestimmte Hochzeitsgesellschaft nach Güdesweiler. Inzwischen hatten die Köche das Hochzeitsmahl ge­brutzelt, und sie gaben sich viele Mühe, ein feines Mahl herzurichten. Es waren die Essen nicht so üppig wie heute.

Es gab drei Sorten Fleisch, zwei bis drei Sorten Gemüse, dann fehlten die Rotrommele und selbst ange­bauter Meerrettich nicht; der wurde reichlich angewandt. Der Meerrettich wurde abends schon gerappt, und da flossen die Tränen, so daß die, die ihn gerappt hatten, am andern Morgen noch dicke Augen hatten, als wäre ein dicker Familienstreit gewesen.

Es war auch Brauch: Wenn der Hochzeitszug ankam, stand auf dem Melkstuhl eine Schüssel mit der Rotrommelbrühe und den ausge­kochten Fleischknochen, die andeuten sollten, es sei nichts im Hause zum Essen. Neben dem Melkstuhl stand der Sägebock mit einem dicken knor­rigen Holzstück und einer großen Säge. Das Brautpaar mußte das Holz­stück durchsägen, das bezeugte, daß sie kräftig genug waren, in den Stand der Ehe einzutreten.

Dieses Holzsägen ist ja heute noch in Landge­meinden üblich. Auch wurden ein paar Sprüche ausgetauscht, dann mußte das Brautpaar betteln, daß ihnen Einlaß gewährt wurde. Anschlie­ßend wurde das Mittagsmahl auf fein gedeckten Tischen aufgetragen. Nachdem in Namborn schon der Vortrunk gemacht wurde, hat das Hochzeitsmahl gut gemundet. Als Getränk  gab es damals Viez, eigen­gemacht.

Bei Bauern­hochzeiten wurden vorher ein Schwein und ein klei­nes Rind geschlachtet, das wurde schon lange vorher geplant. So wurde so eine Hochzeit ganz billig gestaltet. Bei Brautpaaren, die weniger begü­tert waren, fiel auch die Hochzeit demnach aus. So mehrten sich die Hochzeiten nach dem ersten Krieg, denn so ein vierjähriger Krieg hat manche Bekanntschaft verhindert.

 

So ergab sich 1928 eine Witwenhochzeit. Es war die Witwe Elise Thul (die damalige Thulwirtin). Sie war 59 Jahre alt. Ihr Mann, der Herr Jakob Thul, war 1927 verstorben; es war ihr zweiter Mann. Es kam dann ein 6 Jahre jüngerer Mann aus Hirzweiler, der noch Junggeselle war, und freite die Witwe Thul. Nach ganz kurzer Zeit wurde auch geheiratet.

Diese Hochzeit bekam, wie bei Witwen oder Witwern üblich, eine zünftige Schalwarie. Es wurde so lange schalwiert, bis das Brautpaar ein Fäßchen Bier spendete. Dieser Junggeselle und Bräutigam ließ sich nicht lumpen und hielt die Schalwariegesellschaft, es waren über 100 Leute, im Gast­haus Klees nebenan zehrfrei. Es wurden mehrere Fäßchen Bier getrunken.

Der neue Mann hat aber in Güdesweiler keine Sympathie gefunden. Er war ein schrulliger frustrierter Mann, wogegen seine Frau von jeher und auch später eine sympathische Frau war. Nebenan der Gastwirt Nikolaus Klees, auch noch Junggeselle im gleichen Alter, war auch im Gespräch, Brautwerber zu werden, aber es wurde nichts daraus.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Leser 3 (Montag, 07 Dezember 2020 12:26)

    Schöne Geschichte ....

    Wer heit noch heirate geht, is scheen bleed . Äner Vorteil die Steuerklass.