Als in Gronig der Wohlstand einzog......

Gronig

 

Manchmal sollte man sich daran erinnern, da wir ja gerne immer ständig über alles meckern, wie gut es uns heute geht. Veranschaulichen lässt sich das am besten, wenn wir die 

Uhr ein wenig zurückdrehen ungefähr ins 18. Jahrhundert und schauen mal dort was da in Gronig so los war. Denn da ging es den Bürgern bedeutend schlechter als heute. Gronig war ein abgelegenes Dorf. Die einzige befahrbare Straße führte über St.Wendel und endete in Gronig. Die Orte Selbach oder Theley waren nur über kleine unbefestigte Wege zu erreichen. 

 

Es gab weder eine zentrale Wasserversorgung, noch gab es elektrisches Licht. Die Häuser hatten aber Brunnen, zudem gab es einen öffentlichen Brunnen im Dorf. Gronig hatte zu dieser Zeit 293 Einwohner, bestand aus 51 Familien, die in 40 Häusern lebten. Alle waren zu 100% Katholiken. 

 

Und jetzt wirds lustig, soll aber keinen Affront meinerseits gegen die Groniger sein. Der Charakter der Groniger wird als ,,mittelmäßig gut", beschrieben. Also Geistesbildung, Religiosität und Sittlichkeit waren nur mittelmäßig ausgeprägt, denn der Bürgermeister Biegel musste regelmäßig einen Bericht über das Dorf bei der Verwaltung vorlegen. Und der sah so aus:

 

,,Zur Verbesserung des Zustandes der Einwohner wäre eine strenge Polizei höchst notwendig - die hohen Geldstrafen ruinieren den Landmann und verbessern ihn keineswegs, weil er durch andere Räubereien dasjenige zu ersetzen sucht, was er zahlen musste". 

 

Sie waren also arm, die Groniger, wobei ich davon ausgehe, das es um die Oberthaler nicht besser bestellt war. Da sich ja einige Röthelbrüche in unserer Gegend befanden, gruben unsere armen Vorfahren danach und sorgten so für ihren Unterhalt. Sie verkauften den Centner Röthel für ca. 2 fl. Gemäß Süddeutschland bezahlte man in Gulden (fl) . Also ein Eimer Bier kostete 1 fl und 30 Kreuzer. 

So müsse wohl die Groniger Röthelkrämer ausgesiehn hann....
So müsse wohl die Groniger Röthelkrämer ausgesiehn hann....

Den Röthel transportierten sie auf dem Rücken, auf Eseln und kleinen Karren in die benachbarten Länder wie Frankreich und der Schweiz oder auch Bayern.

 

Erst gegen 1875 ging es den Groniger besser durch Einzug der Industrialisierung. Da arbeiteten von 419 Einwohnern 58 als Bergleute. Die Zahl stieg stetig und die Garantie über ein festes Einkommen war die Grundlage für die weitere Entwicklung von Gronig ab 1880.

 

Somit hielt auch der technische Fortschritt im Dorf ein und die Haushalte wurden an die örtliche Wasserleitung angeschlossen. Und ab 1913 fingen die Groniger an zu telefonieren. Der erste Telefonanschluss wurde in der Wirtschaft Biegel an der Hauptstraße installiert. 

 

Genauer gesagt im Nebenraum der Gaststätte hatten der Jakob Biegel, der von Humweiler war und seine Frau Barbara aus Oberthal, eine öffentliche Fernsprechstelle eingerichtet. Dafür bekam der Jakob 15 Mark für die Telefonhaltung von der Gemeinde.

 

Und zudem wurde noch eine Posthilfsstelle im Haus ( heute würde man sagen Homeoffice ) eingerichtet die nachher zu einer Poststelle ausgeweitet wurde und alle Postangelegenheiten erledigte. Und Jakob Biegel wurde Briefträger. Wie praktisch. 

 

Also zusammenfassend können wir sagen, dass Gronig sich gut entwickelt hat. Denn wenn wir in 1700 zurückspringen, können wir nachlesen, das Gronig noch aus Strohhütten bestand und sich in einem erbärmlichen Zustand befand. Später um 1922 gab es dann auch Strom für alle und 1937 wurde endlich eine Straße nach Selbach gebaut. 

 

Um die Donatuskapelle entwickelte sich nach und nach der Ortskern und Männlein und Weiblein aus Osenbach, Imweiler, Linden, Güdesweiler und sogar Bliesen vermischten sich freudig mit den Gronigern und so durfte letztendlich eine lebendige Kultur im Ort entstehen. So entstanden Rawersch-, Schuwennels-, Jäbe-, und Schuhe-Haus und all die anderen. Eine schöne Chronik aus dem Buch von Alois Hans in Zusammenarbeit mit dem Geschichts- und Heimatverein Oberthal. 

 

 

Hauptstraße von Oberthal nach Gronig

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Kommentare: 13
  • #1

    Leser (Dienstag, 20 April 2021 07:18)

    Toller Bericht. Es wäre schön, wenn man die Bilder im Text auch anklicken und vergrößern könnte. Gilt für alle Veröffentlichungen.

  • #2

    Bauer B. (Dienstag, 20 April 2021 10:17)

    Einfach drauf tippen und schon gehts

  • #3

    Leser (Mittwoch, 21 April 2021 07:06)

    @ Bauer B.
    Das geht nur bei den beiden letzten Bildern, bei den anderen eben nicht.

  • #4

    Isabelle (Mittwoch, 21 April 2021 09:44)

    Hier für den Leser, vielleicht gehts jetzt.....

  • #5

    Schreibfix (Mittwoch, 21 April 2021 11:48)

    Wie Du schreibst an o.a. Stelle,
    meine liebe Isabelle,
    sei an Mombergs Fuß in Gronig
    Sittenlosigkeit schon chronisch
    seit Jahrhunderten vorhanden ;
    Geist, Charakter früh verschwanden,
    auch den Glauben der Katholen
    ließ man fall`n ganz unverhohlen !

    All dies hast Du toll beschrieben,
    doch nur eins wurd` übertrieben -
    wie kann man ganz unbenommen
    zu der Überzeugung kommen,
    daß man Gronigs Sündenbabel
    gleichsetzt mem Gemeindenabel ?
    Oberthaler Frauen, Männer
    waren niemals solche Penner,
    waren redlich, fromm und fleißig,
    heut` ist das noch so, das weiß ich !

    Drum sollten an dieser Stelle,
    meine liebe Isabelle,
    künftig bei Deinen Berichten
    nur noch Tatsachen-Geschichten
    hier veröffentlicht wir lesen -
    dann bist Du fern von dem Bösen !

  • #6

    Isabelle (Mittwoch, 21 April 2021 12:40)

    O weh, lieber Schreibfix, jetzt hast du die Groniger verärgert und ich wollt ihnen ein wenig beistehen und einen Teil auf die Owerdähler abwälze....lach....

  • #7

    Augur (Mittwoch, 21 April 2021 14:52)

    Matthäus 7,3

  • #8

    Schreibfix (Donnerstag, 22 April 2021 11:16)

    Reg Dich nicht künstlich auf, Augur,
    ich schrieb hier doch die Wahrheit nur !

    Zum Hinweis aufs Matthäus-Wort
    entschlüpft als Antwort mir sofort
    der Markus-Brief, Kapitel 4,
    Vers 14, 15 - paßt zu Dir !

  • #9

    Augur (Donnerstag, 22 April 2021 13:01)

    I am the Spirit that denies!
    And rightly too; for all that doth begin
    Should rightly to destruction run;
    'Twere better then that nothing were begun.
    Thus everything that you call Sin,
    Destruction - in a word, as Evil represent-
    That is my own, real element.

  • #10

    Schreibfix (Donnerstag, 22 April 2021 15:00)

    Was soll denn das, Auguren-Flappes ?
    Zitieren den Mephisto-Kappes,
    Und dann auch noch mit fremder Zunge -
    das ist nicht grad das Höchste, Junge !

    Erfinde eine eigne Rede,
    denn wie spricht schon der Faust bei Goethe :
    " Such Er den redlichen Gewinn !
    Sei Er kein schellenlauter Tor !
    Es trägt Verstand und rechter Sinn
    mit wenig Kunst sich selber vor ;
    und wenn`s Euch ernst ist was zu sagen,
    ist`s nötig, Worten nachzujagen ? "

    In diesem Sinn - ich wünsch viel Glück -
    erwarte ich Dein eignes Stück !

  • #11

    вот я стою сейчас бедный дурак (Donnerstag, 22 April 2021 20:16)

    @schreibfix

  • #12

    Groniger (Montag, 26 April 2021 09:38)

    Die Oberthaler sind also für den Gegenwert von 4 Eimer Bier mit 6 Zentner Rötel nach Bayern ?

  • #13

    Schreibfix (Montag, 26 April 2021 14:33)

    Au wei, Du Mann von Mombergs Fuß,
    die Rechnung scheint mir sehr konfus :
    ein Zentner Rötel - 2 fl,
    gibt 6 mal 2 : 12 auf die Schnell`,
    1,30 für den Eimer Bier
    ergibt 5,20 wohl für vier !

    Weil ich nun mal nicht glauben kann,
    daß so ein Rötelkrämermann
    sich selber in den Säckel lügt,
    dafür die Bayern gern betrügt,
    hätt` der aus Oberthal bestimmt
    fünf weitren Eimern zugestimmt -
    der Groniger einfält`ge Borsch
    wär auf der Heimfahrt fast verdorscht !

    Dies war auch vor Corona-Zeit
    der Grund für Gronigs Heiterkeit,
    da sind oft Herren mit Gelall`
    auf Wirtshausstufen tief gefall`,
    im Sturz erschallt`s laut voll Plaisier
    " Herr Wirt, noch einen Eimer Bier "